„Sind wir nicht ein bisschen Hobbit?“

Wie die Hobbits aus Tolkiens Feder, hatte auch dieser Besucher ordentlich Haar auf den Füßen.
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Wie die Hobbits aus Tolkiens Feder, hatte auch dieser Besucher ordentlich Haar auf den Füßen.

Eppertshausen - Es gibt Veranstaltungen, da lohnt es sich den Besuchern auf die Füße zu schauen: Wer dies am Samstag im Haus der Vereine in Eppertshausen tat, erlebte eine Überraschung: Nicht nur, dass einige Besucher Mitte Februar barfuß liefen fiel auf, sondern auch die extreme Behaarung auf so manchem Fußrücken. Für Kenner der Materie waren die kräftigen Büschel ein untrügerisches Zeichen: „Das ist ein Hobbit!“ Von Michael Just

Die Kenner sind in diesem Fall die Fans von „Herr der Ringe“, jener bekannten Erfolgsbuchtrilogie, die der Oxforder Professor J.R.R. Tolkien in den 30er Jahren verfasst und die von Peter Jackson vor wenigen Jahren nicht minder erfolgreich verfilmt wurde.

Am Samstag fand der 29. „Tolkien-Tag“ zum ersten Mal im Rhein-Main-Gebiet statt. Gastgeber war der Stammtisch „Die Grauen Frankfurten“, die Mitglieder der Deutschen Tolkien-Gesellschaft mit Sitz in Köln sind. Sie hat es sich zur Aufgabe gemacht, über Leben und Werk des britischen Erfolgsautors zu informieren. „Mit weit über hundert Millionen verkauften Exemplaren zählt der ,Herr der Ringe' zu den meistverkauften literarischen Werken der Menschheitsgeschichte“, hebt Mit-Organisatorin Birgit Fischer heraus. Neben Brett-, Rollen- und Kartenspielen haben laut der Otzbergerin vor allem Computerspiele und Hörbücher in Deutschland hohe Verkaufszahlen erreicht. So erwartete die Besucher neben der persönlichen Begegnung mit „Hobbits“ und „Elben“ ein umfangreiches Rahmenprogramm mit Vorträgen, Lesungen, Verkaufsständen oder Workshops.

Wie Fischer erzählt, konnte sie zuvor mit Fantasy-Erzählungen nicht so viel anfangen. „Die Stereotypen von Drachen und schreienden Jungfrauen waren nicht so mein Ding“, sagt die 43-jährige Bürokauffrau. Als sie „Herr der Ringe“ anfing zu lesen, legte sie das Buch bald wieder zur Seite. Erst Jahre später entwickelte sich plötzlich eine Begeisterung. Zum einen imponierte ihr der Sprachstil von Sprachwissenschaftler Tolkien, zum anderen faszinierte ihr der Bezug des Autors zu den Sagen der nordischen Völker. Am Samstag trat Fischer mit einem Umhang und einem bäuerlich anmutenden Oberteil auf. „Das ist im Prinzip Landhaus-Stil“, erklärt die Otzbergerin. Der passe in dem Fall, da die Hobbits sehr naturverbunden leben. Andere Besucherinnen hatten geflochtene Haare und lange Kleider, die an Burgfräuleins oder Feen erinnerten. Fast alle Kostüme waren selbst genäht. „Die Muster sind mittlerweile an den Film angelegt“, hebt Fischer heraus. Als man vorher nur die Beschreibungen in den Büchern kannte, sei der Spielraum für die Fantasie größer gewesen. Den Film sieht sie aber trotzdem als positiv und gut gemacht, auch wenn sich Jackson nicht immer an die Vorlage gehalten hat. Dazu zählt, dass mehr Frauen im Film mitspielen als eigentlich im Buch vorkommen. „Als Tolkien das Werk Ende der 1930er Jahren schrieb, war die Welt noch männerdominiert und die Frauenrolle durch das Heimchen am Herd bestimmt“, weiß Fischer. „Jackson hat dann einige männliche Rollen Frauen zugeteilt, um die Sache ausgewogener zu gestalten.“

Derzeit hat die Deutsche Tolkien-Gesellschaft rund 500 Mitglieder. Die Zahl stieg nach der Verfilmung an, flachte dann aber wieder ab. „Der Film hat zu einer großen Euphorie geführt“, sagt Fischer. „Bald hat sich dann aber doch wieder die Spreu vom Weizen getrennt und man hat gesehen, wer die Bücher gelesen hat und wer nicht.“

Mit welcher Begeisterung „Herr der Ringe“-Fans auftreten, wurde nicht nur an den Kostümen deutlich. Selbst gemalte Bilder mit Motiven aus „Mittelerde“ waren ebenso zu finden wie Dioramen - nachgebaute Miniaturlandschaften - in die dann die im Handel erhältlichen Figuren platziert werden. Wie auch zum Thema „Star Wars“ gibt es im Internet zur „Herr der Ringe“-Saga mittlerweile nichts, was es nicht gibt - natürlich auch mit den entsprechenden Sammlerpreisen. So hatte sich ein Besucher für das Treffen die Maske von „Sauron“, dem dunklen Herrscher in der Trilogie, aus Amerika bestellt. „Die meisten Fans sind sehr fantasievolle Menschen und wollen die bunten Kreationen der Bücher auch in unserem oft grauen Alltag ein bisschen leben“, weiß Fischer. Allen Mitgliedern der Tolkien-Gesellschaft sei dabei bewusst, dass es sich bei dem Werk in erster Linie um ein grandioses Stück Weltliteratur handelt. Trotzdem sollte man nicht alles zu ernst nehmen, wie Fischer schmunzelnd heraushebt: „Sind wir nicht alle ein bisschen Hobbit?“

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