Bürgermeisterkandidaten im Interview

Alexander Böhn (CDU) will seinen Chef beerben

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Alexander Böhn, ein „Hainburger durch und durch“. 

Hainburg -  Die Hainburger haben am 11. September die Wahl: Wer soll Nachfolger von Bernhard Bessel (CDU) im Amt des Bürgermeisters werden? Von Katrin Stassig

Drei Kandidaten bewerben sich um die Stimmen der Wähler: Erster Beigeordenter Alexander Böhn (CDU), Andreas Grosser (parteilos) und Cliff Hollmann (Grüne), der auch von der SPD unterstützt wird. Wir haben ihnen gleichlautende Fragen gestellt und veröffentlichen die Interviews in alphabetischer Reihenfolge. Den Anfang macht Alexander Böhn.

Ein Thema, das polarisiert – in der Gemeindevertretung und in der Bevölkerung: Wie stehen Sie zum Rathausneubau?

Beide alten Rathäuser können die Voraussetzungen für ein bürgerfreundliches, zentrales barrierefreies Rathaus aufgrund ihrer Art und ihres Alters nicht mehr erfüllen. Der Neubau soll eine zentrale Anlaufstelle für die Bürgerinnen und Bürger Hainburgs werden. Bis auf die SPD – welche jetzt kurioser Weise den Kandidaten der Grünen unterstützt, der sich für einen Rathausneubau ausgesprochen hat – haben alle Fraktionen diesem Beschluss in der Gemeindevertretung zugestimmt. Ein Rathausneubau ist ein zielführendes und langfristig gesehen kostengünstiges Projekt, welches ich künftig über die Parteigrenzen hinweg vorantreiben möchte. Wichtig ist für mich, dass es ein funktionales und sinnvolles Gebäude ist und dass es für unsere Gemeinde finanzierbar ist.

Hainburg verfügt mit dem Arbeitskreis Asyl und als langjähriger Standort der Gemeinschaftsunterkunft über Erfahrungen im Umgang mit Flüchtlingen. Die Integration ist dennoch eine Herausforderung, und zwar eine, die vor Ort gemeistert werden muss. Wie kann sie gelingen?

Nachdem klar wurde, dass eine sehr große Flüchtlingszahl auf uns zukommt, haben wir beschlossen, dass wir auf große Gemeinschaftsunterkünfte verzichten und kleinere, finanziell darstellbare Einheiten anmieten, um den Menschen eine angemessene Unterkunft in familiären Wohneinheiten zu bieten. Das verhindert Eskalationen und ermöglicht einen guten Beginn der Integration. Aber auch während meines in der Regel wöchentlichen Besuchs der Flüchtlingseinrichtungen merke ich, dass das natürlich nicht reicht, um Menschen zu integrieren. Für unseren Fahrradparcours haben wir einen Fahrlehrer und die Verkehrswacht gewinnen können, um auch hier ein Stück Integrationsarbeit zu leisten. Das Ziel ist es, weitere Ehrenamtliche zu finden, um den Flüchtlingen, die in unserem Land bleiben dürfen, in allen Bereichen einen Einstieg in unsere Gesellschaft zu ermöglichen.

Die Opposition und auch der parteilose Kandidat Andreas Grosser haben Kritik an der Wirtschaftsförderung der Gemeinde geübt. Halten Sie diese für gerechtfertigt?

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Nein, dies kann ich nur bedingt nachvollziehen – hier möchte ich auch auf den Leserbrief von Herrn Krause (Geschäftsführer der Thorka GmbH, Anm. d. Red.) in Ihrer Zeitung verweisen. Im Frühjahr haben der Kreis Offenbach und die Kreiskommunen ein Wirtschaftsförderungskonzept vorgestellt, bei welchem wir als Gemeinde beteiligt waren. Wir arbeiten seit Jahren als Gemeinde an einer effektiven und bürgernahen Wirtschaftsförderung, hierzu hat auch das Pilotprojekt des Regionalverbandes gezählt. Weiterhin beraten wir im Baubereich fast wöchentlich Gewerbetreibende bei der Suche nach Lösungen für ihren Betrieb. Das reicht vom Kleinstgewerbe bis hin zu Großbetrieben – dies ist allerdings eine Basisarbeit, die oft nicht gesehen wird. Auch die Baugenehmigung für den Bau eines Wohn- und Geschäftshauses an der Offenbacher Landstraße hinter dem Parkplatz ist erteilt, hier sind wir im Zeitplan.

