Mal kurz das Gehirn besuchen

Senckenbergmuseum stellt sich neu auf

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Der Vorstandsvorsitzende der Hertie-Stiftung, Frank-Jürgen Weise (rechts), und Senckenberg-Direktor Volker Mosbrugger präsentieren das Modell des begehbare Gehirns.

Frankfurt -  Das Senckenbergmuseum befindet sich in einer umfassenden Umbruchphase. Bis 2020/2021 wird sich die Ausstellungsfläche des weltweit renommierten Naturmuseums verdoppeln. 2018 sollen die Arbeiten beginnen und zirka 56 Millionen Euro kosten. Von Sonja Thelen

Das Geld wird über die Fundraising-Kampagne „Die Welt baut ihr Museum“ gesammelt. Bislang seien 10,5 Millionen Euro zusammengekommen, sagte Senckenberg-Direktor Volker Mosbrugger gestern. Im Zuge des Um- und Neubaus setzt das Museum neue inhaltliche Schwerpunkte. Es entstehen die vier Ausstellungsbereiche Mensch, Erde, Kosmos und Zukunft. Das spektakulärste Exponat, das im Bereich „Mensch“ die Besucher faszinieren soll, stellte gestern das Naturmuseum mit hochrangigen Vertretern der Gemeinnützigen Hertie-Stiftung (GHST) vor: ein begehbares Gehirn. „Das menschliche Gehirn ist ein Wunderwerk“, sagte Mosbrugger. Daher möchte das Museum bei der künftigen Ausrichtung deutlich machen: „Der Mensch ist Teil des Systems Erde – als die Natur prägender Faktor, vor allem aber als Ergebnis der Evolution.“ Dabei erfülle das Thema „Gehirn“ eine zentrale Funktion.

Als inhaltlichen aber auch als finanziellen Partner hat sich das Frankfurter Museum die GHST ins Boot geholt. Denn die Hertie-Stiftung ist weltweit anerkannt für ihre Verdienste in der Hirnforschung, wie Vorstandsvorsitzender Frank-Jürgen Weise, betonte: „Eine wichtige Aufgabe unserer Stiftung ist die Förderung der Forschung.“ Zudem möchte die Stiftung über die Funktionsweise des Gehirns aufklären. Daher fördert die Stiftung das künftige „Begehbare Gehirn“ mit einer Million Euro, aber auch mit Knowhow. Wie der Geschäftsführer der Hertie-Stiftung, Michael Madeja, berichtete, entsteht die Installation in einem 300 Quadratmeter großen Raum auf zwei Ebenen.

Das begehbare Modell wird acht mal sechs Meter groß, entspricht vom Volumen her zirka 100.000 tatsächlichen Gehirnen. Auf der Galerie sind mehrere Informations-Pavillons geplant zu den Themen Aufbau, Funktionsweise, Evolution und neurologischen Erkrankungen des Gehirns wie Multiple Sklerose, Parkinson oder Alzheimer. Zudem werden dort Bildschirme installiert, die exakt die Partie des Gehirns interaktiv darstellen und erläutern, vor dem sich der Besucher gerade befindet. Aber vor allen Dingen sollen die Gäste das Gehirn-Innere besuchen. „Der Besucher soll sehen, was neurologisch im Gehirn passiert, wenn ein Mensch beispielsweise einen Ball fängt“, erklärte Madeja.

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