Schwarzarbeit am Frankfurter Flughafen

Prozess: 25 Millionen Euro hinterzogen

Frankfurt/Darmstadt -Strohfirmen, Schwarzarbeit, ein Geflecht von Verbindungen: sechs Männer stehen wegen eines zweistelligen Millionenbetrags in Darmstadt vor Gericht. Laut Anklage handelt es sich um Steuerhinterziehung in großem Ausmaß.

Um rund 25 Millionen Euro sollen sechs Angeklagte den deutschen Staat und Sozialversicherungen geprellt haben. Die Männer müssen sich seit heute vor dem Landgericht Darmstadt verantworten. Die Staatsanwaltschaft wirft ihnen "Steuerhinterziehung in großem Ausmaß" vor, an Beschäftigte seien "Schwarzlöhne" ausgezahlt worden. Die Anklage geht von weit mehr als 1000 Fällen zwischen Januar 2009 und Oktober 2015 aus. Die Männer im Alter von etwa Mitte 20 bis Mitte 50 sollen auf dem Frankfurter Flughafen Beschäftigte als Lager-, Transport- und Verladearbeiter eingesetzt haben, ohne vollständige Angaben gemacht zu haben. Beträge an Sozialversicherungen seien nicht in vollständiger Höhe abgeführt worden. Die Angeklagten hätten versucht, ihre Tricks mit einem Geflecht von Geschäftsbeziehungen und Scheinfirmen zu verschleiern, die Männer seien als Geschäftsführer angegeben worden.

"Rechnungen standen tatsächlich keine Leistungen gegenüber", betonte die Staatsanwaltschaft. Einer der Männer soll auch Bescheinigungen über Lehrgänge im Umgang mit Gefahrgut gefälscht haben. Das Verlesen der Anklage dauerte alleine etwa eineinhalb Stunden, obwohl schon einige Passagen in geraffter Form vorgetragen wurden. Das Verfahren dürfte einige Zeit dauern, ein Ende ist noch nicht abzusehen.

Steuer-Affäre Hoeneß - eine Chronologie

Das Landgericht Darmstadt hatte zuletzt schon mit Fällen von Scheinfirmen, Scheinrechnungen und Steuerhinterziehung zu tun. Erst im Juli wurde ein Ehepaar wegen Beihilfe zur Untreue, Bestechung und Steuerhinterziehung im großen Stil zu einer mehrjährigen Strafe verurteilt. Die Frau erhielt fünf Jahre und neun Monate Haft, ihr Mann vier Jahre und sechs Monate. Der Vorsitzende Richter hatte von schwindelerregenden Beträgen im Zusammenhang mit Russland-Projekten gesprochen. Dieses Verfahren hatte mehr als ein Jahr gedauert. Im Februar 2015 wurde ein 36 Jahre alter Mann zu vier Jahren Haft verurteilt. Er hatte eingeräumt, Umsatzsteuer von fast 24 Millionen Euro nicht angemeldet zu haben. dpa

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