So geht‘s mit dem Frankfurter Bahnnetz weiter - und drumrum

Im Tunnel rollt‘s wieder, auf der Straße nicht

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Frankfurt - Seit heute um 4.32 Uhr fahren die S-Bahnen wieder durch die Tunnel. Die sechswöchige Sperrung ist vorbei. Die Leidenszeit der Pendler aber noch lange nicht - denn es gibt Probleme bei den Straßenbahnen. Auch in Zukunft kleben Bauarbeiten noch das ein oder andere Pflaster aufs Gleisnetz.

Nachts zwischen 0.30 und 4.20 Uhr wird aktuell im mehr als sechs Kilometer langen Tunnel noch gebaut, wie eine Sprecherin der Deutschen Bahn sagte. Dazu kommt am Montag - mit Beginn des neuen Schuljahres - die nächste Einschränkung des öffentlichen Nahverkehrs: Wegen Gleisbauarbeiten vor dem Frankfurter Hauptbahnhof müssen zahlreiche Straßenbahnlinien zwei Wochen lang umgeleitet werden.  Vier Straßenbahn-Haltestellen werden dann nicht angefahren: Platz der Republik, Hauptbahnhof, Hauptbahnhof/Münchener Straße und Weser-/ Münchener Straße. Ersatzbusse gibt es nicht, weil der Autoverkehr auch von den Bauarbeiten beeinträchtigt ist und Fahrbahnen gesperrt werden, wie die Verkehrsgesellschaft Frankfurt (VGF) mitteilte.

Der S-Bahn-Tunnel war am 16. Juli zum dritten Mal gesperrt worden, weil die Bahn an einem neuen elektronischen Stellwerk arbeitet. Die Bahn investiert dafür mehr als 95 Millionen Euro. In den Sommerferien 2018 wird das neue Stellwerk in der vierten und letzten Bauphase dann schrittweise in Betrieb genommen. Dafür muss der Tunnel noch einmal gesperrt werden.

Der Frankfurter Hauptbahnhof gehört zu den größten Verkehrsknotenpunkten Europas und ist das Entrée in die Bankenstadt. Rund 450.000 Menschen durchqueren Schätzungen zufolge jeden Tag das 1888 eröffnete Gebäude. Damit Fern- und Regionalzüge, U-, S- und Straßenbahnen sowie Fernbusse, Taxis, Autos, Räder und Fußgänger auch künftig möglichst optimal von A nach B kommen, wird in den nächsten Jahren saniert, gebaut und modernisiert.

Bilder: S-Bahn-Tunnel für sechs Wochen gesperrt

Die wichtigsten Baustellen im Überblick.

