Jazz-Saxophonist Gustl Mayer wird heute 80 Jahre alt

Aha-Erlebnis im Bahnhofsviertel

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An geschichtsträchtigem Ort: Mayer am Poelzig-Bau

Frankfurt - Urgestein. Legende. Pionier. All das mag Jazz-Saxophonist Gustl Mayer im Zusammenhang mit seiner Person gar nicht gern lesen. Aber in den Würdigungen zu seinem 80. Geburtstag am heutigen Samstag wird er genau das wieder zu hören bekommen. Von Detlef Kinsler 

„Statt Urgestein kann man ja gleich schreiben, ich sei alt“, scherzt der Jubilar. „Und Legenden, das sind andere“, fügt er bescheiden hinzu. „Pionier, das könnte man noch am ehesten stehen lassen.“. Aber auch das nimmt er nicht für sich allein in Anspruch. Als Jahrgang 1936 zählt er sich nicht zur ersten Jazzgeneration in der Stadt. „Schließlich hat der ungarische Komponist Mátyás Seiber schon 1928 am Dr. Hoch’s Konservatorium die erste Jazzklasse geleitet“, benennt Mayer einen Wegbereiter. Von dem ahnte der Schüler Günter (zum Gustl wurde er erst später) am Helmholtz-Gymnasium in Frankfurter Ostend noch nichts. Da trug er noch kurze Hosen, fühlte sich aber schon „amerikanophil“. Als er die Tertia wiederholen musste, traf er auf einen Mitschüler, der hatte drei Schallplatten zuhause. Von Pete Daley, Humphrey Lyttelton und Louis Armstrong. „Wir haben diese Scheiben eine Stunde immer und immer wieder gehört, die Mutter von meinem Kumpel ist fast verrückt geworden“, erinnert er sich an den Moment, da er spontan beschloss, Jazzmusiker zu werden. „Und wir dachten natürlich wir seien die einzigen in der Stadt, die wussten was Jazz ist.“ Wie groß war das Erstaunen, als die Schüler, mit den Fahrrädern im Bahnhofsviertel unterwegs, vertraute Klänge aus einem Restaurant hörten. „Wir kletterten auf unsere Räder, um durch die Fenster schauen zu können, und dann spielte da eine Band.“

Wer sich in der Stadt für den Jazz stark machte, fand Gustl Mayer schnell heraus. Da standen Horst Lippmann, der im von ihm gegründeten Forum „Hot Club“ Gleichgesinnte um sich scharte, und Carlo Bohländer, der den bis heute als „Jazzkeller“ bekannten Club „Domicile du Jazz“ in der Kleinen Bockenheimer Straße gründete, in vorderster Reihe. Und die Youngster, die sich selbstbewusst als Musiker vorstellten, durften teilhaben.

Als bei einem Konzert der äußerst populären Two Beat Stompers im Jazzkeller der Klarinettist ausfiel, fragte Lippmann kurzerhand Mayer, ob er nicht einsteigen wolle. So einfach war das damals, sich zu den Profis zu gesellen. Und plötzlich war man sogar in Baden-Baden bei einer Radioproduktion mit dem jungen Chet Baker dabei. Der abenteuerliche Beginn einer langen, erfolgreichen Karriere, die am runden Geburtstag natürlich mitgefeiert wird.

So wirkt Musik auf unseren Körper

Am 10. Mai widmet die Barrelhouse Jazzband ihr jährliches Konzert in der Alten Oper Gustl Mayer. „Wir haben schon öfters zusammen gespielt, haben ein kleines, gemeinsames Repertoire“, freut sich Mayer auf den Abend. Mit Peter Weniger, den er bei gemeinsamen Konzerten mit Paul Kuhn kennen lernte, hat er einen weiteren Saxophonisten für spannende Battles eingeladen. Zusammen mit der Barrelhouse-Rhythm Section gibt es dann im Mozartsaal einen kleinen Querschnitt durch Mayers Lieblings-Saxophonliteratur. „Alles was Spaß macht“, betont Mayer, der sich in vielen Stilen ausprobiert hat, aber dann doch immer wieder auf das zurückkam, was er „Modernen Swing“ nennt. Als damals im Jazzkeller alle free spielen wollten – „Dieses verrückte Zeugs hat mir gar nicht gefallen“ – entschied er sich für Klarheit, Melodiosität und Greifbarkeit.

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