Pop in afrikanischer Stammessprache

Zwillingsband Ibeyi verbindet ethnische Musik mit elektronischen Beats

Frankfurt - Gleich mal ein koketter Auftrittsgag: ein noch von hinter der Kulisse gesungener A-capella-Song. Das kommt gut an beim Publikum. Als nächstes eine Geste zum Anfeuern des Begrüßungsapplauses, mehrmals gibt es später Aufforderungen zum Mitsingen. Von Sebastian Hansen 

Ibeyi

Ibeyi eilt ein Ruf voraus. Die französisch-kubanischen Zwillinge, die das vom Frankfurter Mousonturm veranstaltete Festival „Summer in the City“ in der ausverkauften Naturarena um die Konzertmuschel des Palmengartens eröffnet haben, sind im vergangenen Jahr für ihr Debütalbum quer durch die Medien in den Himmel gepriesen worden. Hört man die konservierten Fassungen ihrer Musik, ließe sich mutmaßen, den beiden Frauen könnte eine leicht überirdische Aura eigen sein. Doch nein, im Konzert präsentieren die Anfangzwanzigerinnen sich überraschend als sprühende Entertainerinnen, gar als richtige Stimmungsmacherinnen. Die Musik fällt aus dem Rahmen, zugleich aber ist sie ausgesprochen gefällig. Es ist Ibeyi gelungen, aus dem Zusammenspiel von zeitgenössischen Techniken der musikalischen Produktion und Stilelementen der traditionellen ethnischen Musik eine ganz eigene Klangwelt zu schaffen. In einem steten Fluss wandelt sich das Klangbild ständig.

Der Ausgangspunkt ist ein englischsprachiges Singer/Songwritertum, vor diesem Hintergrund treffen die Sprache und die Gesänge der in Westafrika heimischen Yoruba, deren Kultur über den Sklavenhandel nach Mittelamerika gelangt ist, auf die reduktionistischen elektronischen Beats eines James Blake. Ein bestimmtes strukturelles Grundschema kehrt vielfach wieder: Die Songs beginnen in Englisch, irgendwann gleiten Lisa-Kaindé und Naomi Diaz ins Yoruba über. Die Stimmung ist grundsätzlich eine positive, melancholische Betrachtungen eingeschlossen. Es geht um die Liebe, um Natur und Familie. Ein Lied ist der Mutter und eines dem früh verstorbenen Vater gewidmet, dem kubanischen Congaspieler Miguel „Anga“ Diaz, er hat unter anderem bei Irakere gespielt und ist Mitglied des Buena Vista Social Clubs gewesen.

So wirkt Musik auf unseren Körper

Der Gesang strömt mal klar hervor, mit einem beiläufigen rhythmischen Jazzflair, immer wieder aber heben die Zwiegesänge in eine Freiheit ab, die an die außergewöhnliche Vokaltechnik von Björk erinnert. Aus dem Off tönen zuweilen ätherische Chöre aus den gesampelten eigenen Stimmen. Es finden sich auch a capella vorgetragene traditionelle Yorubalieder im Repertoire. Es kommt ausgesprochen gut an, einen gewaltigen Applaus haben die beiden eingefahren, samt erjubelter Zugabe. Ein Erfolg mit Recht.

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