„Bad Jews“ im English Theatre

Familienzwist im noblen Apartment

Frankfurt - Was mag dieses schöne Apartment in Manhattan gekostet haben? Vom Fenster des Bades kann man sogar auf den Hudson River schauen. Daphne (Eden Malyn) ist beeindruckt vom Zuhause ihres Cousins Jonah (Cory Kahane). Von Thomas Ungeheuer

Bei Jonah ist die junge, gebildete Frau zu Besuch, weil der geliebte Großvater, ein Überlebender des Holocaust, verstorben ist. Zu dessen Trauerfeier waren 400 Gäste gekommen. Jonahs Bruder Liam (Adam Silver) hatte es nicht geschafft. Erst jetzt kehrt er aus dem Urlaub zurück und will bei Jonah übernachten, im Schlepptau seine neue Freundin Melody (Stephanie Burden). Um zu erkennen, dass die Blondine naiv und ungebildet ist, braucht Daphne nicht lange. Bald lässt sie die Frau ihre Missachtung spüren, was den Choleriker Liam verärgert. Aber noch etwas anderes rückt ins Zentrum des Geschehens. Daphne will unbedingt die Halskette des Großvaters erben. Für sie hat das Schmuckstück hohen symbolischen Wert.

Es ist nicht die große Geschichte, die Joshua Harmon in seinem Einakter „Bad Jews“ erzählen will, den der amerikanische Regisseur Jonathan Fox auf die Bühne des English Theatre Frankfurt gebracht hat. In diesem Sinne steht in den anderthalb Stunden weniger die Entwicklung der Figuren im Vordergrund, sondern deren Charaktere – mit dem was sie zu sagen und zu verschweigen haben.

Harmon erweist sich nämlich nicht nur als sehr genauer Beobachter, sondern vor allem als geschickter Autor, wenn er die selbstbewusste Daphne in den Mittelpunkt seiner tragischen Komödie rückt. Als außergewöhnlich sprachgewandte Frau bringt sie auf unaufdringliche Weise dem Zuschauer einiges über die jüdische Religion nahe. Und wie nebenbei wird dies mit den Konflikten verbunden, die in der spannenden wie humorvollen Inszenierung nicht nur mit spitzen Worten ausgetragen werden.

Dafür braucht es exzellente Schauspieler, die wunderbar treffsicher besetzt sind. Auch wenn Eden Malyn als Daphne die größte Sprechrolle innehat und sie mit ihrem energiegeladenen Spiel fasziniert, bleiben die anderen Akteure stets präsent auf der von Charlie Corcoran großartig gestalteten Bühne.

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