Konzert in Frankfurt

Billy Joel lässt kaum Wünsche offen

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Billy Joel singt in Frankfurt bei seinem einzigen Deutschlandkonzert in der Commerzbank-Arena vor mehr als 30.000 Zuschauern.

Frankfurt - Es ist ein seltenes Ereignis, eines, von dem 30.000 Fans in Frankfurt sagen können: Ich bin dabei gewesen. Den Auftritt von Billy Joel in der Commerzbank-Arena – sein erster in Deutschland seit zehn Jahren – als solide zu bezeichnen, wäre maßlos untertrieben. Von Katrin Stassig

In seiner Heimatstadt New York verwöhnt Billy Joel das Publikum mit regelmäßigen Konzerten. Seit Januar 2014 spielt er dort einmal im Monat vor 20.000 Zuschauern im Madison Square Garden. Dieses Gastspiel soll so lange weitergehen, wie Nachfrage besteht. Für die Termine bis Ende des Jahres vermeldet Joels Homepage: Sold out! In Deutschland trat der 67-Jährige zuletzt 2006 in Frankfurt und Hamburg auf. Trotzdem waren für das einzige Deutschlandkonzert in der Commerzbank-Arena am Samstagabend noch Restkarten erhältlich.

Der Innenraum ist bestuhlt – schließlich sitzt auch der Künstler die meiste Zeit an seinem drehbaren Klavier. Vor allem jene Fans in den vorderen Reihen nutzen ihre Stühle in den folgenden zweieinhalb Stunden kaum. Fulminant startet Billy Joel sein Programm mit „Miami 2017 (Seen the Lights Go Out on Broadway)“, gefolgt von „Angry Young Man“, „Just the Way You Are“ und „The Entertainer“, das als Motto über diesem Abend stehen könnte. Gut gelaunt und zu Plaudereien aufgelegt, interagiert der „Piano Man“ mit seinem Publikum. Zehn Jahre sei er nicht da gewesen, stellt er fest, habe – abgesehen vom ergrauten Bart – zwischenzeitlich keine Haare mehr („Ich sehe aus wie mein Vater“). Er sei unterwegs gewesen mit diesem anderen „piano player“, erzählt er und lässt eine kurze Elton-John-Imitation mit „Your Song“ folgen.

„Das war keine Hit-Single“, kündigt Joel das Stück „Zanzibar“ vom Album „52nd Street“ (1978) an. Manch einer im Publikum kenne es deshalb vielleicht nicht – eine gute Gelegenheit, auf die Toilette zu gehen, rät der Künstler augenzwinkernd. Die Band spiele das Stück aber gerne. Schließlich bietet es Trompeter Carl Fischer die Möglichkeit, sich solistisch hervorzutun. Gitarrist Mike Delguidice darf später mit „Nessun dorma“ sein Gesangtalent beweisen, und sogar Crew-Mitglied „Chainsaw“ hat einen großen Auftritt: Zur Begeisterung des Publikums singt er „Highway to Hell“ von AC/DC, während Joel an der Gitarre in die Saiten haut. Darauf folgt – thematisch irgendwie passend – „We Didn’t Start the Fire“: 40 Jahre Weltgeschichte (1949 bis 1989) in knapp fünf Minuten, mit den dazugehörigen Bildern, die sich im Sekundentakt auf der Videoleinwand ablösen.

Bilder: Billy Joel in Frankfurt

Zweimal lässt Joel sein Publikum abstimmen, welches Lied es lieber hören möchte. Der Jubel für „Vienna“ übertönt (leider) den für „Summer, Highland Falls“, und „The Longest Time“ gewinnt deutlich vor „Say Goodbye to Hollywood“. Die Fans freuen sich im Grunde über jedes Lied, sei es „Keeping the Faith“, „My Life“, „Uptown Girl“ oder „The River of Dreams“, Titelsong des bisher letzten Studioalbums aus dem Jahr 1993.

Große Momente gibt es bei „Scenes from an Italian Restaurant“, „Leningrad“ und natürlich beim wohl bekanntesten und besten Lied des Sängers und Songschreibers. Als Billy Joel sich nach zwei Stunden Konzert die Mundharmonika umhängt, zücken die Zuschauer jubelnd ihre Smartphones. Sie wissen, jetzt kommt „Piano Man“. Auf der persönlichen Wunschliste hätten noch „Captain Jack“ und „All About Soul“ gestanden. Vielleicht beim nächsten Mal, hoffentlich nicht erst in zehn Jahren.

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