„Im Jugendhotel Steinkamp“

EFH-Ehrenvorsitzende und ihr Einsatz für Völkerverständigung

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Karin Steinkamp: „Um die anderen besser zu verstehen, muss man Land und Leute kennenlernen.“  

Hainburg - Sie sieht die Völkerverständigung als hohes Gut, knüpft und pflegt seit Jahrzehnten internationale Kontakte. Darüber hinaus engagiert sich Karin Steinkamp, die Ehrenvorsitzende des Europäischen Freundeskreises Hainburg (EFH), vielfältig in ihrem Heimatort. Von Sabine Müller

In diesem Jahr geht es nach Irland, und Karin Steinkamp wäre nicht Karin Steinkamp, wenn nicht ein Wiedersehen mit den Freunden im Ausland eingeplant wäre. Viele legen die Organisation von Reisen und Ausflügen vertrauensvoll in ihre Hände, berichtet sie. Sei’s über die Landesgrenzen hinweg oder zum Grüne-Soße-Festival nach Frankfurt. Seit die 71-Jährige nach 25 Jahren den Vorsitz beim Europäischen Freundeskreis Hainburg (EFH) abgab, initiiert sie die Fahrten nicht mehr im Namen des Vereins, sondern privat. Mit großem Vergnügen, denn ein Zugvogel war sie schon immer, wollte einst Stewardess oder Reiseleiterin werden. „Doch das waren damals keine ordentlichen Berufe.“ Also lernte sie Stepperin und arbeitete später als Bürogehilfin.

Schon in jungen Jahren lernte die gebürtige Hainstädterin die Sprache, Kultur und Lebensweise der Landesnachbarn kennen: „Mit 15 habe ich meine Vorliebe für Frankreich entdeckt.“ Sie arbeitete als Gruppenbetreuerin bei verschiedenen sportlichen Organisationen in Frankreich (Animateur interpret), ging mit 21 für ein Jahr als Aupair nach Genf und besuchte immer wieder für einige Wochen europäische Länder. „Den Drang ins Ausland hat meine Mutter nie verstanden“, sagt Karin Steinkamp. „Aber um die anderen besser zu verstehen, muss man Land und Leute kennenlernen. Außerdem fördern Auslandsaufenthalte die Selbstständigkeit.“ Reisende soll man nicht aufhalten, sagte sie auch zur unternehmungslustigen Tochter Nathalie, die ihr Sprachtalent heute beruflich nutzt, während Sohn Pierre bodenständig blieb. Der studierte Betriebswirt zieht nun als Schäfer durch die Region Regensburg.

Als Hainstadt im Jahr 1962 eine Partnerschaft mit dem französischen Vernouillet nahe Paris besiegelte, war die Gemeinde eine der ersten in der Region, die eine solche Verschwisterung einging, erzählt Karin Steinkamp. Später kamen Alberndorf und Trumau in Österreich dazu. Schon immer offen für die europäische Idee, organisierte und begleitete sie über Jahrzehnte internationale Schüler- und Jugendfreizeiten sowie den Austausch. Sie hob im Januar 1984 den EFH mit aus der Taufe, der gleich mit 40 Mitgliedern an den Start ging. „Unser Ziel waren die Völkerverständigung sowie die Unterstützung der Gemeindeverwaltung in Partnerschaftsfragen.“ Durch ihr Wirken entstanden in den österreichischen Partnergemeinden gleichgesinnte Vereine, mit denen Hainburg zusammenarbeitet.

Aus verschiedenen Kontinenten kamen Jugendliche nach Hainstadt, wo immer die Tür für sie offen stand. „In der Abiturzeitung unseres Sohnes wurde über das ‚Jugendhotel Steinkamp‘ berichtet“, schmunzelt die Gastgeberin. Weihnachten wurden amerikanische Soldaten eingeladen, die in Hanau stationiert waren, viele Austauschschüler blieben zwei bis drei Wochen, die Italienerin Sarah und Paul aus USA sogar ein ganzes Jahr. Gern erinnert sich Steinkamp an Budi und Kevin aus Indonesien, an Besucher aus Australien, Costa Rica und Russland. Mit einigen besteht noch heute Kontakt. „Das Tolle ist, dass sie hier immer eine Spezialität ihres Landes kochten.“

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Für ihrem Heimatort war Karin Steinkamp stets darüber hinaus aktiv: unterstützte die Betreuung im Kinderhaus, war Mitbegründerin der Ferienspiele und stellte - gemeinsam mit Hermine Krammig - in den 70ern den Kinderumzug an Fastnacht auf. Den EFH unterstützt sie noch als Beisitzerin, ist Mitarbeiterin im Ehrenamtsbüro und hat den Strick- und Babbelkreis ins Leben gerufen. Ohne Ehemann Wolfgang sei dies alles jedoch nicht möglich gewesen, betont die Hainstädterin. „Er hat mich immer tatkräftig unterstützt, auch wenn wir Zeiten hatten, da sagte er: „Schenkt mir mal einer ein Foto von meiner Frau?“ Wer mit Karin Steinkamp unterwegs sein möchte, kann sich unter Telefon 06182/4075 bei ihr melden.

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