90-Jähriger nicht verhandlungsfähig

Verfahren gegen SS-Mann eingestellt

Frankfurt - Drei ärztliche Gutachten belegen: Ein 90-jähriger ehemaliger SS-Wachmann ist nicht verhandlungsfähig. Das Verfahren am Frankfurter Landgericht wird eingestellt. Ein anderes läuft noch.

Ein Verfahren gegen einen 90 Jahre alten ehemaligen SS-Wachmann aus dem NS-Vernichtungslager Auschwitz hat die Staatsanwaltschaft Frankfurt wegen Verhandlungsunfähigkeit eingestellt. Die Ermittlungen gegen einen anderen, 94 Jahre alten SS-Wachmann seien dagegen noch nicht abgeschlossen, sagte Oberstaatsanwältin Nadja Niesen am Dienstag auf Anfrage. Die Verhandlungsfähigkeit des Mannes werde derzeit geprüft. Dem SS-Wachmann aus dem NS-Vernichtungslager Majdanek wird Beihilfe zum Mord vorgeworfen. Das Verfahren gegen den 90-Jährigen wegen Beihilfe zum Mord sei bereits am 30. Juni eingestellt worden. Drei Mediziner unterschiedlicher Fachrichtungen hatten den Gesundheitszustand des Mannes begutachtet. Danach sei er nicht in der Lage, an der Hauptverhandlung teilzunehmen, sagte Niesen.

Die Einstellung eines Verfahrens gegen ehemalige SS-Wachmänner wegen Verhandlungsunfähigkeit sei nicht ungewöhnlich, sagte der Leiter der Zentralstelle zur Aufklärung nationalsozialistischer Verbrechen, Jens Rommel, in Ludwigsburg. "Das gehört zu den Risiken, die Verhandlungen im Jahr 2016 mit sich bringen." Von 28 Verfahren, die die Zentralstelle im Zusammenhang mit Majdanek an die Staatsanwaltschaften abgegeben habe, seien bis auf drei alle eingestellt worden, weil die Beschuldigten gestorben sind oder verhandlungsunfähig waren. Zu den drei gehört das Frankfurter Verfahren gegen den 94-Jährigen. Wenige Tage vor Prozessbeginn war ein 93 Jahre alter ehemaliger Wachmann des Vernichtungslagers Auschwitz Anfang April in Langenselbold im Main-Kinzig-Kreis gestorben. Dem Mann war Beihilfe zum Mord in mindestens 1075 Fällen angelastet worden. Das Internationale Auschwitz Komitee hatte kritisiert, es sei über Jahrzehnte versäumt worden, die Täter schneller vor Gericht zu stellen. "Die Nachkriegsjustiz hat versagt." dpa

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