Schwächelnde Schönheit

„The Picture of Dorian Gray“ am English Theatre

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Dandy mit Schönheitsfimmel: Dorian Gray (Michael Lanni) will durch Kunst unsterblich werden – und verkauft seine Seele an den Teufel. Die Inszenierung am English Theatre Frankfurt verrennt sich bisweilen in der eigenen Ästhetik.

Frankfurt - Schönheit ist gefährlich, Schnörkellosigkeit auch: Die Inszenierung des Oscar-Wilde-Klassikers „The Picture of Dorian Gray“ am English Theatre Frankfurt birgt von beidem ein bisschen – und verliert dadurch die Balance. Von Thomas Ungeheuer

Wer sich nur über sein Äußeres definiert, der wird nicht glücklich. Ganz im Gegenteil. Denn wenn sich Falten ins Gesicht graben, vergeht die Makellosigkeit. Dorian Gray (Michael Lanni) ist jung. Und schön. Ein eitler Kerl, der sich von dem Porträt begeistern lässt, dass Basil Hallward (Timothy Allsop) von ihm gemalt hat. Auch der Künstler ist fasziniert von dem Mann, den er nackt auf Leinwand bannen durfte. Hallward ist überzeugt: Das Gemälde ist sein bestes Werk. Aber damit in einer Ausstellung prahlen? Nein, dafür bedeutet ihm das Bild zu viel. Schließlich glaubt der Romantiker fest daran, in Dorian seinen besten Freund gefunden zu haben. Dorian hingegen entwickelt mehr Interesse für den charmanten Henry Wotton (Richard Lynson). Ihm hängt der Schönling an den Lippen, wenn der Lord für ein freies Leben plädiert, davon träumt, alles Schöne in vollen Zügen zu genießen – egal, was es kostet. Von Lord Henry angeregt, wünscht sich Dorian ewige Jugend. Das Gemälde soll an seiner Stelle altern. Hierfür will er dem Teufel seine Seele verkaufen. Gesagt, getan. Bald verliebt er sich in die feinfühlige Schauspielerin Sybil Vane (Natascha Rickman). Sie will ihren Traummann heiraten. Aber ob es dazu kommt?

In einer Neuadaption von Merlin Holland und John O´Connor feierte Oscar Wildes Klassiker „The Picture of Dorian Gray“ (1890/1891) Frankfurt-Premiere. Tom Littler bringt in seiner auffallend modernen Inszenierung insgesamt zwanzig Figuren auf die Bühne. Alle, bis auf Dorian Gray, werden von Timothy Allsop, Richard Lynson und Natascha Rickman gespielt. Dieser Kunstgriff, der zunächst reizvoll wirkt, erweist sich schließlich als etwas ermüdend. Zudem wechseln die Akteure ihre Rollen, indem sie sich vor Publikum Kostüme überstreifen. Leider rauben diese Umkleidepausen der Inszenierung wiederkehrend den Schwung.

Dies ist umso bedauerlicher, da gerade der erste Akt von erfrischend witzigen und tiefgründigen Dialogen lebt. Aufgrund der vielen Unterbrechungen fügen sich die Szenen nicht recht zu einer nachvollziehbaren Geschichte. Auch wirken die Umgestaltungen der Bühne nicht allzu effektvoll. Trotz all dieser Schwächen überwiegt doch das Staunen darüber, wie viel Leben die Schauspieler ihren anspruchsvollen Figuren verleihen können. Vor allem Michael Lanni vermag es, im düsteren zweiten Akt die Tragödie des Dorian Gray auf berührende Weise nahezubringen. Ihm gelingt es eindrucksvoll, den Zuschauer in die vielschichtige wie kluge Gedankenwelt Oscar Wildes eintauchen zu lassen. Leider jedoch nicht so tief, wie viele vielleicht hoffen.

Noch bis 27. Oktober im English Theatre Frankfurt, Gallusanlage 7. Karten gibt es unter Tel.: 069/24231620.

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