„Im gesegneten Monat“

Fastenbrechen an Moschee mit Hunderten von Gläubigen

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Eine logistische Meisterleistung: Eine Handvoll Männer und Frauen kocht ein dreigängiges Menü für mehrere hundert Gläubige aus der Region, die an der Beyazit Moschee in Klein-Krotzenburg zum gemeinsamen Fastenbrechen zusammenkommen.  

Klein-Krotzenburg - Der Ramadan neigt sich dem Ende zu, Muslime weltweit haben in den vergangenen Tagen Enthaltsamkeit geübt von der Morgendämmerung bis zum Sonnenuntergang. Von Sabine Müller

Seit etwa fünf Jahren versammeln sich abends mehrere hundert Gläubige aus der Region an der Beyazit Moschee in Klein-Krotzenburg zum gemeinsamen Fastenbrechen. Dabei bereichern immer mehr Flüchtlinge das gemeinsame Mahl. Gegen 21.30 Uhr werden am Donnerstag die letzten großen Schüsseln und Töpfe aus der Küche der Moschee getragen. Vor den Tischen der Essensausgabe haben sich lange Menschenschlangen gebildet. Mit gefüllten Tabletts lassen sich die Menschen an den Biertischgarnituren unter den Pavillons nieder und warten. Die Männer vorne, Frauen und Kinder weiter hinten im Hof. Um exakt 21.45 Uhr zitiert der Imam Koranverse, gleich danach blinken die Löffel der hungrigen Esser. „Früher kamen etwa 80 bis 100 zum Fastenbrechen“, berichtet Mehmet Tezgör, stellvertretender Vorsitzender des Türkisch-Islamischen Kulturvereins, „mittlerweile sind es im Schnitt 200 Menschen.“ Der Einzugsbereich reicht von Mainflingen über Seligenstadt bis nach Hanau. An besonderen Tagen, wie etwa der gestrigen „Nacht der Bestimmung“, werden sogar bis zu 300 Gläubige erwartet: Im Ramadan, der laut Mondkalender in diesem Jahr am 6. Juni begann und am 4. Juli endet, soll Mohammed der Koran offenbart worden sein, am 27. Tag des Monats.

Um dies zu feiern, darf tagsüber nicht gegessen, getrunken, geraucht und muss auf Sex verzichtet werden. Abends trifft man sich mit Familien und Freunden zum Fastenbrechen – an der Siemensstraße mittlerweile eine logistische Meisterleistung. „Ich bin selbst fasziniert, aber es klappt immer irgendwie“, sagt Mehmet Tezgör. Eine Handvoll Männer und Frauen kocht für alle ein dreigängiges Menü. Am Donnerstag gibt es Linsensuppe, Tomatennudeln, Fleisch und Kartoffeln in scharfer Soße, Essiggemüse, zum Nachtisch Kuchen, zu trinken Wasser und Schwarztee. Ganz wichtig sind die Datteln vorab. „Sie gehören zu unserer Religion und Kultur und haben viele wichtige Mineralstoffe.“

Für eine Fastenspeise sei dieses opulente Mahl eigentlich des Guten zu viel: „Eine Suppe würde reichen, dann ist man schon satt.“ Zumal immer mehr Flüchtlinge das Fastenbrechen nicht nur durch ihre Anwesenheit, sondern auch durch Essensgaben bereichern. Ein Dankeschön, denn sie dürfen – egal welcher Glaubensrichtung – kostenlos an den Mahlzeiten teilnehmen, die durch Spenden finanziert werden. Mehmet Tezgör freut sich über diese Entwicklung: „Die Flüchtlinge helfen viel und bringen Farbe in die Gemeinschaft.“

Archivbilder

Bait-ul-Wahid Moschee eröffnet: Bilder

Sevgi Uslu, die sich stark im Verein engagiert, hat für die Asylsuchenden aus Seligenstadt einen Fahrdienst eingerichtet. Sie selbst fastet dieses Jahr nicht, weil sie krank ist. Auch Kinder bis zur Pubertät, Alte und Schwangere seien ausgenommen, erzählt sie. In diesem „gesegneten Monat“ sind die Gläubigen angehalten, viel Gutes zu tun und Arme zu unterstützen. Dass Sevgi Uslu nicht fasten kann, macht sie mit einer besonders großen Geldspende wett. Cazibe Gürgen, die aus Hanau herüber kam, betont, dass der Ramadan eine Reinigung von Körper und Geist ist, in dem die Gläubigen ihren religiösen Pflichten besonders gewissenhaft nachkommen: „Ich lese vermehrt Koran, bete öfter und schaffe so eine nähere Verbindung zu Gott.“ Beim gemeinsamen Fastenbrechen versammeln sich viele nach dem Essen im Inneren der Moschee zum Abendgebet, das der Imam singend vorgibt.

Dem 30-tägigen Ramadan folgt in der kommenden Woche das Fest des Fastenbrechens, erläutern die Gemeindemitglieder, nach dem Opferfest der zweithöchste islamische Feiertag. „Wie bei euch an Weihnachten, so beschenken dann Eltern die Kinder.“

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