In den Fängen des Scheusals

„Die Schöne und das Biest“ als opulentes Musical in der Alten Oper

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Märchenhaft: Das Budapester Operetten- und Musicaltheater zeigt die „Die Schöne und das Biest“ in Frankfurt.

Frankfurt - Wird die Liebe siegen? In der Alten Oper ist jetzt das fantastisch-romantische Märchen „Die Schöne und das Biest“ als Musical zu sehen. Von Thomas Ungeheuer 

Welche kluge Frau würde schon ein plumpes Großmaul heiraten? Belle (Kitti Jenes), die nebenbei auch noch gut aussieht, erkennt sofort, dass Gaston (Attila Németh) ein Einfaltspinsel ist: Er mag es nicht, dass Belle leidenschaftlich gerne liest, was für Belle Grund genug ist, ihm mit Witz und Charme einen Korb zu geben. Soll er sich doch mit den dümmlichen Frauen aus dem Dorf vergnügen, die dem Muskelprotz zu Füßen liegen. Ohnehin verbringt Belle ihre Zeit lieber mit ihrem Vater Maurice (Attila Bardóczy), den viele Dorfbewohner für seltsam halten. Für Belle jedoch ist er ein großer Erfinder: Sie glaubt fest daran, dass dieses Genie bald weltbekannt sein wird! Doch plötzlich ist Maurice verschwunden. Der grauhaarige Mann hat sich im Wald verlaufen und ist in einem Schloss gelandet, das von einem Biest (Sándor Barkóczi) bewohnt wird. Der übel gelaunte Schlossherr sperrt Maurice in einen Käfig.

Belle, die ihren Vater wie durch ein Wunder findet, lässt sich auf einen gefährlichen Tausch ein: Maurice kommt frei, wenn sie an seiner Stelle für immer beim hässlichen Biest bleibt. Die Bewohner des Schlosses, vor allem der Kerzenständer Lumière (Ádám Bálint) und die Wanduhr Herr von Unruh (Ottó Magós), freuen sich. Hoffen die zwei doch, dass Belle sie von ihrem bösen Fluch erlöst. Einst waren sie von einer Hexe verzaubert worden – wie auch der einst hübsche Prinz, der jetzt in der monströsen Gestalt des Biests gefangen ist. Wenn Belle und das Biest sich verliebten, würde der Bann gebrochen und ihr trauriges Schicksal ein glückliches Ende finden ...

Das Musical „Die Schöne und das Biest“, das auf einem französischen Volksmärchen basiert, wurde fantasievoll von György Böhm inszeniert: Die Handlung spielt in ungemein aufwendig gestalteten Bühnenbildern von István Rózsa; düstere, surreale Waldlandschaften zaubert der Ungar. Die Figuren sind liebevoll überzeichnet, einige wirken geradezu skurril. Péter Somfais reizvoll nuancierten Scheinwerferlicht sorgt für geheimnisvolle Stimmung im Inneren des Schlosses. Im Gegensatz zum ersten Gastspiel des „Budapester Operetten- und Musicaltheaters“ im Winter 2012/13, in der Alten Oper, versteht man die ungarischen Darsteller und Darstellerinnen in der aktuellen Inszenierung recht gut. So kann man den in Deutsch gesprochen Worten der Dialoge und Lieder gut folgen. Sämtliche Pointen zünden jetzt besser und legen einen erfrischend-absurden Humor frei.

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Immense Freude bereitet es, den Darstellern in diesem kraftvollen und erfrischend lebendigen Ensemble zuzuschauen. Gesanglich sind sie sogar famos. Vor allem Kitti Jenes ist als Belle faszinierend. Strahlend und wunderbar farbenreich wirkt ihre Stimme. Dabei fügt die Künstlerin sich derart harmonisch in das Ensemble ein, dass keines der 35 Mitglieder gegen sie blass wirkt. So mag es wohl kaum nur an den großartigen, teils prunkvollen, aber auch schrillen Kostümen der Designerin Erzsébet Túri gelegen haben, dass das überaus begeisterte Premieren-Publikum dem „Budapester Operetten- und Musicaltheater“ (eingedenk des brillanten Orchesters) stehende Ovationen gab.

Weitere Vorstellungen von „Die Schöne und das Biest“in der Alten Oper Frankfurt heute (Restkarten) und morgen jeweils um 14.30 Uhr und um 19.30 Uhr. Tickets unter s 069/1340400 (heute 10 bis 15 Uhr) oder an der Abendkasse der Oper.

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