Mit Irmgard lesen lernen

Alphabetisierungs-App aus Eppertshausen

+
Für Ronja Brockhage aus Eppertshausen ist das Alphabetisierungs-Projekt Irmgard Arbeit und Hobby zugleich.

Eppertshausen - „Irmgard“ ist das Gesicht eines Projekts, an dem Gruppen in Berlin und Frankfurt arbeiten. Die „Irmgard-App“ soll Analphabeten Buchstaben näherbringen. Auch Flüchtlinge sind inzwischen ins Blickfeld gerückt. Von Klaus Holdefehr 

Die Eppertshäuserin Ronja Brockhage engagiert sich für den weiteren Ausbau des Angebots.  Die 20-Jährige aus Eppertshausen studiert Geografie in Frankfurt und hat damit nicht unmittelbar einen inhaltlichen Bezug zum Projekt. Jedoch hatte Brockhage den Wunsch, fürs Gemeinwohl aktiv zu werden. So stieß sie auf „Enactus“ – was einer Erklärung bedarf. Enactus steht für „ENtrepreneurial ACTion für others creates a better world für US all“, und das wiederum heißt: Unternehmerisches Engagement für andere schafft eine bessere Welt für uns alle. Enactus-Gruppen gibt es an vielen Universitäten, sie arbeiten unabhängig voneinander und projektbezogen.

Enactus Frankfurt, mit rund zehn Mitgliedern, hat einen Projektpartner: „Kopf, Hand und Fuß“ in Berlin. Das ist eine gemeinnützige GmbH um Stefanie Trzecinski mit elf weiteren engagierten Menschen, die schon länger an „inklusiven“ Projekten arbeiten. Sprache spielt dabei eine große Rolle, auch Gebärdensprache. Und von dieser Basis war es gar kein so weiter Schritt zu einer App, die Erwachsenen – Einheimischen wie Flüchtlingen – dabei helfen soll, Lesen und Schreiben zu lernen. Das geht über das Tablet und das Mobiltelefon, wenn das Betriebssystem Android heißt. „Fast alle Flüchtlinge haben ja ein Handy“, weiß Brockhage und freut sich über die Niedrigschwelligkeit des Angebots.

Neun Level sind bereits konzipiert. Level eins mit den Vokalen A, E, I, O, U steht bereits im Netz und kann kostenfrei unter www.appirmgard.de heruntergeladen werden. Dort gibt es auch viele weitere Informationen über das Projekt. „Level zwei ist so gut wie fertig“, freut sich die Studentin, und Level drei ist durchfinanziert.“ Ein Blick in „Level eins“ zeigt: Irmgard spielt tatsächlich eine große Rolle. Irmgard heißt mit Nachnamen Schwiderski und ist ganz zweifelsfrei gelernte Pädagogin. Freundlich, aber bestimmt, beschreibt sie mit „Aal“ und „Elefant“ die ersten beiden Vokale und ihre schriftliche Repräsentanz in der deutschen Sprache.

Hausboot und Vokabelcoach: Apps und Spiele für den Lernspaß

Natürlich kostet das Geld – für die Programmierung, für die Produktion von Videos, die Toneinspielungen, die Grafik. Später wird’s dann günstiger, denn für die Online-Verwaltung fallen nur noch geringe Kosten an. Auf jeden Fall bedarf es aber Sponsoren. Deshalb koordiniert Brockhage nicht nur die gesamte Projektarbeit, sondern steigert den Bekanntheitsgrad der App und wirbt Spenden ein. Werbung in der Anwendung ist ebenfalls kein Tabu, denn auf Dauer soll sich die Sache selbst tragen. Das ist die „unternehmerische“ Dimension von Enactus: Die Gruppen wollen und sollen Projekte entwickeln, die eben nicht dauerhaft zur Subventionstankstelle müssen. Diese Art der Nachhaltigkeit hat es der Eppertshäuserin besonders angetan.

Weitere Informationen gibt es unter www.appirmgard.de.

Kommentare