Hohe Frankfurter Immobilienpreise machen Umland noch attraktiver

Speckgürtel wird immer dicker

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Frankfurt/Offenbach - In Frankfurt und der unmittelbaren Umgebung schießen die Preise für Wohneigentum in schwindelerregende Höhen. Eine Postbank-Studie zeigt jetzt, dass weiter wachsende Blechlawinen die Folge sein werden. Von Peter Schulte-Holtey

Wer in Frankfurt arbeitet, wird noch intensiver im Umland auf Wohnungssuche gehen. Oft wird über die Staus in Rhein-Main im Berufsverkehr geklagt – es wird aber noch schlimmer. Der Grund: Frankfurt ist bereits Deutschlands Pendler-Hochburg Nr. 1: In der Mainmetropole pendelt fast 50 Prozent der Bevölkerung zu ihrem Arbeitsplatz. Eine Postbank-Studie macht jetzt deutlich, dass die berufliche Mobilität (sprich Blechlawine) weiter wachsen wird – schon, weil sich immer weniger Menschen das Wohnen in der Großstadt leisten können. Der Zusammenhang lässt sich statistisch klar nachweisen: Ein Anstieg der Quadratmeterpreise um je 1 000 Euro führt laut Postbank zu einer um sieben Prozentpunkte höheren Einpendlerquote.

In einer Modellrechnung kommt die Postbank zu weiteren erstaunlichen Ergebnissen, die ahnen lassen, mit welchen Staus in Rhein-Main in Zukunft zu rechnen ist – und dass es ohne sie zu einer weiteren enormen Explosion des Frankfurter Immobilienmarktes kommen würde: Demnach stiegen die Wohnungspreise in Frankfurt um fast 50 Prozent, wenn auch nur die Hälfte der Pendler in die Stadt zöge – bundesweit ein Rekord. Auch deutschlandweit gilt die Regel: In keiner einzigen der 30 größten Städte, auf die sich die Untersuchung bezieht, blieben die Preise für Mieter und Immobilienkäufer unbeeinflusst. Je höher die Immobilienpreise in den attraktiven Citylagen einer Großstadt sind, desto mehr Einwohner können oder wollen sich Wohneigentum hier nicht leisten und weichen darum in den Speckgürtel oder umliegende Landkreise aus. Hier sind die eigenen vier Wände meist deutlich günstiger zu haben. Sie pendeln dann zur Arbeit und entlasten damit auch den städtischen Immobilienmarkt.

Luxus pur: Die teuersten Wohnlagen in Frankfurt

Die Postbank-Studie zeigt aber auch, vor welchen Herausforderungen der öffentliche Nahverkehr in den Metropolen steht. Denn in den staugeplagten Zentren würde eine Verbesserung der Infrastruktur die innerstädtischen Immobilienmärkte entlasten und einen weiteren enormen Preisanstieg zumindest eindämmen. Berufstätige aus dem Umland werden bei einem besser ausgebauten Nahverkehrsangebot zudem Zeit sparen. Die Studie belegt, dass der Durchschnittspendler praktisch nirgends in Deutschland in weniger als einer halben Stunde von seinem Wohnort an die Arbeitsstätte kommt. Besonders viel Geduld brauchen Pendler im täglichen Stau in Frankfurt (45 Minuten), Düsseldorf (42 Minuten) und Stuttgart (43 Minuten). In Stuttgart führt die Blechlawine zu Stoßzeiten zu den größten Verzögerungen, gemessen an der Fahrzeit bei freien Straßen: Um 48 Prozent verlängert sich die Anfahrt zur Arbeit im Berufsverkehr – in Frankfurt sind es 15 Prozent.

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