Gebührenordnung grundlegend überarbeiten

Lärm soll noch teurer werden

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Ein recht unscheinbares Teil, befestigt neben der runden Tankdruckausgleichsöffnung an der Unterseite der Tragflächen, kann die Lärmbelastung eines Airbus A-320 deutlich senken.

Frankfurt - Das hessische Wirtschaftsministerium wird sich dafür stark machen, dass die Start- und Landeentgelte für Flugzeuge am Frankfurter Flughafen noch stärker an die Lärmbelastung der Maschinen gekoppelt werden. Dies kündigte ein Sprecher von Minister Tarek Al-Wazir an. Von Michael Eschenauer 

Die nächste grundlegende Überarbeitung der Entgelt- ordnung steht in diesem Jahr an. Auslöser der Positionierung des grünen Ministers ist ein Vorstoß der Bürgerinitiative Luftverkehr Offenbach (BIL-OF). Deren Vorsitzende Ingrid Wagner hatte den Minister aufgefordert, die Anwohner des Flughafens mehr vom Lärm zu entlasten. Als Ansatzpunkt für eine von ihr geforderte Verschärfung der Entgeltordnung nannte Wagner die Airbus A320-Familie. Obgleich die Ausrüstung der Maschinen mit Wirbelgeneratoren technisch unproblematisch sei, würden noch viel zu viele Airbusse ohne Wirbelgeneratoren den Frankfurter Flughafen anfliegen. Die nicht umgerüsteten Maschinen klängen beim Überflug schon vom weitem wie die „Trompeten von Jericho“. Die Tatsache, dass Airbus neue Maschinen bereits mit dieser Modifikation ausliefere, zeige, dass diese Maßnahme allseits als lärmmindernd anerkannt sei, so die BIL-OF.

Die fraglichen Töne treten an der Unterseite der Flügel und hier an den runden Tankdruckausgleichsöffnungen auf. Diese haben während des Fluges den gleichen Effekt, wie die Öffnung einer Glasflasche, über die man mit dem Mund pustet. Messungen der Lufthansa und des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt haben ergeben, dass mit den recht unscheinbaren Wirbelgeneratoren die störenden Töne nicht mehr auftreten und der Lärm eines landenden Flugzeugs deutlich sinkt. Die Bauteile erzeugen vor den Tankdruckausgleichslöchern Wirbel, die die Tonentstehung verhindern. Die Schallemission kann so im Anflug bis zu einer Entfernung von 25 Kilometer reduziert werden. Wagner fordert, nicht umgebaute A320er mit ähnlich hohen Landegebühren zu belegen wie Boeing 747-400, Antonow 124 oder MD11.

Marco Kreuter, Sprecher des Wirtschaftsministers, erklärte jetzt, man sei grundsätzlich sehr an einer noch stärker den Lärm berücksichtigenden Staffelung der Landegebühren interessiert und wirke gegenüber Flughafenbetreiber Fraport auch in diese Richtung. So liege der Anteil der lärmabhängigen Entgelte bei der neuen Entgeltverordnung bei 14 Prozent. „Wir sind mit der Fraport im engen Kontakt. Ziel ist es, dass dieser Anteil bei der nächsten größeren Überarbeitung der Entgeltordnung nochmals spürbar erhöht wird“, so Kreuter. Die nächste Änderung ist für dieses Jahr geplant.

Allerdings sei der Wirtschaftsminister nur für die Genehmigung der Entgeltordnung nicht aber für deren Erstellung zuständig. Eine Belegung von nicht umgerüsteten A320ern mit den gleichen Gebühren, wie sie Boeing-747 (Jumbo) oder Antonow zahlen müssten, verbiete sich, da letztere immer noch um ein Mehrfaches lauter als ein Airbus seien. Landeentgelte müssten diskriminierungsfrei sein und sich objektiven Kriterien orientieren.

Nach Angaben von Lufthansa sind alle in Frankfurt stationierten Lufthansa-Flugzeuge der Airbus A320-Familie (A319, A320 und A321) mittlerweile mit Wirbelgeneratoren ausgestattet. In Frankfurt sind nach Angaben von Sprecherin Anja Lindenstein derzeit 93 Flugzeuge der A320-Familie stationiert. Der Verkehrsanteil der Lufthansa Airbus A320-Flotte liegt in Frankfurt bei 50 Prozent. Das bedeutet, dass jede zweite Lufthansa-Landung leiser geworden sein muss. Außer Air France soll auch British Airway eine Umrüstung angekündigt haben. Dabei wären 130 Maschinen betroffen.

Die Höhe der Start- und Landeentgelte schwankt beträchtlich. So zahlt nach Angaben des Wirtschaftsministeriums ein kleiner zweistrahliger Regioliner des Typs Bombardier CRJ700 für einen Start in Frankfurt in der Lärmkategorie 1 rund 43 Euro, ein startender A320 in der Kategorie 5 kostet 105 Euro. Für eine Antonow 124 oder eine DC9 werden in der höchsten Lärmkategorie 16 rund 22 700 Euro fällig.

Ein mit Wirbelgeneratoren ausgerüsteter A320 wird bei der Landung der Lärmkategorie 4 zugerechnet, so dass sich ein Lärmentgelt von 98 Euro am Tag (ohne Nachtrand- oder Nachtkernzuschläge) ergibt. Ein nicht nachgerüsteter A320 fällt dagegen in die Kategorie 6 und zahlt ein Lärmentgelt von 170 Euro (ebenfalls am Tag; ohne Nachtrand- und Nachtkernzuschläge). Das heißt, derzeit reduziert sich aufgrund des Einbaus der Wirbelgeneratoren das Landeentgelt um etwa die Hälfte. Noch größer wird die Differenz bei Starts und Landungen in den Nachtrandstunden (22 bis 23 Uhr und 5 bis 6 Uhr) oder – soweit dies die Ausnahmeregelungen erlauben – während des Nachtflugverbots zwischen 23 und 5 Uhr.

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Beim Start gehören beide Flugzeugmuster derzeit noch der Kategorie 5 an mit einem Lärmentgelt von 105 Euro am Tag. Ein nachgerüsteter A320 soll laut Innenministerium künftig nicht nur bei der Landung, sondern auch beim Start in die billigere Lärmkategorie 4 eingestuft werden.

Nach Angaben von Fraport-Sprecher Stefan Hulik wurde der Anteil der Lärmgebühr an den Start- und Landeentgelten seit 2012 um 120 Prozent gesteigert. Die neue Entgeltordnung für 2016, die eine weitere Erhöhung des lärmbezogenen Anteils vorsehen sollte, wurde jedoch wegen noch ausstehender Berechnungen zunächst zurückgezogen. Man sei auf diesem Gebiet weltweit Vorreiter und habe mit den Lärmentgelten gute Erfahrungen gemacht.

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