„Etat zu knapp bemessen“

Bürgermeisterkandidat Andreas Grosser im Interview

Hainburg - Die Hainburger haben am 11. September die Wahl: Wer soll Nachfolger von Bernhard Bessel (CDU) im Amt des Bürgermeisters werden? Im zweiten Teil unserer Interview-Serie veröffentlichen wir die Antworten von Kandidat Andreas Grosser (parteilos) auf die Fragen der Redaktion. Von Katrin Stassig

Andreas Grosser bewirbt sich als parteiloser Kandidat.

Ein Thema, das polarisiert – in der Gemeindevertretung und in der Bevölkerung: Wie stehen Sie zum Rathausneubau?

Die stufenlose Zugänglichkeit mittels Rollstuhl sowie der Erhalt und die Steigerung der Arbeitszufriedenheit, Leistungsfähigkeit und Motivation der Mitarbeiter sind nur einige der zwingenden Gründe für einen Neubau. Die beiden bestehenden Rathäuser sind in die Jahre gekommen und erfüllen diese Ansprüche nur bedingt. Ein Neubau ist auch die große Chance, dass beide Ortsteile endlich zusammenwachsen. Es gibt zahlreiche Formen der Realisierung. Wir brauchen die Bestmögliche, unabhängig von Parolen oder einer Parteifarbe. Es sind aber vorab noch wichtige Fragen zur Finanzierung/Nutzungsform/Bauträgerschaft zu klären.

Hainburg verfügt mit dem Arbeitskreis Asyl und als langjähriger Standort der Gemeinschaftsunterkunft über Erfahrungen im Umgang mit Flüchtlingen. Die Integration ist dennoch eine Herausforderung, und zwar eine, die vor Ort gemeistert werden muss. Wie kann sie gelingen?

Die Integration von Flüchtlingen ist eine Aufgabe, die Bund, Länder, Kreise, Städte und Gemeinden gemeinsam lösen müssen. Eine Gemeinde kann das weder personell noch finanziell alleine stemmen. Sehr wohl können Konzepte erarbeitet werden für eine erfolgreiche Integration zu den Punkten Sprache und Werte, Schulen und Kitas, Unterkunft und Wohnungsbau sowie Ausbildung, Studium und Arbeitsmarkt unter Berücksichtigung der aktuellen Gesetzeslage. Dabei muss das Rad nicht von neuem erfunden werden, ein reger Austausch mit Nachbargemeinden ist sinnvoll. Es entzieht sich meiner Kenntnis, was die Gemeinde diesbezüglich in der Vergangenheit unternommen hat. Von der Gemeinde gibt es dazu jedenfalls keinen aktuellen Bericht.

Die Opposition und auch Sie als parteiloser Kandidat haben Kritik an der Wirtschaftsförderung der Gemeinde geübt. Welche Defizite sehen Sie?

Der Etat ist viel zu knapp bemessen. Pläne zu den Zukunftsaussichten am Standort Hainburg gibt es nicht. Es genügt zum Beispiel nicht, von anderer Seite aus darüber zu sprechen, dass Mittel für den Breitbandausbau bereitstehen, ohne darauf einzugehen, wann und wie mit dem Ausbau begonnen wird. Viel zu lange wird mit dem Handeln gewartet. Die Expertise zu den Gewerbeflächen in Hainburg des Regionalverbandes Rhein-Main, die der Verwaltung schon seit Mitte 2014 vorliegt, wird erst im September 2016 in den Ausschüssen beraten. Professionalität zum Thema Wirtschaftsförderung sieht anders aus. Die Verantwortlichen der Stadt Seligenstadt zeigen, wie es zukunftsorientierter gehen kann. Schaffung eines eigenen Ressorts oder Erarbeitung eines Einzelhandelskonzeptes unter Mitwirkung eines externen Beraters.

Die Gemeinde Hainburg steht im Vergleich zu anderen Kreiskommunen finanziell nicht so schlecht da. Ein ausgeglichener Haushalt ist in Sicht. Welche Investitionen kann und muss sich die Gemeinde in Zukunft leisten, wo sehen Sie Einsparmöglichkeiten?

Ein Vergleich zu anderen Kreiskommunen wäre unter anderem anhand von Jahresabschlüssen möglich. Für die Gemeinde Hainburg liegen aber keine Abschlüsse für die Jahre 2013 und 2014 vor. Damit ist eine Aussage zur Vergleichbarkeit meinerseits nicht möglich. Der Haushaltsentwurf 2017 liegt ebenso noch nicht vor. Im Februar 2015 wurde einmal vom amtierenden Bürgermeister ein ausgeglichener Haushalt für 2017 in Aussicht gestellt. Welcher Preis wird dafür gezahlt? Werden notwendige Investitionen zurückgestellt? Werden Steuern und Gebühren erhöht? Durch Unkenntnis der aktuellen Situation, die meines Erachtens bewusst verschleiert und erst nach der Bürgermeisterwahl an Tageslicht kommen wird, ist eine Aussage zu Einsparmöglichkeiten nicht möglich.

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Der Verkehr ist in Hainburg ein unerschöpfliches Thema, aktuell ist wieder die Landesstraße 3065 im Gespräch. Wofür stehen Sie: Ampeln oder Kreisel?

Es geht um die bestmögliche Lösung, das kann eine Ampel, ein oder mehrere Kreisel oder eine sonstige andere Lösung sein. Ich bin froh, dass nunmehr von dritter Seite aus und hoffentlich mit der notwendigen Erfahrung ein bürgerorientiertes Konzept erarbeitet werden soll. Lange genug hat es gedauert, bis sich die Gemeindevertretung dazu durchgerungen hat. Leider fehlt bis heute ein Zeitplan für den Start und das Ende des Projektes. Unabhängig davon ist auch ein Plan zur generellen Verkehrsentlastung unseres Ortes zu entwickeln. Täglich 10 000 Fahrzeuge und mehr, so die Aussage des amtierenden Bürgermeisters, die durch unseren Ort fahren, sind einfach zu viel.

Was können Sie besser als Ihre Mitbewerber?

Es gilt die eigenen Stärken hervorzuheben und nicht über Mitbewerber zu sprechen. Daher sollte die Frage anders gestellt werden: Welche Erfahrungen bringen Sie für das Amt des Bürgermeisters mit? Ich habe eine mehr als 30-jährige Erfahrung in leitenden Funktionen in der freien Wirtschaft vorzuweisen. Mitarbeiterführung, Aufstellung von Budgetplänen, Entwickeln von Zukunftsstrategien und Mitwirkung bei Jahresabschlüssen sind eine Selbstverständlichkeit. Zielführende Kommunikation, Durchsetzungskraft, Diskussions- und Kritikfähigkeit sind keine Worthülsen, sondern gelebte Praxis. Ich gehöre keiner Partei an, habe meinen Wahlkampf aus eigenen Mitteln bestritten und habe mich bei einer erfolgreichen Wahl zum Bürgermeister nur bei den Wählerinnen und Wählern zu bedanken. Keine Partei kann im Nachhinein von mir etwas fordern, nach dem Motto: „Wessen Brot ich esse – dessen Lied ich sing“.

Welche Schlagzeile würden Sie nach 100 Tagen im Amt gerne lesen?

„Der frische Wind in Hainburg ist zu spüren.“

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