Rückstufung des A661-Ausbaus im Bundesverkehrswegeplan

Riederwald: Tunnel nicht in Gefahr

Frankfurt - Die Tinte auf dem neuen Bundesverkehrswegeplan ist kaum trocken, da erreichen die ersten Auswirkungen das Rhein-Main-Gebiet. Nach der A 3 sind jetzt die Ostumgehung und der Riederwaldtunnel in Frankfurt dran. Von Michael Eschenauer 

Die Frankfurter SPD-Bundestagsabgeordnete Ulli Nissen legte den Finger in die Wunde: Die vom Kabinett beschlossene Rückstufung des geplanten sechsspurigen Ausbaus der Ostumgehung (A661) verzögere den Bau ihrer Einhausung zwischen Bornheim und Seckbach. Auch der Riederwaldtunnel stehe jetzt auf der Kippe. Die Bundesregierung priorisiert den Abschnitt zwischen Bad Homburger und Offenbacher Kreuz nicht mehr als „vordringlichen“, sondern nur noch als „weiteren Bedarf“. Nissen und auch Frankfurts Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) wollen dies allerdings nicht so ohne Weiteres akzeptieren. „Vier Spuren sind zu wenig, wenn der Lückenschluss erst einmal erfolgt ist“, sagt Nissen. Die unterirdische Verbindung zwischen der A66 und der A661 funktioniere ohne Ausbau der Ostumgehung nicht.

Für die Autofahrer bedeutet die veränderte Dringlichkeit der Baumaßnahme an der A661: Frühestens ab dem Jahre 2030 können sie – wenn überhaupt – damit rechnen, dass die Bundesrepublik Geld für den sechsspurigen Ausbau bereitlegt. Dass die Verzögerung sowohl die Einhausung auf 400 Metern zwischen Seckbacher Landstraße und Ausfahrt Friedberger Landstraße als auch das auf diesem Deckel geplante neue „Ernst-May-Viertel“ gefährdet und am Ende gar den Riederwaldtunnel bis zum Sankt- Nimmerleins-Tag hinauszögern könnte, sieht man im Hessischen Ministerium für Verkehr und Wirtschaft allerdings nicht. Sowohl der als Siedlungsfläche vorgesehene Autobahndeckel, der ein Projekt der Stadt Frankfurt sei, als auch der Riederwaldtunnel verstünden sich unabhängig vom Ausbau der A661, sagte gestern Ministeriumssprecher Wolfgang Harms. Es sei zwar „vor der Hacke immer dunkel“, trotzdem gehe man von einer Fertigstellung des Riederwaldtunnels ab 2025 aus. Federführend sei das Bundesverkehrsministerium. Dort rangiere der Tunnel unter „laufende und festdisponierte Projekte“, was eine gewisse Planungssicherheit gebe.

Wachsende Aggression auf Deutschlands Straßen

Auch bei der Straßenverkehrsbehörde Hessen Mobil, die den Tunnel und das Autobahndreieck Erlenbruch baut, sieht man kein Problem durch die Rückstufung. Die Berechnungen für den Tunnel basierten auf einer lediglich vierspurigen A661. Das derzeitige Konzept erlaube auch eine Abwicklung der künftigen Verkehrsströme. Die geplante Einhausung müsse die Ausbauabsichten des Baulastträgers berücksichtigen, egal ob diese im vordringlichen oder weiteren Bedarf des Bundesverkehrswegeplanes enthalten seien, heißt es bei Hessen Mobil.

Auf Seiten der Stadt Frankfurt sieht man das Ganze nicht ganz so gelassen. Das bisherige Konzept für das Ernst-May-Viertel ging davon aus, dass der Autobahndeckel zwischen 2023 und 2025 gebaut wird, zu diesem Zeitpunkt hat die A661 aber noch die alte Breite. Im Stadtplanungsamt heißt es, der Bau eines breiteren Deckels im Vorgriff auf den Ausbau sei immerhin möglich. Insgesamt werde das Vorhaben jetzt aber komplizierter.

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