Junger Prophet mit Vollbart

Museum erwirbt Werk des Hanauers Moritz D. Oppenheim

Erinnert an Michelangelo’s Skulptur: „Moses mit den Gesetzestafeln“ von Moritz D. Oppenheim

Hanau - Geboren wurde er 1800 in Hanau. Seine künstlerische Ausbildung absolvierte Moritz Daniel Oppenheim in seiner Geburtsstadt, aber auch in München und Paris. In der damaligen Kunstmetropole Rom verbrachte der Maler einige Jahre. Jetzt hat das Jüdische Museum in Frankfurt sein frühestes Werk erworben. Von Emil Kermann 

Oppenheim-Denkmal in Hanau, Freiheitsplatz.

In den 1820er Jahren ließ er sich in Frankfurt nieder und stieg zu einem renommierten Maler auf. Oppenheim widmete sich der alttestamentarischen Überlieferung und dem jüdischen Alltagsleben. Er porträtierte die Frankfurter Bankiersfamilie Rothschild, aber auch streitbare Intellektuelle wie Heinrich Heine und Ludwig Börne. „Moritz Daniel Oppenheim ist der Maler der jüdischen Emanzipation“, sagt Mirjam Wenzel, Direktorin des Jüdischen Museums Frankfurt. Mit Unterstützung einer Stiftung ist es nun gelungen, Oppenheims Gemälde „Moses mit den Gesetzestafeln“ für die zukünftige Dauerausstellung zu sichern. Bis 2018 wird das Jüdische Museum umgebaut und erweitert.

Moritz Daniel Oppenheim malte das Moses-Bild um 1817/18, noch während seines Studiums in München. Es ist seine erste eigenständige Komposition und zeigt einen ungewöhnlich jung wirkenden, vollbärtigen Moses in einem roten, antiken Gewand. Mit der rechten Hand weist er auf hebräisch beschriftete Gesetzestafeln. Von seinem Kopf gehen zwei Lichtstrahlen aus. Im Hintergrund zeichnen sich Zelte ab, die auf die biblische Wüstenwanderung der Israeliten verweisen. „Die Komposition ist ausgesprochen monumental“, sagt Erik Riedel, Kurator am Jüdischen Museum. Das 1,97 mal 1,30 Meter große Bild sei der Ausgangspunkt für Oppenheims Historienmalerei.

Der Zyklus „Bilder aus dem altjüdischen Familienleben“ machte Moritz Daniel Oppenheim bekannt und populär. Die idealisierenden Bilder eines von der Tradition bestimmten jüdischen Alltags fanden eine große Verbreitung als preisgünstige Druckgrafiken. Sie wurden auch in Zeitschriften abgedruckt. Oppenheim sei bis ins hohe Alter sehr produktiv gewesen, erzählt Riedel.

Erinnert an Michelangelo’s Skulptur: „Moses mit den Gesetzestafeln“ von Moritz D. Oppenheim

Das Jüdische Museum Frankfurt besitzt einige Werke des 1882 verstorbenen Künstlers. Oppenheims Gemälden begegnet man auch im Historischen Museum Hanau im Schloss Philippsruhe, im Jewish Museum New York und im Israel Museum Jerusalem. In der Sammlung des Städel Museums finden sich ebenfalls Werke Oppenheims. Sie werden jedoch nicht oft gezeigt. Das aus Privatbesitz erworbene Moses-Gemälde wird nun von Stephanie Wagner im Frankfurter Atelier „Restauro“ behutsam restauriert. Sie weist auf einige kleinere Schäden hin, zeigt weiß markierte Stellen, die von einer vorherigen Restaurierung stammen und einer Überarbeitung bedürfen. „Wir möchten die Schönheit des Bildes zur Geltung bringen“, sagt Wagner.

Einige Zeit lang sei Oppenheim in Vergessenheit geraten, sagt Erik Riedel. In den 1980er Jahren habe eine Wiederentdeckung eingesetzt. 1999/2000 zeigte das Jüdische Museum Frankfurt eine umfassende Oppenheim-Retrospektive. Die Schau wanderte nach New York. Auch „Moses mit den Gesetzestafeln“ war damals zu sehen. Den Ankauf des Moses-Gemäldes kann man als einen Glücksfall für Frankfurt und die Region bezeichnen. Er könnte Moritz Daniel Oppenheim wieder ein Stück mehr ins öffentliche Bewusstsein holen.

2015 wurde auf dem neu gestalteten Hanauer Freiheitsplatz ein aufwendiges Oppenheim-Denkmal des Künstlers Robert Schad eingeweiht. „Moritz und das tanzende Bild“ heißt die zweiteilige Skulptur. Eine lebensgroße, figurativ nachgebildete Oppenheim-Figur blickt auf ein etwa elf Meter hohes, abstraktes Gebilde aus Cortenstahl. Auch in Frankfurt wird Oppenheim sichtbarer. In der neuen Dauerausstellung des Jüdischen Museums im Rothschildpalais werde man seine Werke gleich zu Beginn des Rundgangs präsentieren, kündigt Mirjam Wenzel an.

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