Geiger David Garrett in der Alten Oper

Direkter Draht zur Romantik

Frankfurt - Er lustwandelt gern zwischen musikalischen Welten. Dass die sogenannte Klassik dennoch sein erstes Standbein ist, offenbart Star-Geiger David Garrett mit starkem Tobak. Von Klaus Ackermann 

Hat er sich doch die drei anspruchsvollen Sonaten für Violine und Klavier von Johannes Brahms ausgewählt. Und beweist schon zum umjubelten Auftaktkonzert in der ausverkauften Alten Oper, dass er direkten Draht zum Romantiker hat. Dass er mit diesem Programm seinen Fans allerhand zumutet, weiß der sympathische Aachener Weltstar. Deshalb versucht Garrett von Anbeginn, eventuelle Hemmschwellen zu überwinden, indem er Brahms‘ Allgemeingut wie das Wiegenlied „Guten Abend, gute Nacht“ anspielen lässt und vor jeder Sonate verbal Hörhilfen gibt.

Die A-Dur Sonate Nr. 2 kündet von glücklichen Monaten am Thuner See. Ein seelenvoller Gesang, der final die durchgehend melodiöse Linie stimmungsvoll verdichtet – mit dem Geiger Garrett und seiner expressiv tönenden Stradivari als Impulsgeber und dem französischen Pianisten Julien Quentin als unbeirrbaren Schrittmacher.

Einfühlsam mit durchsichtigem Klang

Heftiger ist der Einstieg in die dunklen Seelenlandschaften der Sonate Nr. 3 d-Moll, in die sich das Duo förmlich hineinwühlt – mit markanten Akkord-Schlägen als dramatischen Höhepunkt. Am Stürmen und Drängen hat Pianist Quentin großen Anteil, bestimmend, aber immer einfühlsam und dabei mit schlankem durchsichtigem Klang. Und einem Geiger, der im empfindsamen Adagio die tiefen Saiten zu berückendem Gesang nutzt.

Gipfel des gestalterischen Einvernehmens ist die Sonate Nr. 1 G-Dur, Psychogramm und intime Geschichte gleichermaßen. Und nur wer mäkeln mag, vermisst noch jene nachhaltige Intensität in den leiseren Momenten dieser zu Herzen gehenden Musik. Final dann ein echter Reißer, das Scherzo aus der F.A.E. (frei, aber einsam)-Sonate war Brahms‘ Beitrag zu einem Gemeinschaftsprodukt für den Geiger Joseph Joachim. Zum Staunen die Zugaben, Brahms‘ Ungarischer Tanz Nr. 5 und der genial abgezogene Czardas von Monti. Fritz Kreislers Menuetto war ebenfalls Dreingabe in einem Konzert, in dem der Knabe Garrett erstmals die drei Brahms-Sonaten hörte. Wunderbar, wie es da menschelt.

So wirkt Musik auf unseren Körper

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Rubriklistenbild: © Archivbild: dpa

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