  • S-Bahn-Tunnel:Das neue elektronische Stellwerk, das den Verkehr in dem 6,4 Kilometer langen S-Bahn-Tunnel steuert, soll 2018 in Betrieb gehen. Dafür muss der Tunnel in den Sommerferien 2018 noch einmal - zum vierten Mal - gesperrt werden. Bis dahin wird weiter nachts gebaut - von 0.30 bis 4.20 Uhr ist der Tunnel dicht. Die Bahn investiert in das Projekt nach eigenen Angaben rund 95 Millionen Euro. Dazu kommen noch einmal etwa fünf Millionen Euro für Tunnelbeleuchtung, Gleise und Infrastruktur. Acht von neun S-Bahn-Linien im Rhein-Main-Gebiet fahren durch den Tunnel. Pro Tag ist bis zu eine halbe Million Menschen in den S-Bahnen des Rhein-Main-Verkehrsverbundes unterwegs.
  • S-Bahn-Stationen:Fünf der sieben von den Tunnel-Sperrungen betroffenen Haltestellen sollen bis Ende 2017/Anfang 2018 modernisiert werden. Über erste Verschönerungen - wie die Streetart im Ostbahnhof - können sich Reisende bereits seit diesem Freitag freuen. Für die Modernisierung der Stationen gibt die Bahn noch einmal 23 Millionen Euro aus.
  • Straßenbahn:  Acht Weichen und 225 Meter Gleise müssen vor dem Hauptbahnhof ausgetauscht werden. Zahlreiche Straßenbahnlinien werden deshalb von Montag an umgeleitet - dem ersten Tag des neuen Schuljahres. Vier Haltestellen werden bis einschließlich 11. September - also zwei Wochen lang - nicht angefahren (Platz der Republik, Hauptbahnhof, Hauptbahnhof/ Münchener Straße und Weser-/Münchener Straße). Die Baustelle trifft auch Taxis, Fernbusse und Autos, weil für die Arbeiten Teile der Fahrbahnen gesperrt werden müssen. Die Straßenbahnen könnten daher auch nicht durch Busse ersetzt werden, heißt es bei der Verkehrsgesellschaft Frankfurt (VGF).
  • Fernbus-Bahnhof: Bis Anfang 2019 sollen auf dem ehemaligen Parkplatz an der Südseite des Hauptbahnhofs 14 überdachte Halteplätze für Fernbusse entstehen. Dazu kommen eine Ticketverkaufsstelle, ein Café, Toiletten und ein kleiner Laden. Projektentwickler CA Immo investiert dafür rund 8,5 Millionen Euro. Der Bau der ersten drei Plätze verzögert sich bis November 2016, weil der Boden - wegen unerwarteter Fundamente - tiefer ausgehoben werden musste als erwartet. Im Frühjahr 2017 sollen die nächsten sieben Plätze für Fernbusse folgen - allerdings muss dafür zunächst noch die VGF eine Fläche übergeben, auf der noch Oberleitungen und Gleise beseitigt werden müssen, heißt es bei CA Immo.
  • Parkhaus: Um auf dem ehemaligen Parkplatz die Buchten für den Fernbusbahnhof bauen zu können, wurde ein fünfstöckiges Interims-Parkhaus errichtet. Darin findet sich neben 350 Plätzen für Autos auch die erste Fahrradgarage der Stadt mit 420 Abstellplätzen und einer Werkstatt. Eine Waschanlage soll noch folgen. Die Baustelle, haltende Fernbusse und umherirrende Reisende erschweren derzeit allerdings noch den Blick auf den Eingang der Garage, so dass sie noch nicht so gut genutzt wird. Das Parkhaus wird voraussichtlich etwa fünf Jahre stehen bleiben. Dann soll - so CA Immo - ein Hochhaus entstehen mit Tiefgarage für Autos und Räder.
  • Hotels: Derzeit wird das siebte Haus der Steigenberger Hotel Group in der Messestadt auf dem Parkplatz gebaut. Es soll bis Ende 2018 fertig sein und hängt mit der Fertigstellung des überdachten Fernbusbahnhof zusammen. Projektentwickler CA Immo beziffert die Investitionskosten für das gesamte Areal ohne Busbahnhof auf 53 Millionen Euro. Die für Frühsommer 2016 geplante Eröffnung des japanischen Business-Hotels der "Toyoko Inn"-Gruppe mit rund 430 Zimmern direkt gegenüber dem provisorischen Parkhaus verzögert sich auf unbestimmte Zeit.
  • Das Gebäude: Der 1888 eröffnete Hauptbahnhof wird voraussichtlich bis 2020 umgebaut. Die unterirdische B-Ebene zwischen U- und S-Bahn-Zugängen mit dunklen und verdreckten Zugängen soll verschwinden und der unwirtliche Vorplatz an der bekannten Kaiserstraße neu gemacht werden. Eine Lichtkuppel soll Tageslicht nach unten lenken, statt vieler kleiner Zugänge sind wenige breite geplant. Die Kosten werden mit 135 Millionen Euro veranschlagt. Wann es los geht, ist laut Bahn noch unklar. "Das hängt von vielen verschiedenen Genehmigungen ab", sagt Bahn-Sprecher Thomas Bischoff. Erste vorbereitende Arbeiten liefen allerdings bereits, so würden etwa - unbemerkt von der Öffentlichkeit - Kabelkanäle verlegt.
  • Nördlich vom Bahnhof: Parallel zu Gleis 24 soll ein Logistik- und Parkgebäude gebaut werden. Im Erdgeschoss könnten nach den Vorstellungen der Stadt die Anlieferung und Entsorgung für die Nutzflächen im Hauptbahnhof untergebracht werden. Auf vier Parketagen sollen 200 Stellplätze entstehen. Die Kosten allein für das neue Haus beziffert die Stadt auf rund fünf Millionen Euro. In der ehemaligen Posthalle, die unter den Gleisen 23 und 24 sowie dem neuen Gebäude liegt, könnten rund 700 Räder abgestellt werden.
  • ICE Frankfurt-London: Noch nicht spruchreif sind der Bahn zufolge Überlegungen, am Frankfurter Hauptbahnhof ein Gleis für den ICE nach England durch den Tunnel im Ärmelkanal einzurichten. "Dazu gibt es noch keine Studie", sagt Bahn-Sprecher Bischoff. Voraussetzung seien Sicherheitschecks wie im Flughafen und die dafür notwendigen Abfertigungsräume.
  • U-Bahn: In der Nähe des Hauptbahnhofs wird die U-Bahn-Linie 5 (Preungesheim - Hauptbahnhof) bis ins Europaviertel auf dem ehemaligen Güterbahnhofsgelände verlängert. Die Bauarbeiten dauern voraussichtlich noch bis 2021. Die bestehenden Haltestellen der U5 sollen ebenerdig werden. Die Ende März begonnenen Bauarbeiten und die damit verbundene Sperrung der zentralen Eckenheimer Landstraße verzögern sich bis 10. Oktober. Eigentlich sollte mit den Sommerferien Schluss sein. Viele Anwohner sind genervt. Geschäfte und Gastronomen klagen über erhebliche Umsatzeinbußen.

dpa

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