Klein-Krotzenburger Jürgen Bischoff ist begeisterter Tabakpfeifenbauer

Vom Wichtel bis zum Damenbein

+
Jürgen Bischoff spannt in seiner Werkstatt in Klein-Krotzenburg ein Holzstück in die Drehmaschine ein.

Klein-Krotzenburg - Mit einer Pfeife kann Jürgen Bischoff gut entspannen. Weniger beim Rauchen, vielmehr in seiner Werkstatt, wo er die unterschiedlichsten Formen entwirft und gestaltet. Über das Internet oder Messen finden die Unikate in Größe, Form und Farbe ihre Liebhaber. Von Sabine Müller

Gemütlich sind sie, intellektuell manchmal, elitär kaum – und sie werden immer jünger. Wer bei einem Pfeifenraucher an Wilhelm Buschs Lehrer Lämpel, SPD-Vize Herbert Wehner oder einen kauzigen Oberförster denkt, wird beim Gespräch mit Jürgen Bischoff eines Besseren belehrt. Auf den Messen für Tabakpfeifen in Speyer oder Lohmar treffe er eine ganze Bandbreite von Kunden, berichtet der 51-Jährige, die freilich „eher zur Genießerschicht“ gehörten. Neben Sammlern, die für edles Rauchwerkzeug auch mal mehrere tausend Euro liegen ließen, seien es aber oft Studenten, die nach günstigen Exemplaren Ausschau hielten. „Mancher spart sich eine handgearbeitete Pfeife vom Mund ab.“ Bei Jürgen Bischoff kann man ab 90 Euro ein selbstgearbeitetes Exemplar erwerben, die Preise variieren nach Fertigungsaufwand und Holzqualität.

„Handwerkskunst hat mich schon immer interessiert“, erzählt der gelernte Elektriker. Dass er aber auf die Pfeife kam, ist ungewöhnlich: „Bis zu meinem 40. Lebensjahr habe ich überhaupt nicht geraucht.“ Auch heute noch zündet er sich nur gelegentlich und in Mußestunden ein Pfeifchen an, „etwa Sonntagmittags nach einem guten Essen“. Und es sei schwer gewesen, einen Tabak zu finden, der ihm schmecke. Während eines Kanada-Urlaubs im Jahr 1993 entdeckte der gebürtige Klein-Krotzenburger in einem Indianer-Reservat, dass es viel mehr Variationen gibt, als die bei uns bekannten Friedenspfeifen. Dann kam die Fantasy-Trilogie „Der Herr der Ringe“ in die Kinos: Zwerge, Zauberer und die Hobbits rauchen Pfeife. Bischoff ließ sich davon inspirieren und recherchierte zum einstigen Lehrberuf des Pfeifenbauers, der sich leider heute in Schall und Rauch aufgelöst habe. Um das Wissen darum wieder zu befeuern, wälzte Jürgen Bischoff Fachliteratur und machte sich im Internet schlau.

Gängiger Werkstoff ist das Wurzelholz der Baumheide (Bruyère), das rund ums Mittelmeer wächst. Es hat eine glatte Oberfläche, eine feine Maserung und ist mit 18 Prozent Kieselsäure äußerst hitzeresistent. Der Krotzenburger kauft die Klötze innerhalb der gut vernetzten Gemeinschaft der Pfeifenmacher ein und macht sich dann ans Entwerfen, Drehen und Feilen, was sechs, aber auch bis zu 30 Stunden dauern kann, je nach Form, Applikation, Ausarbeitung der Maserung und Oberflächenbehandlung. Auch die Mundstücke – aus Ebonit oder Acryl, das mehr Spielraum bei der Farbe bietet – sind selbst geformt. Beim Erstexemplar aus dem Jahr 2004 ist es noch recht lang. „Eine typische Lesepfeife“, sagt Jürgen Bischoff.

Er baut mittlerweile zwei bis drei Rauchwerkzeuge pro Monat, wobei der Fantasie keine Grenzen gesetzt sind. Vom kurzen „Wichtel“ über die herbstlich grün-gelb gefärbte Pfeife, die klassisch-wuchtige der Engländer, die schlichte schöne aus Olivenholz bis hin zur originellen Halloween-Pfeife, deren Tabakkammer Rippen-Struktur hat, oder das elegant geformte „Damenbein“, das einst im Wettbewerb stand bei den „Freunden im Rauch“. Beim Pfeifenraucher-Stammtisch in Rodgau-Hainhausen werden nicht nur Pfeifen geschmaucht und Tabake probiert. Wie bei den Messen wechseln auch Objekte den Besitzer. Jürgen Bischoff kann stolz auf seine Arbeit sein: In seinem Online-Gästebuch bescheinigen ihm begeisterte Käufer „solide Handarbeit“ und einen tollen Geschmack. Die Pfeife „raucht sich bis zum letzten Tabakkrümel auf“.

Kommentare