„Kreisel die bessere Lösung“

Bürgermeisterkandidaten im Interview: Cliff Hollmann

Hainburg - Die Hainburger haben am 11. September die Wahl: Wer soll Nachfolger von Bernhard Bessel (CDU) im Amt des Bürgermeisters werden? Im dritten und letzten Teil unserer Interview-Serie veröffentlichen wir die Antworten von Kandidat Cliff Hollmann (Grüne), der von seiner Partei und von der SPD unterstützt wird. Von Katrin Stassig

Cliff Hollmann (Grüne) wird auch von der SPD unterstützt, die keinen eigenen Kandidaten aufgestellt hat.

Ein Thema, das polarisiert – in der Gemeindevertretung und in der Bevölkerung: Wie stehen Sie zum Rathausneubau?

Beide Rathäuser sind sowohl für die Verwaltungsangestellten als auch die Bürgerinnen und Bürger in einem unzumutbaren Zustand. Dringend erforderlich sind barrierefreie Zugänge, zeitgemäße sanitäre Einrichtungen, ausreichender Brandschutz und bürgerfreundliche Einrichtungen. Dies war und ist Konsens aller Fraktionen im Gemeindeparlament. Auf Grundlage der Beschlüsse und Erörterungen des Parlamentes sollte kurzfristig die bereits zwei Jahre alte Baukostenberechnung aktualisiert, die Finanzierung sichergestellt und ein Architektenwettbewerb ausgeschrieben werden. Als Verwaltungschef werde ich dafür sorgen, dass die beste Lösung unter Bürgerbeteiligung mit den politischen Kräften gefunden wird. Einen Luxusbau wird es dabei nicht geben – vielmehr ein modernes Rathaus vorzugsweise in Passivhausbauweise.

Hainburg verfügt mit dem Arbeitskreis Asyl und als langjähriger Standort der Gemeinschaftsunterkunft über Erfahrungen im Umgang mit Flüchtlingen. Die Integration ist dennoch eine Herausforderung, und zwar eine, die vor Ort gemeistert werden muss. Wie kann sie gelingen?

Ergänzend zur herausragenden Arbeit des AK Asyl, die von Vereinen und religiösen Gemeinschaften unterstützt wird, halte ich es für wichtig, dass ein Integrationskonzept mit allen gesellschaftlichen Gruppen erarbeitet wird. Durch die Bestandsaufnahme der Situation der Migranten in Hainburg werden damit Defizite erkannt und zielgerichtete Verbesserungen zum Beispiel bei der Kita-, Schul- und Arbeitssituation ermöglicht. Ich trete für eine aktive Rolle der Gemeinde ein, um für Flüchtlinge kurzfristig Kindergartenplätze und Beschäftigungsmöglichkeiten zu schaffen oder zu vermitteln.

Die Opposition und auch der parteilose Kandidat Andreas Grosser haben Kritik an der Wirtschaftsförderung der Gemeinde geübt. Welche Defizite sehen Sie?

Welche Wirtschaftsförderung? Im Ernst: Diese Form der „Wirtschaftsförderung“ hat uns auf den letzten Platz im Kreis Offenbach bei den sozialversicherungspflichtig Beschäftigten und den Gewerbesteuereinnahmen (zirka ein Prozent der kreisweiten Einnahmen von 203 Millionen Euro im Jahr 2015) gebracht. Die seit Mitte 2014 vorliegende, mit der Gemeinde erarbeitete Expertise des Regionalverbandes zu den Gewerbegebieten beider Ortsteile zeigt erste Handlungsschritte auf, um insbesondere das „Winter“-Gelände in Hainstadt zu entwickeln. Als Bürgermeister werde ich mit Unterstützung von Fachleuten und der Gewerbetreibenden in Hainburg diese Erkenntnisse kurzfristig aufgreifen, um neue Unternehmen anzusiedeln und damit Arbeitsplätze im Ort zu schaffen. 

Die Gemeinde Hainburg steht im Vergleich zu anderen Kreiskommunen finanziell nicht so schlecht da. Ein ausgeglichener Haushalt ist in Sicht. Welche Investitionen kann und muss sich die Gemeinde in Zukunft leisten, wo sehen Sie Einsparmöglichkeiten?

Als zukunftsträchtige Investitionen sehe ich die Umstellung der Straßenbeleuchtung auf LED-Leuchtmittel (Einsparpotential 100.000 Euro pro Jahr), den barrieregerechten Umbau der Bushaltestellen, die Freizeitgestaltung am Mainufer, den Rathausneubau, die Schaffung neuer Kindergartenplätze, die Bachrenaturierung des Werniggrabens und den sozialen Wohnungsbau. Entsprechende Fördermittel von Bund, Land und Kreis sind dabei abzurufen. Einsparmöglichkeiten bestehen bei den Energie- und Wasserkosten, insbesondere durch die Umstellung der Sportplatzbewässerung von Trink- auf Brunnenwasser (Einsparpotential zirka 15.000 Euro pro Jahr), der Modernisierung einer Kläranlage und des Einsatzes von erneuerbaren Energien (zum Beispiel durch ein Blockheizkraftwerk für die Kreuzburghalle und Photovoltaikanlagen auf gemeindeeigenen Dächern). Doppelstrukturen im Ort sollten überprüft und – soweit wirtschaftlich sinnvoll – vermieden werden.

Bürgermeister und Landräte aus der Region

Der Verkehr ist in Hainburg ein unerschöpfliches Thema, aktuell ist wieder die Landesstraße 3065 im Gespräch. Wofür stehen Sie: Ampeln oder Kreisel?

Die Erfahrungen in Seligenstadt und Rodgau zeigen, dass Kreisel die bessere Lösung sind, da der Verkehr fließt, Staus reduziert und schwere Unfälle vermieden werden. Die Kreuzungen auf der Hauptstraße/L 3065 sind m.E. alle als Kreisel denkbar. Als Verwaltungschef werde ich dafür sorgen, dass durch die Machbarkeitsstudie kurzfristig die Kosten- und Realisierungsmöglichkeiten aufgezeigt und eine Umbauplanung der jeweiligen Kreuzungen vorgelegt wird.

Was können Sie besser als Ihre Mitbewerber?

Mit Wirtschaftskompetenz lösungs- und konsensorientiert arbeiten. Dabei in Teamarbeit Andere einbeziehen, zum Beispiel durch Bürgerbeteiligung und Motivation der Verwaltungsangestellten. Kurz: Anpacken statt verwalten!

Welche Schlagzeile würden Sie nach 100 Tagen im Amt gerne lesen?

1) Gemeinsame Pressekonferenz der SPD/BFH: „Hollmann hat‘s angepackt!“ 2) Pressemitteilung der CDU: „Harrer: Hollmann ist doch der Richtige!“

Rubriklistenbild: © Hampe, Axel

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