„Eppertshausen ist überfordert“

Unterkunft für bis zu 1000 Flüchtlinge im Park 45

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An der Büssingstraße 1 im Eppertshäuser Park 45 plant der Landkreis, Flüchtlinge unterzubringen.

Eppertshausen - In den vergangenen Tagen war es noch offen, doch beim Neujahrsempfang der SPD wurde Landrat Klaus Peter Schellhaas deutlich. Von Stefan Scharkopf 

Der Landkreis Darmstadt-Dieburg beabsichtigt, ein Objekt im Park 45 anzumieten und dort bis zu 1 000 Asylbewerber unterzubringen. Die Gemeindespitze von Eppertshausen sieht eine Gefährdung des sozialen Friedens. Eine Fahrzeughalle mit rund 2 500 Quadratmetern und das zweistöckige Verwaltungsgebäude in der Büssingstraße 1 im Park 45 soll als Asylunterkunft für 500 bis 1 000 Menschen genutzt werden. Die Mietdauer soll fünf bis sieben Jahre betragen. So schwebt es dem Landkreis vor. Fest ist allerdings noch nichts; es gibt bislang keinen unterschriebenen Mietvertrag. Bürgermeister Carsten Helfmann lädt zu einer Bürgerversammlung für Samstag, 16. Januar, 14 Uhr, in die Bürgerhalle ein. Dort werden die Pläne des Kreises erläutert und die Gemeinde will mögliche Alternativen vorstellen.

Vor etwa drei Wochen hatte Bürgermeister Carsten Helfmann von der Überlegung gehört und Bedenken geäußert, dass die Kläranlage die anfallenden Wassermengen nicht reinigen könne. Damit war das Thema aber nicht vom Tisch. Nun sollen, so schildert es der Verwaltungs-chef in einer Stellungnahme, Sanitärcontainer auf dem östlichen Hofbereich aufgestellt werden. Ein in die Erde einzubauender Tank könnte das anfallende Abwasser aufnehmen; täglich oder nach Bedarf würde das Behältnis dann abgepumpt. Am Montag vergangener Woche waren die Pläne wieder zu hören, so dass sich die Gemeinde am Dienstag rechtlichen Beistand geholt hat.

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Helfmann wehrt sich gegen die Pläne des Kreises. „Wir sind auf gar keinen Fall gegen unsere Asylbewerber oder Flüchtlinge, aber wir sind gegen die ungerechte Verteilung im Landkreis. Wir sehen den sozialen Frieden in Eppertshausen massiv gefährdet“, schreibt Helfmann in einer Pressemitteilung, „bei 6 200 Einwohnern haben wir aktuell bereits 120 Flüchtlinge aufgenommen. Damit haben wir die vom Kreis beschlossene Zuweisungsquote (65 Flüchtlinge) um 200 Prozent erfüllt. Aktuell haben wir also bereits fast doppelt so viele Menschen aufgenommen, wie der Kreisausschuss noch im Jahr 2015 beschlossen hat.“

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Eventuell werden im Johannishof noch weitere 100 Flüchtlinge untergebracht. „Wenn jetzt noch zusätzlich 1 000 Flüchtlinge in einer Massenunterkunft untergebracht werden, ist eine Integration unmöglich. Dies wären in Summe weit über 1 000 zu integrierende Menschen im Ort – das schaffen wir nicht“, räumt Helfmann ein. Durch die Änderungen im Kommunalen Finanzausgleich ist Eppertshausen auf den letzten Platz aller 23 Städte und Gemeinden bei den verbleibenden Steuermitteln abgerutscht. Helfmann sieht Nachteile bei der Vermarktung der Restflächen im Park 45, wenn in unmittelbarer Nachbarschaft Sanitärcontainer aufgestellt werden müssen. Aktuell sind das Grundstück und die Gebäude an mehrere Firmen vermietet. Durch die Nutzung als Flüchtlingsunterkunft würden so Arbeitsplätze und Steuereinnahmen verloren gehen. Ein Imageverlust für den Park 45 sei zu befürchten. Weiterhin rechnet Helfmann mit einer Überforderung seiner kleinen Verwaltung und der ehrenamtlichen Kräfte.

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Die Ablehnung der Kreispläne will der Verwaltungs-chef keinesfalls als gegen Flüchtlinge gerichtet wissen. „Viele Eppertshäuser engagieren sich seit vielen Jahren für eine gute Flüchtlingsarbeit und integrieren seit den 90er Jahren ununterbrochen, 60 Menschen in unserer Gemeinde. In den letzten Monaten haben wir weiteren 60 Asylbewerbern eine neue Heimat gegeben.“ Die Vereine böten Sportmöglichkeiten an, an fünf Tagen in der Woche organisierten ehrenamtliche Helfer Deutschkurse, ein Kleiderkorb sei eingerichtet worden und vom Landkreis habe die Gemeinde ab dem 1. Januar die Sozialbetreuung aller 120 Asylbewerber übernommen. „Ja, wir haben in Eppertshausen schon viel in den letzten Jahren unternommen und werden unsere Asylbewerber in unserem Ort auch weiterhin integrieren“, sagt Helfmann.

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