„Man könnte endlos erwerben...“

25 Jahre MMK: Zum Geburtstag spricht Direktorin Gaensheimer

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Gut vernetzt: Susanne Gaensheimer ist seit 2009 Direktorin des MMK Frankfurt.

Frankfurt - Das Museum für Moderne Kunst (MMK) in Frankfurt feiert morgen Geburtstag. Die Direktorin Susanne Gaensheimer verrät im Interview, wie die Sammlung in der kurzen Zeit zu ihrem Renommé kam – und was noch auf dem Wunschzettel steht: ein neues Kunstwerk und ein Neubau.  Von Lisa Berins 

Herzlichen Glückwunsch zu 25 Jahren MMK. Wie hat sich das Museum gemacht?

Das MMK hat sich in den letzten sieben Jahren zu einem der beliebtesten Museen und zu einer festen Marke in Frankfurt entwickelt, mit drei Häusern, darunter die neue Dependance von etwa 2000 Quadratmetern im Taunusturm.

Die Sammlung des MMK fing 1982 mit 84 Werken des Wella-Konzernchefs Karl Ströher an. Heute zählt die Sammlung über 5000 Werke. Wie schafft man einen solchen Aufbau in so kurzer Zeit?

Da wir keinen öffentlichen Ankaufsetat hatten, ist das eine sehr gute Frage. Wir haben Freunde und Förderer, die uns mit verlässlichen Summen beim Aufbau unserer Sammlung unterstützen. Zum anderen arbeiten wir sehr eng mit Künstlern und Galerien zusammen. So erwerben wir Kunstwerke oft unter anderen Bedingungen. Auf diese Art und Weise, durch ein enges Vertrauensverhältnis zu den Künstlern, haben wir in 25 Jahren eine sehr substanzielle und extrem profilierte Sammlung aufbauen können.

Ein enges Verhältnis zu den Künstlern – Was erwarten die von Ihnen?

Naja, sie schenken uns ja nicht einfach alles. Wir machen Ausstellungen mit ihnen, wir erwerben Werke und erhalten dann manchmal eben Schenkungen dazu. Für die Künstler ist es von großem Interesse, in unserer Sammlung präsent zu sein. Und sie wissen, dass sie bei uns gut betreut sind.

Es entstehen Freundschaften – wie zum Beispiel mit Isa Genzken?

Mit Isa Genzken habe ich schon seit einer viel längeren Zeit eine persönliche Beziehung. Das ist die Art, wie wir arbeiten, dass wir über Jahre hinweg Kontakte mit den Künstlern pflegen. So kann eine fruchtbare Zusammenarbeit entstehen.

In der neuen Präsentation, die ab morgen zu sehen sein wird, werden Erwerbungen der letzten Jahre gezeigt. Bitte geben Sie uns einen kleinen Einblick!

Die Neuzugänge der letzten Jahre werden punktuell mit anderen Werken aus der Sammlung kombiniert. Gezeigt wird unter anderem eine Schenkung von Elaine Sturtevant. Man kann aber auch sehen, dass wir unser Programm stark ausgeweitet haben auf Künstler und Künstlerinnen aus nicht-westlichen Ländern. Und daneben wird unsere Wunscherwerbung zu sehen sein: die große Figurengruppe „Schauspieler“ von Isa Genzken. Wir sind noch immer bei der Akquise, aber einen großen Teil, etwa Dreiviertel der Summe, haben wir schon zusammengebracht. Die Installation ist unser großer Wunsch zum Geburtstag.

Ihr Blick geht in Richtung Asien, Afrika, Indien. Warum?

Wir sind ja ein Museum für Gegenwartskunst und müssen die Themen unserer Zeit aufgreifen. Unsere Welt ist eine globale geworden. Die Herausforderung und die Aufgabe eines Museums heute ist, andere Perspektiven vorzustellen und sinnvoll in die Sammlung zu integrieren, damit sie unseren Horizont erweitern.

Sicher hat nicht-westliche Kunst auch ihren Preis?

Mittlerweile sind die Erwerbungen in der Tat eine Herausforderung für uns, weil auch diese Werke hochpreisig geworden sind. Wie bei Kader Attia beispielsweise, der in Paris lebt, aber dessen Familie aus Algerien kommt. Er ist heute einer der ganz großen Stars. Seine Ausstellung ist noch im MMK 1 zu sehen. Da stehen demnächst auch Erwerbungen an.

Gibt es ansonsten noch Lücken in der Sammlung?

Ich muss sagen, dass wir, auch durch die Erwerbspolitik meiner beiden Vorgänger, eine sehr dichte Sammlung von Pop-Art, Minimalismus, Konzeptkunst und Fotografie auf die Beine gestellt haben. Aber es gibt natürlich immer offene Wünsche, vor allem, was die Gegenwartskunst betrifft, da könnte man natürlich endlos erwerben.

Nur der Platz reicht irgendwann nicht mehr...

Richtig. Allerdings: Was wir im Moment nicht brauchen, sind neue temporäre Räume. Die Fläche im Taunusturm wurde uns ja dankenswerterweise von Tishman Speyer für 15 Jahre mietfrei zur Verfügung gestellt, und ich hoffe, dass die Stadt das später übernehmen wird. Aber man muss auch langfristig über eine Vergrößerung des Museums nachdenken.

Bedeutet das, dass neu gebaut werden müsste?

Ja. Wir bräuchten langfristig Räume, die sicherheits- und klimatechnisch Museumsstandard haben. Wenn wir über eine Erweiterung sinnvoll nachdenken, dann über einen Neubau.

Gibt es schon Gespräche mit der designierten Kulturdezernentin Ina Hartwig?

Nein, noch nicht. Aber ich freue mich auf ein Kennenlernen. Es wird natürlich Veränderungen geben – das wird spannend. Ich bin offen und freue mich auf ihre Visionen.

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