Klang, Emotion und Energie

Gründer Maza Ogawa über Faszination des Taiko-Ensembles „Yamato“

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Ganzheitliches Schlagwerk: Die Taiko-Trommel ist unüberhörbar, ihre Schwingungen empfindet man aber mit dem ganzen Körper.

Frankfurt - „Wir Menschen aus der Gegend von Osaka haben immer Spaß. Das spiegelt sich in unserer Gruppe. Uns sind die lustigen Momente in der Show wichtig“, sagt Masa Ogawa. 1993 hat der Japaner „Yamato“ gegründet. Von Thomas Ungeheuer

Seitdem hat sein Taiko-Ensemble über 3 000 Konzerte in 53 Ländern gegeben. Ab 8. Juli steht der Künstlerische Leiter von „Yamato“ mit seinen Musikern auf der Bühne der Alten Oper, um in der aktuellen Show „Kaiki-Ten“ eine Auswahl der erfolgreichsten Stücke zu spielen – mit über 35 verschiedenen Trommeln und einigen traditionellen japanischen Instrumenten wie Chappa-Becken oder Koto-Geigen.

In welcher Weise haben sich Ihre Kompositionen über die Jahre hinweg verändert?

In der letzten Zeit habe ich mehr Kompositionen geschrieben, nach deren Rhythmen man leichter tanzen kann. Früher waren unsere Lieder oft von sehr komplizierten Rhythmuskombinationen geprägt. Es war spannend, sie zu hören. Aber niemand mochte sich zu ihnen bewegen. Auch haben wir lange Zeit die Ursprünge der Taiko-Musik vernachlässigt. Mit „Kaiki-Ten“ (Rückblick) wollen wir ein Stück weit zu diesen Ursprüngen zurückkehren.

Können Sie erklären, wie Sie heute eine neue Komposition entwickeln?

Ein Lied ist bei mir immer mit einer Geschichte verbunden. Zum Beispiel stelle ich mir einen Marathonläufer vor, der im Regen eine Straße entlangläuft. Ich versuche mich in den Sportler hineinzuversetzen. Überlege in welchem Rhythmus seine Füße den Boden berühren, denke darüber nach, in welchen Abständen er ein- und ausatmet und in welchem Takt sein Herz schlägt. Und aus all dem ergibt sich ein Zusammenspiel verschiedener Trommelschläge. Deren Sound soll kraftvoll und energiegeladen sein. Aber nachdem dieser Läufer über die Ziellinie gelaufen ist, müssen die Klänge der Trommeln heller, erleichtert, ja befreit klingen. Ich brauche solche Bilder beim Komponieren. Und ich notiere neben den Noten welche Emotionen bestimmte Trommelschläge transportieren sollen. Das macht es meinen Trommlern einfacher.

In Frankfurt gastierten bereits andere Taiko-Ensembles. Was unterscheidet „Yamato“ von „Kodo“ oder „Tao“?

Oh, wir haben einige Gemeinsamkeiten. Aber bei „Yamato“ gibt es mehr Frauen. Und sie schlagen die großen Trommeln! Ich glaube, dass wir deshalb auch so viele weibliche Fans haben. Frauen haben mehr Energie und Mut. Sie stellen sich lieber neuen Herausforderungen. Das ist für uns sehr wichtig. Andere Ensembles legen den Schwerpunkt auf Rhythmen. Während wir eine Performance zeigen möchten, in der sich Musik, Tanz, Choreografie, Licht und eine Geschichte zu einem Ganzen verbinden soll.

Jeder Musiker bringt in der Art, wie er ein Instrument spielt, seine Persönlichkeit in die Musik ein. Ist es wichtig, dass bei „Yamato“ Künstler mitwirken, deren Charaktere unterschiedlich sind?

Weil wir das ganze Jahr über zusammen nach strengen Regeln leben und trainieren, muss jeder seine eigene Persönlichkeit zurücknehmen. Trotzdem wollen wir keinen unterdrücken. Auf der Bühne soll jeder zu seiner eigenen Größe finden. Dennoch muss „Yamato“ stets eine harmonische Einheit bilden. Das ist nicht leicht. Ich erkläre es einmal so: In Japan gibt es in ländlichen Gegenden ein traditionelles Sommerfest. Es ist vor langer Zeit entstanden, weil die Bauern ihre reiche Ernte feiern wollten. Auch heute kommen noch die verschiedensten Landwirte zusammen, um gemeinsam zu feiern. Und genau diesen Gedanken greifen wir beim Trommeln auf. Wir wollen uns als Einheit darauf konzentrieren, mit dem Publikum Klang, Emotionen und Energie der Taiko zu feiern. Das ist unser Ziel.

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