Besuch auf der Kinder- und Jugendfarm

„Brauchen mehr Schilf“

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Es kann losgehen mit dem Basteln der Insektenhotels: Die Mädchen und Jungen der Hainburger Kinder- und Jugendfarm füllen die vorbereiteten Holzkästen mit Schilf, Stöckchen und Ton.

Hainburg - Es riecht nach Lagerfeuer und Insektenschutzspray. Die Zweige der Sträucher knistern im Wind, und der Bach plätschert durch die kleinen Brücken aus Wellblech hindurch. Von Rosanna Klein 

Auf der Kinder- und Jugendfarm „Hainzelmännchen“ in Hainburg werden heute Insektenhotels gebastelt. Ein Feuer wurde auf Wunsch der Kinder schon entfacht, gleich beginnt das Werkeln an den Holzkästen, die später das Hotel bilden. Zwei kleine Jungen sammeln Äpfel vom Boden auf und fragen immer wieder, ob dieser oder jener Apfel auch noch gut sei. „Natürlich“, antwortet dann Thorwald Ritter, „das ist ja nur Dreck. Wenn die gewaschen sind, kann man sie essen.“ Ritter ist Mitgründer der Kinder- und Jugendfarm Hainzelmännchen. Das „Hainz“ im Hainzelmännchen steht für Hainburger Naturschutz-Zentrum.

Kinder- und Jugendfarmen gibt es in vielen anderen Kommunen, etwa Offenbach, Dreieich oder Darmstadt. Dort wird den Kindern Raum geboten, um zu bauen, zu pflanzen oder sich um die Tiere zu kümmern. Ein offenes und vielfältiges Angebot zum Spielen in der Natur. Die Farm am Ende der Wiesenstraße ist noch am Anfang ihrer Entwicklung: Erst diesen Sommer wurde sie eröffnet. Ziel ist nun, regelmäßige Treffen zu etablieren, so hat die Farm jeden Samstag von 14 bis 17 Uhr geöffnet. Jeder ist willkommen, aber Kinder unter sechs Jahren müssen von einem Erziehungsberechtigten begleitet werden.

Bevor das Projekt gestartet werden konnte, musste das gesamte Grundstück gereinigt werden. Steine und Büsche wurden aus dem Weg geräumt, um Platz zu schaffen. Seitdem hat sich einiges getan. Neben dem Eingang ist ein selbstgemaltes Banner am Zaun befestigt. In der Ecke hinter dem großen Holzstapel wurde eine Kompost-Toilette aufgestellt. Diese funktioniert ohne Strom, Wasser oder Chemie. In der Nähe des Feuerplatzes ist das erste Beet angelegt worden: Stachel- und Himbeeren. Hinten, auf der Grünfläche vor den großen Bäumen, wurde mit dem Bau einer Hütte aus Holzschwarten begonnen. Auf dem Programm steht das, was die Kinder machen wollen. Wer eine Idee hat, soll sie auch umsetzen können.

Die Box für die Äpfel ist mittlerweile bis zum Rand gefüllt. Es kann also losgehen mit dem Basteln der Hotels. Je zwei Kinder nehmen sich einen Rahmen aus Holzschwarten. Die etwa 30 Zentimeter großen Quadrate werden mit Stöckchen, Schilf und Ton gefüllt. Schicht für Schicht legen die Kinder die Materialien aufeinander. Das fertige Insektenhotel dient bald als Nist- und Überwinterungshilfe, die Löcher im Schilf und zwischen den Materialien als Brutröhren. Wichtig ist, dass die Löcher nicht zu groß sind und das Holz trocken sowie frei von chemischen Holzschutzmitteln ist. Nur dann wird das Hotel von den Insekten auch angenommen und besiedelt.

Dieses Projekt stand am Tag der Nachhaltigkeit im Mittelpunkt, aber es ging auch um den Spaß am Bauen. Zwei Mädchen verkleiden akribisch die Wände ihres Holzkastens mit einer dünnen Tonschicht. Wand für Wand wird diese glattgestrichen, bevor die erste Schilfschicht ausgelegt wird. Immer wieder rufen die Kinder: „Wir brauchen mehr Schilf!“ Dann werden einige der langen Halme in die Hand genommen und Thorwald Ritter kürzt sie mit einer Heckenschere – genau abgestimmt auf die Tiefe der Holzkästen. Es wird noch einige Zeit dauern, bis alle Kästen gefüllt sind. Bis dahin werden die Klamotten der Kinder nach Lagerfeuer riechen. Aber dafür, liebe Eltern, gibt es ja eine Waschmaschine.

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