Statue von Karl dem Großen ziert die Alte Brücke

„Vater Europas“ blickt auf die Bankenskyline

Frankfurt - „Karl is back in town“ steht auf einer Holzfassade auf der Alten Brücke in Frankfurt. Darunter eine Statue Karls des Großen, die am heutigen Samstag enthüllt werden soll. Es ist eine ganz besondere Rückkehr – dank des Engagements eines Vereins. Von Christian Schultz

Wer ist denn dieser große Onkel? Schnappschuss aus dem Jahre 2009. Damals stand die Karlsstatue vor dem Historischen Museum am Römerberg.

Nach mehr als 100 Jahren kehrt eine Statue Karls des Großen zurück auf die Alte Brücke in Frankfurt. Damit rückt der berühmte Herrscher (747-814) an einer zentralen Stelle der Mainmetropole, deren Entwicklung er einst entscheidend geprägt hat, wieder in den Blick der Öffentlichkeit. Enthüllt wird die über drei Meter hohe Replik der Original-Statue, die dort früher stand, samt Sockel um 11 Uhr. Initiator des Projekts ist der 2006 gegründete neue Brückenbauverein. Finanziert wurde die rund 110 000 Euro teure Nachbildung vom Verein und Spendern; den Sockel übernahm die Stadt. „Es ist ein Stück Geschichte Frankfurts, das nun zurückgegeben wird“, sagt der Architekt und Vorsitzende des Vereins, Christoph Mäckler.

Frankfurts Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) spricht von einer „Rückbesinnung auf den Ursprung unserer Stadt.“ Immerhin habe Karl der Große der Sage nach mit seiner Main-Überquerung durch die Frankenfurt der Stadt den Namen gegeben. Und so wird dieser Karl aus rotem Mainsandstein samt Schwert und Krone nun auf die Frankfurter Bankentürme schauen, die den Kaiserdom um Längen überragen, im Rücken den Tower der Europäischen Zentralbank – irgendwie passend für einen Herrscher, der stets über Grenzen hinweg blickte und gerne auch Vater Europas genannt wird. „Er hat Frankfurt groß gemacht“, sagt der Frankfurter Mittelalter-Experte Professor Johannes Fried über Karl den Großen. „Das liegt auch daran, dass er in Frankfurt oftmals die Truppen oder zumindest die Truppenstäbe gesammelt hat, um nach Sachsen zu marschieren.“ Zudem habe er einen königlichen Hof ausgebaut, den es hier wahrscheinlich schon vorher gegeben habe. Frankfurt habe an wichtigen Verbindungsachsen gelegen. „Die Lage ist entscheidend.“

Noch verharrt der berühmte Frankenkaiser in der Kiste. Heute wird die Statue an der Alten Brücke enthüllt.

Die Statue auf der Brücke ist der Nachbau eines Exemplars, das vom Städelschen Kunstverein in Auftrag gegeben wurde – zum 1000. Jahrestag des Vertrages von Verdun im Jahr 1843, mit dem einst die Teilung des Fränkischen Reiches beschlossen wurde und die Staatlichkeit Deutschlands und Frankreichs ihren Anfang nahm. Das Original stammt von Karl Eduard Wendelstadt und Johann Nepomuk Zwerger und stand von 1843 bis 1914 auf der Alten Brücke. Dann wurde diese umgebaut, der Herrscher aus Stein kam ins Historische Museum, wurde dort 1944 bei einem Bombenangriff beschädigt. Kopf und Hände mussten nachgebaut werden. Nach 1988 thronte die Statue vor dem Historischen Museum. Als dessen Abriss begann, wanderte sie in ein Depot des Museums im Stadtteil Riederwald.

Künftig soll das Original in der Dauerausstellung des neuen, im Bau befindlichen Historischen Museums ab September 2017 eine zentrale Rolle spielen – zwischen den Ausstellungsbereichen „Geldstadt“ und „Weltstadt“, wie Kurator Frank Berger erläutert. Einerseits werde die kaiserliche Tradition Frankfurts thematisiert, andererseits die Einführung eines einheitlichen Geldes durch Karl den Großen 794. Er schuf damals den Denar, eine reichsweit gültige Währung. Dass das Original unter dem schützenden Museumsdach bleibt, habe konservatorische Gründe, betont Berger. „Es soll nicht im sauren Regen stehen und auch keinen Vandalismus erleiden.“ Für die Kopie seien Aufnahmen des Originals sorgfältig ausgewertet worden, sagt Berger. Nun sei der Kopf bei der Replik optisch sogar dichter am ursprünglichen als der zerstörte und dann nachgebaute der Vorlage.

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Für die Kopie zeichnete der Berliner Bildhauer Andreas Artur Hoferick verantwortlich. Auf den Sockel gehoben wurde sie schon vor einigen Tagen, bis heute ist sie verborgen hinter einer Holzkonstruktion. Die gestaltete Graffiti-Künstler Helge Steinmann alias Bomber. „Karl is back in town“, steht dort in knalligem Rot geschrieben. Bleibt die Frage, was vom Wirken Karls des Großen über Frankfurt hinaus aus Historikersicht bleibt? „In meinen Augen ist er wirklich bedeutend durch die kulturelle Erneuerung, die er ins Werk gesetzt hat“, betont Fried.

Karl der Große habe die Intelligenz aus ganz Europa zusammengezogen, damals sei die „aristotelische Dialektik“ erneuert worden. „Das ist die Grundlage des rationalen, vernunftgeleiteten Denkens“, betont Fried. Er habe wie andere mittelalterliche Könige auch Kriege geführt. „Das Entscheidende ist aber, dass er diese militärischen Erfolge sofort kulturell umgesetzt hat. Das ist in meinen Augen für die europäische, sogar für die Menschheitsgeschichte die wichtigste Leistung Karls des Großen.“ (dpa)

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