CDU feiert Wahlsieg ihres Kandidaten Alexander Böhn

Enttäuscht von Nichtwählern: Opposition sucht nach Gründen

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Sie hatten auf ein besseres Ergebnis gehofft: Kandidat Cliff Hollmann (Mitte), Grünen-Sprecher Thorwald Ritter (rechts) und Gemeindevertreter Heinz Seipel (SPD).

Hainburg -  Feierlaune bei der CDU, Katerstimmung bei der Opposition: Am Tag eins nach der Bürgermeisterwahl in Hainburg suchen Grüne und SPD nach Gründen, warum es wieder nicht gereicht hat. Groß ist die Enttäuschung über die Wahlbeteiligung. Von Katrin Stassig 

„Ich trag’s mit Fassung“, sagt Cliff Hollmann (Grüne) auf die Frage nach seiner Stimmung am Tag danach. Er hat am Wahlabend noch mit seinen Unterstützern zusammen gesessen und reflektiert, woran es gelegen haben könnte. „Wir hatten den gleichen hohen Nichtwähler-Anteil wie vor sechs Jahren“, stellt er mit Blick auf die Wahlbeteiligung von 52,2 Prozent fest. Er habe versucht, durch Veranstaltungen und Klingeltouren diese Nichtwähler zu motivieren – was leider nicht geglückt sei. Und auch wenn ihn die SPD unterstützt hatte, habe ihm sicher nicht jeder SPD-Anhänger seine Stimme gegeben. Mit einem Plakat zum Motto „Refugees welcome“ habe er noch einmal polarisiert. Zudem habe auch die BFH keine klare Wahlempfehlung ausgesprochen. Die CDU-Bastion habe gehalten, und so seien es am Ende nicht 35 bis 40 Prozent geworden, wie er gehofft habe, sondern nur knapp 25. Wie es kommunalpolitisch für ihn weitergeht, werde demnächst in der Fraktion geklärt. Hollmann war bis zur Kommunalwahl im März Sprecher der Grünen-Fraktion, derzeit hat Thorwald Ritter diese Position inne.

SPD-Fraktions- und Parteivorsitzender Manfred Tilsner ist auch gestern noch spürbar enttäuscht. „Ich bin traurig, dass es wieder nicht geklappt hat.“ Sorgen macht ihm die Wahlbeteiligung. „Ich weiß nicht, was man noch machen muss, um Nichtwähler an die Urne zu bringen.“ Es habe eine Auswahl von Kandidaten gegeben, die in ihrer Art sehr unterschiedlich seien. Die Wahlbeteiligung lag diesmal nur knapp höher als vor sechs Jahren (51,9 Prozent). Damals hatte Amtsinhaber Bernhard Bessel (CDU) mit 67,7 Prozent gegen SPD-Herausforderer Rolf Wich (32,3 Prozent) gewonnen. Tilsner hatte angesichts von drei Kandidaten fest mit einer Stichwahl gerechnet, habe den Wahlsieger Böhn bei knapp unter 50 Prozent gesehen. Dass der CDU-Mann im ersten Anlauf so deutlich vorne liegt, kann der SPD-Chef auch am Tag danach noch nicht fassen.

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Kritischer Blick auf die Leinwand: Andreas Grosser verfolgt im Kreise seiner Familie die Wahlergebnisse.

„Frustriert über die Nichtwähler“ ist auch der parteilose Kandidat Andreas Grosser. Es habe genug inhaltliche Themen gegeben, aber 48 Prozent der Wahlberechtigen interessiere es offenbar nicht, wer Bürgermeister werde. Die CDU habe ihre Wähler mobilisieren können, somit bleibe Hainburg eben CDU-Hochburg. Sein Ergebnis von 14 Prozent sei fürs erste Mal nicht schlecht. Weitere politische Ambitionen hat er aber nicht. Er hatte im Vorfeld „eine historische Chance“ für einen Wechsel gesehen, da ein altgedienter Bürgermeister aufhöre. Das politische Geschehen wird er künftig wieder aus der Sicht eines Hainburger Bürgers beobachten. „Es waren spannende Monate“ – aber wenn alle Wahlplakate abgehängt seien, gehe das Leben für ihn ganz normal weiter.

Gut ist natürlich die Stimmung bei der CDU: Über 200 Mitglieder, Freunde und Mitstreiter haben am Sonntagabend im Hessischen Hof den Wahlsieg gefeiert. Partei- und Fraktionschef Jürgen Harrer zeigt sich erfreut über „ein tolles Ergebnis“ von 61,2 Prozent. Die Hainburger hätten mit Alexander Böhn „einen erfahrenen Mann gewählt, der Hainburg in eine gute Zukunft führen wird. Er konnte mit seiner Persönlichkeit und seinem Programm bei der breiten Mehrheit punkten. Dass bei drei Kandidaten bereits der erste Wahlgang die Entscheidung gebracht hat, freut uns umso mehr, weil dies keine Selbstverständlichkeit ist.“

Bilder: Klarer Wahlsieg für Böhn

„Überwältigt vom klaren Votum der Bürger“, dankt Alexander Böhn allen Wählern für das ausgesprochene Vertrauen. „Ich verspreche aber auch denjenigen, die mich nicht mit ihrer Stimme unterstützt haben, dass ich mich mit ganzer Kraft zum Wohl der Gemeinde und aller Bürger einsetzen werde.“ Seinen Mitbewerbern und deren Anhängern dankt er für einen insgesamt fairen Wahlkampf. „Die letzten Wochen waren sicherlich nicht nur für mich kräftezehrend.“ Ohne die Unterstützung von Familie, Freunden und Helfern „hätte ich diese Zeit sicherlich nicht so gut und erfolgreich meistern können“, resümiert Böhn.

Grund zur Freude: CDU-Chef Jürgen Harrer (links) mit dem künftigen CDU-Bürgermeister Alexander Böhn.

Die Bürger für Hainburg (BFH) gratulieren dem künftigen Bürgermeister. „Es werden in naher Zukunft wichtige Weichen für die Weiterentwicklung unserer Gemeinde gestellt werden müssen“, so die BFH in einer Stellungnahme zur Wahl. Dazu gehörten der Rathausneubau und eine Überplanung der Gewerbegebiete. Dabei könne Böhn „mit unserer Unterstützung rechnen“. Enttäuscht zeigen sich die Bürger für Hainburg von der Wahlbeteiligung. Obwohl es drei Kandidaten gab, sei nur jeder zweite zur Wahl gegangen. „Dass Herr Böhn gewonnen hat, ist für uns keine Überraschung, das relativ schlechte Abschneiden von Herrn Hollmann schon.“

Am 28. Februar 2017 wird Alexander Böhn die Amtsgeschäfte von Bürgermeister Bernhard Bessel (CDU) übernehmen. Der Amtsinhaber bekommt damit laut eigener Aussage seinen Wunsch-Nachfolger. „Die Wählerinnen und Wähler haben mir ein vorgezogenes Abschiedsgeschenk gemacht“, freut sich Bessel.

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