Haftstrafe ohne Bewährung für Aria L.

Offenbacher wegen Kriegsverbrechen verurteilt

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Der Offenbacher Aria L. wurde wegen Kriegsverbrechen verurteilt.

Frankfurt/Offenbach - Das Urteil gegen den Offenbacher Aria L. ist gefallen. Er soll im syrischen Bürgerkrieg mit aufgespießten Köpfen posiert haben. Jetzt muss er für zwei Jahre ohne Bewährung ins Gefängnis.

Weil er im syrischen Bürgerkrieg in Siegerpose vor zwei aufgespießten Köpfen posiert hatte, ist der 21-jährige Aria L. heute in Frankfurt zu zwei Jahren Haft ohne Bewährung verurteilt worden. Das Oberlandesgericht verhängte die Strafe wegen eines Kriegsverbrechens nach dem Völkerstrafgesetzbuch. Bislang wurde noch kein vergleichbarer Fall durch ein deutsches Gericht entschieden. Der in Offenbach wohnende Mann hatte sich im Frühjahr 2014 nach Syrien begeben, „ausschließlich, um in den heiligen Kampf zu ziehen", hieß es im Urteil. Kurze Zeit später posierte er vor der Kamera - eines der Bilder wurde im Internet verbreitet.  Ein anderes konnte auf dem Mobiltelefon der Mutter sichergestellt werden. Für welche Gruppierung der Mann gegen das Assad-Regime kämpfte, blieb auch während des Prozesses unklar.

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In seiner Erklärung hatte der Mann die Fotoaktion als „Dummheit" bezeichnet. Er habe in Syrien nur helfen wollen. In dem Prozess hatte der Angeklagte versucht, seine Rolle vor der Kamera herunterzuspielen, ohne Erfolg. Seine Einlassung, nach der er nur widerwillig und auf Drängen von anderen vor die Linse getreten sei, glaubte das Gericht nicht. Die lässige Haltung des Mannes spreche für das Gegenteil, sagte der vorsitzende Richter Thomas Sagebiel: „Ihre Siegerpose gleicht fast der eines Großwildjägers." Weil der Angeklagte nicht mit dem Gesicht im Bild zu erkennen ist, wurde seine Identität anhand eines auffälligen Ringes hergeleitet. Obwohl eine zweijährige Freiheitsstrafe theoretisch zur Bewährung ausgesetzt werden kann, lehnten die Richter dies ab. Die Zukunftsprognose sei zu negativ, hieß es. Das Gericht sah auch als erwiesen an, dass der Mann schon kurz nach seiner Ankunft in Syrien eine Schusswaffen- und Kampftechnik-Ausbildung absolvierte. Im Strafmaß lag das Gericht etwas hinter dem Antrag der Bundesanwaltschaft von zwei Jahren und drei Monaten. Der Verteidiger hatte einen Freispruch beantragt, weil das Posieren auf einem Foto kein Kriegsverbrechen darstellen könne. dpa

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