Die Gemeinde Hainburg steht im Vergleich zu anderen Kreiskommunen finanziell nicht so schlecht da. Ein ausgeglichener Haushalt ist in Sicht. Welche Investitionen kann und muss sich die Gemeinde in Zukunft leisten, wo sehen Sie Einsparmöglichkeiten?

Die Gemeinde Hainburg trifft seit Jahrzehnten gute Entscheidungen im Bereich der Finanzen. Diese erfolgreiche Politik gilt es fortzusetzen. Ich stehe dafür, Gemeindegeld effizient einzusetzen. Würden wir den Vorschlägen der Opposition folgen und alle von ihnen geforderten Maßnahmen, die LED-Beleuchtung und sonstiges, sofort umsetzen, dann würden wir in naher Zukunft mit einem Schuldenberg von rund vier Millionen Euro dasitzen. Stattdessen haben wir entschieden, sinnvolle Maßnahmen schrittweise umzusetzen, wenn Handlungsbedarf besteht, was deutlich weniger Kosten verursacht. So können wir für 2015 einen fast ausgeglichenen Haushalt vorweisen und voraussichtlich im laufenden Jahr einen leichten Überschuss erwirtschaften. Zudem konnten wir unsere Kassenkredite um rund 2,5 Millionen Euro gegenüber 2014 reduzieren.

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Der Verkehr ist in Hainburg ein unerschöpfliches Thema, aktuell ist wieder die Landesstraße 3065 im Gespräch. Wofür stehen Sie: Ampeln oder Kreisel?

Aus meiner Berufserfahrung kann ich sicher sagen, dass man nicht klar für oder gegen Ampeln oder Kreisel sein kann. Dies gilt es von Fall zu Fall zu klären. Des Weiteren müsste an vielen Stellen der L 3065 geklärt werden, ob Kreisel überhaupt machbar und finanzierbar wären – und dann auch von wem? Außerdem wären auf einigen Kreuzungen aufgrund des Fußgängerverkehrs möglicherweise selbst in den Kreiseln Ampelanlagen notwendig, was die ganze ampelfreie Planung teilweise zunichtemacht. Aus diesem Grund bin ich froh, dass die Gemeindevertretung meinem Vorschlag gefolgt ist, in Zusammenarbeit mit der Hochschule Darmstadt hier einmal auf einer soliden Basis die Grundlagen zu erheben und mögliche Lösungsvorschläge auszuarbeiten. Diese müssen dann mit allen Beteiligten diskutiert werden.

Was können Sie besser als Ihre Mitbewerber?

Ich bin Hainburger durch und durch. Ich bin in zahlreichen Hainburger Vereinen Mitglied und seit Jahrzehnten nah an den Mitbürgerinnen und Mitbürgern. Für mich ist dies kein einfacher Job, auf den man sich bewirbt, sondern eine große Verantwortung, die man für seine Heimatgemeinde tragen darf, und dies würde ich gerne tun. Politik ist für Menschen da, und dieses Motto steht bei mir im Vordergrund. Wenn es um die Leitung einer Verwaltung geht, sehe ich mich aufgrund meiner Berufs- und Führungserfahrung bestens vorbereitet. Ich bin in der Lage, das Amt des Bürgermeisters mit der nötigen Seriosität, Kompetenz und Bereitschaft zum Handeln zu übernehmen.

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Welche Schlagzeile würden Sie nach 100 Tagen im Amt gerne lesen?

Für Schlagzeilen sind aus meiner Sicht die Journalisten zuständig und nicht die Politik. Ich möchte durch meine Arbeit, meine Leistung und mein Wirken überzeugen und nicht durch Schlagzeilen – so habe ich es auch die vergangenen vier Jahre als stellvertretender Bürgermeister gesehen. Wenn die Hainburgerinnen und Hainburger mich zu ihrem Bürgermeister wählen, können wir uns gerne nach 100 Tagen zu einem Interview treffen und Sie beurteilen meine Arbeit in diesen Zeitraum dann aus der Sicht einer kritischen Journalistin.

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