Noch gibt es keine Verträge

Unterkunft für 1000 Flüchtlinge: Stadt schaltet Anwalt ein 

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Die Büssingstraße 1 im Eppertshäuser Park 45.

Eppertshausen - Die Kommune mit rund 6200 Einwohnern beherbergt 120 Flüchtlinge, damit fast doppelt so viele, wie ihr der Quote im Kreis entsprechend zustünden. Jetzt will der Landkreis eine Asylunterkunft für weitere 1000 Menschen anmieten. Von Thomas Meier 

Noch sind keine Verträge unterzeichnet. Die Gemeinde hat einen Rechtsanwalt eingeschaltet und lädt zur Bürgerversammlung ein. Landrat Klaus Peter Schellhaas ließ beim Neujahrsempfang der SPD in Eppertshausen vermutlich ungewollt die Katze aus dem Sack, als ein Zuhörer aus dem Publikum genauer nachfragte. 58 Minuten sprach Schellhaas bei den Genossen und widmete dabei viel Zeit darauf, die Lage zur Flüchtlingssituation im Kreis zu beleuchten. Das Land habe bereits vergangenen Oktober darüber informiert, dass auch Darmstadt-Dieburg weitere große Notunterkünfte werde schaffen müssen. Schellhaas nannte hier erstmals die Zahl 1000.

Bürgermeister und Landräte seien im November bei einer großen Konferenz in Friedberg mit dem Ministerpräsidenten darüber in Kenntnis gesetzt worden, dass „alle die, die heute schon 1000 Notunterkunftsplätze vorzuhalten haben, damit rechnen müssen, je nach Entwicklung weitere 1000 Plätze schaffen müssen.“ Schellhaas weiter: „Das wären bei uns dann 2000.“

Beim Empfang sagte der Landrat: „Mit diesem Rückenwind haben wir uns dann auf den Weg gemacht und haben geeignete Liegenschaften gesucht.“ Und „geeignete Liegenschaften“ seien für ihn keine Turnhallen oder Bürgerhäuser mehr. „Davon sind schon genug belegt“, kam der Verwaltungschef auf die Suche nach leer stehenden Industriegebäuden zu sprechen. Und die suche man in Eppertshausen wie in allen anderen Landkreiskommunen.

Ein Gast im Publikum wurde wohl stutzig und hakte nach. Eppertshausen sei schon über dem Soll. Könnten des Landrats Worte denn bedeuten, dass man „nicht von 40 bis 50 zusätzlichen Flüchtlingen, sondern ganz anderen Dimensionen spricht?“. Ja, man spreche von 1000, räumte der Landrat daraufhin ein. Dass schon lange am Vertragswerk gefeilt wird, der mit dem ehemaligen Inhaber der Firma Truckcenter Hauser für das Objekt in der Büssingstraße 1 im Park 45 geschlossen werden sollte, verriet Schellhaas da nicht.

Auch unserer Zeitung gegenüber hieß es gestern aus der Pressestelle des Landkreises, bis zur Vertragsunterzeichnung werde man keine Stellungnahme zum Thema Flüchtlingsunterbringung in Eppertshausen mehr abgeben. „Wir bestätigen, dass die Gemeinde Eppertshausen einen Rechtsanwalt beauftragt hat, ihre Interessen gegen den Landkreis zu vertreten, auch hier wird es Gespräche geben, die wir zunächst abwarten, bevor wir uns zum weiteren Vorgehen äußern.“

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Man sei erstaunt über den Termin der Bürgerversammlung am Samstag um 14 Uhr in der Bürgerhalle: „Landrat Schellhaas hat Bürgermeister Carsten Helfmann bereits am vergangenen Samstagabend mitgeteilt, dass er am 16. Januar um 14 Uhr aus Termingründen nicht an einer Bürgerversammlung teilnehmen kann. Dennoch wurde der Termin am Sonntag durch den Bürgermeister kommuniziert. Selbstverständlich kann die Gemeinde Eppertshausen für Samstag eine Bürgerversammlung einberufen, dann allerdings ohne Vertreter des Kreises.“

Michael Hauser, der vor einem Jahr von seiner Firma HT Hauser Trucks GmbH die Geschäftszweige Lkw-Vermietung und Werkstatt an die TIP Trailer Services Germany verkaufte, wollte weder bestätigen, in Verhandlungen mit dem Kreis zu stehen, noch sonst welche Auskünfte geben. Er sei „eben erst aus dem Urlaub zurück gekommen“ und müsse sich erst über aktuelle Abläufe informieren, sagte er gestern auf Anfrage.

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