Gepflegte Langeweile

Statt Funken versprüht A-ha bestenfalls kühlen Charme

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Stoisches Nordblut auf heißer Bühne: Die Show brannte, ansonsten lieferte A-ha in der Festhalle bloß unterkühlte Langeweile. - Foto: Rothschild

Frankfurt - Beeindruckende Licht-Show, tolle Falsett-Stimme, eisgekühlte Performance: Frauenschwarm Morten Harket und seine A-ha-Nordlichter schauen während ihrer „Cast in Steel“-Wiedervereinigung auch in der gut besetzten Festhalle vorbei. Von Peter H. Müller

Im Gepäck: das neue Album, Hits aus 30 Jahren Synthie-Pop und seltsame Sprachlosigkeit. Aber: Die Fans sind dennoch hin und weg. Es soll ja nun doch der definitiv letzte Frankfurt-Gig gewesen sein. Abwarten. Rückblende, Dezember 2010 oder: Aufhören, wenn es am schönsten ist! A-ha erklären ein Vierteljahrhundert nach ihrem Welterfolg „Take on me“ das Karriere-Finale und stehen bald darauf „ausgelaugt“ das „letzte Mal“ auf der Bühne. 2015 dann laden sie norwegisch euphorisiert zur Pressekonferenz und finden: „A-ha ist unser gemeinsames Schicksal“. Auch wenn Sänger-Stoiker Harket gleich darauf relativiert, ein bisschen zumindest.

Nichtsdestotrotz: Pünktlich zum Dreißigsten gaben Magne Furuholmen (Keyboard), Gitarrist Pål Waaktaar-Savoy und ihr Frontmann also zu Protokoll: Die zehnte Studio-Aufnahme ist im Kasten, die Tournee geplant – wir sind wieder da. Keine zwölf Monate danach: Harket stellt klar: „Das Kapitel ist für mich abgeschlossen. Wir sind uns nicht mehr nahe genug, um Platten zu produzieren, um die Welt zu reisen und Live-Konzerte zu geben!“

Kurioserweise tun sie aber exakt Letzteres in der nicht ausverkauften Festhalle. Harket, inzwischen 56, ist nicht nur immer noch ein echter Hingucker, auch seine Stimme zeigt nullkommanull Verschleiß. Dazu ist der Sound perfekt abgemischt, die Licht-Show Oscar-würdig, die gesamte Bühne inklusive Kunstvideos einfach klasse. So weit also das Positive des Konzerts, zu dem auch Backvocal-Lady Annelie Drecker ihren Teil beisteuert.

Dummerweise gehören zu einem Live-Auftritt aber auch Zutaten wie Ausstrahlung, Bewegung, Interaktion zwischen Künstler und Publikum – Bühnen-Präsenz eben. Trotz Furuholmens kauzigem „Ei guude wie, Frankfurt?“ ist das die große Leerstelle in diesem Konzert, das alte Hits wie „Cry Wolf“, „Stay on these Roads“ oder das famose, weil untypische „Sycamore Leaves“ mit einer Prise „Cast in Steel“-Material („She’s Humming a Tune“, „Under the Makeup“) verrührt. Also noch einmal „Crying in the Rain“ schwofen und „Hunting High and Low“ schmachten – alles super, nur, bei allem Respekt, ein Funke springt bestenfalls aus dem feierwilligen Publikum ganz vorne über, nicht von der Rampe. Klar, A-ha-Gigs waren schon immer eher unterkühlte Veranstaltungen. Und für den eingefleischten Fan zählt sicherlich besonders das „Dabeisein-ist-alles“-Gefühl. Aber vielleicht hat diese überroutinierte Band sich und der Welt bei bestens gepflegter Langeweile auch einfach nichts mehr zu sagen – „The Sun Always Shines on TV“ hin, „Take on me“ her. Schade.

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