Den Dinosaurier wiederbeleben

Investor plant neue Produktionshallen auf Winter-Gelände

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Die ehemaligen Werkshallen der Firma Winter an der Offenbacher Landstraße in Hainstadt sind seit fast 20 Jahren verwaist. Nach jahrelangem Stillstand hat ein Investor das Gelände gekauft.

Hainburg - Fast 20 Jahre ist es her, dass sich die Tore der großen Werkshallen der Firma Winter an der Offenbacher Landstraße geschlossen haben. Seit 1997 das Stammhaus des Kunststoff-Unternehmens in Hainstadt die Produktion eingestellt hat, lag das Gelände brach. Von Katrin Stassig

Nun hat sich ein Investor gefunden, der es zu neuem Leben erwecken möchte. Die Firma Huber Gewerbeimmobilien aus Regensburg hat das 3,5 Hektar große Grundstück an der Offenbacher Landstraße gekauft und möchte es nach den Vorstellungen der künftigen Mieter neu entwickeln und bebauen. Das Familienunternehmen hat mehrere Standorte in Deutschland. Mit-Gesellschafter Bernhard Huber hat sein Büro an der Daimlerstraße in Hainburg. Dort gehört der Firma bereits das drei Hektar große Grundstück, auf dem unter anderem der Automobilzulieferer Magna residiert, einer der größten Arbeitgeber im Ort.

Die Firma ist spezialisiert auf „kaputte Dinosaurier“, wie Bernhard Huber es formuliert – auf insolvente Firmen, auf Gewerbestandorte, die lange brach liegen. Diese sollen an neue Mieter gebracht werden. Vor zehn Jahren hat Huber schon einmal versucht, das Winter-Gelände zu kaufen, dies sei aber an „horrenden Preisen“ gescheitert. In der vergangenen Woche nun ist der Kaufvertrag unterschrieben worden. Bei einem gemeinsamen Pressetermin mit Bürgermeister Bernhard Bessel und Erstem Beigeordneten Alexander Böhn erläutert Huber sein Vorhaben. Das Thema Wirtschaftsförderung ist in den vergangenen Wochen – vor allem durch den Bürgermeisterwahlkampf – immer wieder aufs Tapet gebracht worden. Der Gemeinde sei vorgeworfen worden, „ihr macht nichts, ihr schlaft“, sagt Bessel. Dabei habe sich beim Winter-Gelände in den vergangenen zwei bis drei Jahren viel getan – allerdings hinter den Kulissen. „Wir konnten das nicht öffentlich kommunizieren, weil wir sonst die Verhandlungen gefährdet hätten“, betont der Bürgermeister.

Seit der Schließung des Werks Ende der 90er Jahre hätten zahlreiche Investoren Interesse an den Flächen bekundet, aber keine der Verhandlungen sei erfolgreich gewesen, schildert Bessel. Erst als vor drei Jahren ein Insolvenzverwalter übernommen hat, kam Bewegung in die Sache. Alle Grundstücke aus dieser Insolvenz seien inzwischen verkauft, teilt der Bürgermeister mit.

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Vor dem Kauf hat Bernhard Huber in Zusammenarbeit mit der Gemeinde geprüft, ob sein Bauvorhaben für das Gelände umsetzbar ist. Es gebe keinen Bebauungsplan für diesen Bereich, erläutert Erster Beigeordneter und Baudezernent Alexander Böhn, er sei aber im Flächennutzungsplan als Gewerbegebiet ausgewiesen. Bauvoranfragen bei der Kreisbauaufsicht geben Rechtssicherheit für die Pläne. Diese sollen nun, so Huber, mit Architekten und künftigen Mietern weiterentwickelt werden. Dabei wird es auch um die Frage gehen, ob alle Hallen abgerissen oder teilweise umgebaut werden. An einigen Gebäuden sind Eternitplatten verbaut, die entsorgt werden müssen. Eventuell werde die erste Halle zur Straße hin als eine Art Industriedenkmal erhalten. Auch der Grüngürtel dort soll bestehen bleiben. Das Investitionsvolumen werde voraussichtlich im zweistelligen Millionenbereich liegen.

Die Kunden stehen laut Huber bereits Schlange, würden am liebsten sofort einziehen. Hainburg sei ein beliebter Standort, stellt er fest, die Infrastruktur sei gut, die Anbindung zur Autobahn, die Lage im Rhein-Main-Gebiet. Die künftigen Mieter kommen aus der Verpackungs-, der Automobil- und der Kunststoffindustrie, auf dem Gelände wird also wieder produzierendes Gewerbe angesiedelt. Huber schätzt, dass 200 bis 300 Arbeitsplätze an diesem Standort entstehen. Die Anlieferung soll über das benachbarte Kohl-Gelände oder an der Rückseite erfolgen, um die Anwohner vor Lärm zu schützen. Das Thema Gewerbegebiete in Hainburg stand gestern Abend auch auf der Tagesordnung der Ausschusssitzung im Feuerwehrhaus Hainstadt. Ein Bericht dazu folgt.

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