Power des Pailletten-Kauzes

Elton John bietet in der Festhalle Ohrwürmer ohne Pause

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Altmeister in gewohnter Pose: Der britische Musiker Elton John begeisterte in der Frankfurter Festhalle.

Frankfurt -  Ein Methusalem-Komplott der exquisiten Art. Und noch immer ganz großer Sport. Wohlgemerkt, mit 69! Altmeister Elton John und seine Band-Veteranen lassen auf ihrer „Wonderful Crazy Night Tour“ die ausverkaufte Festhalle in Frankfurt erbeben. Von Peter H. Müller 

Rund 7000 Fans im brüllend heißen Rund sind nach zweieinhalb großartigen Konzertstunden mit Welthits am laufenden Band restlos begeistert. In Zeiten, da die Pop-Musik Helden wie Prince, Bowie oder Keith Emerson verloren hat, muss man einfach auch dankbar sein für den ewigen „Rocket Man“. Schon bemerkenswert: So „wundervoll verrückt“ das Leben des Elton John vermutlich sein mag: Wenn es um das Wesentliche, seine Musik, geht, ist und bleibt er eher ein Konservativer. Im positivsten Sinne. Gerade hat er mit Produzenten-Ikone T-Bone Burnett und Stamm-Texter Bernie Taupin seine rund drei Dutzend dicke Studioalbum-Liste um ein weiteres Kapitel bereichert. Das Ergebnis, Titel auch der aktuellen Tour: „Wonderful Crazy Night“.

Wer aber nun geglaubt hatte, Sir Elton folge dem üblichen Business-Procedere und orgele in Frankfurt seine neuesten Werke herunter, findet sich auf dem Holzweg wieder. Nein, diese Tournee ist für den kauzigen Brillen-Freak auch ein dickes „Thank You“ an die Fans in Germany. Irgendwann zwischendrin, nach einem ganzen Bündel an Ohrwürmern der Marke „Bennie And The Jets“, „I Guess That’s Why They Call It The Blues“, „Philadelphia Freedom“ oder „Tiny Dancer“, erklärt er das auch ganz explizit – und plaudert kurz über die Tage, als es eine Songs noch auf Audio-Kassetten mit eingebautem Bandsalat zu kaufen gab.

Alles zu Elton John

Ja ja, der kauzige Pummel im hellblauen, mit Unmengen Pailletten besetzen Gehrock hat schon vor fast 50 Jahren auf der Bühne gestanden. Inzwischen hat er einen Herzschrittmacher, ist von der Queen zum „Knight Bachelor“ geschlagen, Ehrendoktor der Royal Academy of Music– und eine Art Dinosaurier. Mit den „Jungs“, die er da in die Festhalle mitgebracht hat, musizierte er zum Teil schon 1969. Drummer Nigel Olsson etwa schwingt die Sticks im Armani-Anzug, mit Schlips und weißen Handschuhen.

Auch E-Gitarren-Veteran Davey Johnstone, der immer noch ein bisschen aussieht wie Iggy Pop, sagen wir mal: nach sechs Monaten Wellness-Kur, ist da zugange. Bass-Legende Matt Bissonette ebenso. Oder Keyboarder Kim Bullard. Alle in Bestform, muss man hinzufügen. Es gibt schließlich auch einiges abzufeiern an diesem Abend, der – schon ein festes Live-Ritual – mit einer symphonischen Elfminuten-Ouvertüre und „Funeral For A Friend/Love Lies Bleeding“, dem Doppelwerk vom bahnbrechenden Doppel-Vinyl „Goodbye yellow Brick Road“ (1973), eröffnet.

So heißen die Stars wirklich

Kleiner Wermutstropfen: Der Sound ist zu Beginn wirklich das Grauen in Dosen. Es blechert und scheppert, als werkele die Band aus einem Ölfass heraus. Ritter Elton mag bekanntlich keine Soundchecks, er verlässt sich lieber auf seine Techniker, die an diesem Abend reichlich Reparaturabeiten zu verrichten hatten. Es wird von Minute zu Minute besser –und im Finale furioso eine Rock-Party, die alle von den Sitzen reißt.

„Sorry Seems To Be The Hardest Word“, „Your Song“, „Burn Down The Mission“, „I´m Still Standing“ und und und – vielleicht liegt es auch daran, dass Little John dieses grandiose Zeugs, das man schon tausendfach gehört hat, so energetisch, leidenschaftlich und überzeugend spielt, als sei es gestern arrangiert worden – für eben diesen einen Auftritt. Seine Piano-Soli sind sowieso zum Niederknien, seine Stimme ist kraftvoll wie eh und je.

Das aktuelle Album dagegen spielt eine Nebenrolle. Drei Song-Happen („Looking Up“, „A Good Heart“ und ein mediokres „Blue Wonderful“), das muss reichen. Ansonsten: Ohrwürmer ohne Pause, mit großer Power neu aufgelegt. Am Ende, nach „Your Sister Can’t Twist (but she can Rock’n’Roll) und einem ekstatischen „Saturday Night’s Alright“, mag man sich nur noch verbeugen. Ergebenst, versteht sich.

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