Wilder Ritt durch die Fantasie

Schattentänzer von „Shadowland 2“ kommen nach Frankfurt

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Das Resultat ist faszinierend.

Berlin/Frankfurt - Vor vier Jahren gastierte die US-amerikanische Tanzkompanie Pilobolus mit ihrem Tanz- und Schattentheater „Shadowland“ in Frankfurt. Von Thomas Ungeheuer

Jetzt kehrt sie mit „Shadowland 2“, einem akrobatischen und zugleich ergreifenden Abenteuer, in die Mainmetropole zurück. Den Arbeitern in einer namenlosen Fabrik ist es verboten, in die Kisten zu schauen, die sie täglich durch eine Lagerhalle tragen. Warum? Lauert dort Bedrohliches? Zwei Neugierige wagen es dennoch, eine Kiste zu öffnen. Darin: ein Strauß. Der Vogel nimmt die beiden mit auf eine Odyssee durch das Land der Schatten. So beginnt die Geschichte von „Shadowland 2“, der zweiten Show der Tanzkompanie Pilobolus. In ihrem Tanz- und Schattentheater-Stück formen sich ihre Körper hinter den Leinwänden zu Gestalten, Tieren und Gegenständen. Der neugierige Arbeiter und seine Kollegin heben mit einem Ballon ab, fliegen mit einer Rakete, begegnen im Dschungel wunderlichen Tieren und erleben ein rauschendes Fest der Fantasie. Aber ihr Vergnügen bleibt nicht unbemerkt. Bald wird das Paar von grimmigen Kollegen und einem eiskalten Aufseher verfolgt, der ihr Glück zerstören will...

So werden Schatten gemacht: Für die Tänzer von Pilobolus ist die Illusion hinter der Leinwand körperliche Schwerstarbeit.

Doch das Paar kämpft für das Überleben der Fantasie. „Ein Kampf, der ungemein wichtig ist“, erklärt Produzent Itamar Kubovy. „Weil er in einer hochtechnisierten Welt stattfindet, in der die Menschen unentwegt mit schnellen, bunten Bildern und lauten Geräuschen bombardiert werden.“ Ihr wolle das Tanztheater Pilobolus mit seinem Schattenspiel etwas „Handgemachtes“ entgegensetzen, sagt Kubovy. Deshalb verzichten die kreativen Köpfe der Show weitgehend auf digitale Tricks. „Wir hätten das Stück mit computeranimierten Filmen anreichern können. Die Szenen, in denen die Tänzer als Schatten hinter den Leinwänden agieren, wären damit zwar perfekt geworden“, sagt Komponist David Poe, der bereits die Musik zu „Shadowland“ geschrieben hat. Doch es gebe Aufregenderes als die Perfektion: Es sei schließlich die Schönheit des Moments, die Theater aufregend mache.

Einige der neuen Songs sind rockiger geworden als in der ersten „Shadowland“-Show, was wohl an der Handlung liegt: Zwar gibt es in „Shadowland 2“ romantische und märchenhafte Szenen, doch nehmen die Kämpfe um das Überleben der menschlichen Fantasie nun mehr Platz ein. Die Atmosphäre wirkt gruseliger und dunkler. Oft sind die sechs Tänzer und drei Tänzerinnen vor den Leinwänden in höchst faszinierenden Einzel-, Paar- und Ensemble-Choreografien von Matt Kent und Renée Jaworski zu bestaunen, bevor sie immer wieder hinter verschiedenen Leinwänden verschwinden, um dort mit ihren Körpern ungemein reizvolle Schattenbilder zu kreieren.

Im Vergleich zur Vorgängershow habe man einige Details verändert, erklärt Matt Kent. „Die Leinwände, auf denen die Schatten der Tänzer zu sehen sind, haben neue Maße. Auch das Licht, das auf sie scheint, hat eine andere Temperatur. Allein das löst beim Zuschauer andere Empfindungen aus.“ Man hat also die Zutaten ein wenig verändert – was dem Geist der 1971 gegründeten Tanz-Kompanie entspricht: nämlich, ihre Kunst langsam und mit viel Sorgfalt weiterzuentwickeln.

„Shadowland 2“ ist vom 16. bis 21. August in der Jahrhunderthalle Frankfurt zu sehen. Eintrittskarten gibt es unter www.shadowland2-show.de.

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