8500 textsichere Fans sind restlos beseelt

Sarah Connor in der Festhalle: Ins Gefühlszentrum

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Ganz nah dran am Publikum bewegte sich Sarah Connor bei ihrem Konzert in der Festhalle.

Frankfurt - Die Sängerin Sarah Connor brachte nicht nur jede Menge Lebensfreude mit auf die Bühne nach Frankfurt, sondern stimmte auch nachdenkliche Töne an. Von Peter H. Müller 

„From Sarah with Love“ - nie schien dieser Songtitel wahrer. Vor allem weil er jetzt in einem völlig anderen Kontext steht. Nach mediokrem Kaufhaus-Pop, Fremdschäm-Dokusoaps und vergeigten Nationalhymnen zelebriert „die erwachsene“ Dreifach-Mama Sarah Connor nun auf ihrer aktuellen Album-Tour gefühligste Balladen in „Muttersprache“. In der ausverkauften Festhalle sind 8 500 textsichere Fans restlos beseelt, und eine Hommage an die Ikone Prince gibt´s obendrein.

Kein Zweifel, steht ihr wirklich gut, dieser runderneuerte, intime Sound, den die Ex-Rosenstolz-Kreativköpfe Peter Plate, Ulf Sommer und Daniel Faust mit ausgeheckt haben. Fast muss man sagen, ihr neues Nummer-eins-Werk klingt, als habe sie mitsamt ihrer Band und den drei stimmgewaltigen Backvocal-Ladys in 15 Karrierejahren („Eigentlich bin ich schon eine Oma in diesem Geschäft“) nie etwas anderes verzapft. Lassen wir also die ollen Klamotten, ihren peinlichen „Brüh´ im Lichte“-Fauxpas oder den schrecklichen TV-Trash mit Ex-Gatte Marc Terenzi (der inzwischen als Stripper durch die Lande tingelt) im Giftschrank.

Und gucken wir lieber ins Heute, wo Sarah Connor zur heimlichen Mutter der Nation avanciert - über das Von-vorne-Anfangen („Anorak“) und die Liebe zu ihren Kindern („Bedingungslos“) oder zu ihrem Mann/Manager („Mein König“) singt, um Themen wie Wahrheit, Schmerz, Freude und das Leben überhaupt in den Mittelpunkt zu rücken („Meine Insel“, „Wenn Du da bist“, „Auf der Suche nach der großen Freiheit“). Oder, „Augen auf“, im Finale die geradezu hymnische Aufforderung zu botschaften, Flüchtlings-Hass, marschierende Wutbürger und Ausgrenzung nicht tatenlos hinzunehmen.

Ja, ja, die schöne Delmenhorster Wahl-Berlinerin mit dem Faible für Borsalino-Hüte und üppige Arm-Tattoos hat das einst „selbstgeschaffene Monster“, so ihr wiederholtes Interview-Statement, hinter sich gelassen. Sie sei erwachsen geworden und mit ihr auch der Signet-Song „From Sarah with Love“, den sie in Frankfurt quasi unplugged, nur begleitet von Ausnahme-Gitarrist Torsten Goods, als schön reduzierte Barjazz-Version haucht - mitten im Publikum, auf einem Laufsteg, der sie immer wieder „ganz nah“ bei den Fans sein lässt.

Fotos: Sarah Conner begeistert die Festhalle

Dieses Akustik-Set zur Konzertmitte – die „Vatersprache“ mit einer unvermeidlichen Reise in die alten Hits („Let´s go back to Bed - Boy!“, „From Zero to Hero“, „French Kissing“) und eine Prise Soul, „Rock with You“ sind abgearbeitet – präsentiert denn auch die ganz persönlichen Schlüssel-Nummern ihrer Neuerfindung: „Das Leben ist schön“, „Wie geht glücklich?“ und vor allem das Gregor-Meyle-Cover „Keiner ist wie Du“, mit dem sie in der TV-Show „Sing meinen Song“ eine Art Erweckungserlebnis in Sachen deutsches Liedgut hatte. Mittlerweile kommt die wieder mal sympathisch nahbare Sarah selbst kaum noch raus aus dem Staunen über den „Muttersprache“-Hype und die Tatsache, dass sie heute in jenen ausverkauften Hallen gefeiert wird, in denen sie vor Jahren noch Weltstar Pink bei deren Kopfüber-Flugshow bewundert hatte. Aber: Ihre neue Nachdenklichkeit scheint einen Nerv und direkt ins Gefühlszentrum der Fans zu treffen. Dass sie in ihrem Zugabenblock mit „Kiss“ und „Nothing compares 2 You“ an das gerade verstobene Genie Prince erinnert, passt bestens ins Bild. Großer Applaus.

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