„Hainburger der ersten Stunde“

Neuer Gemeindevertretervorsteher Oliver Möser

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Keine Angst vor großen Fußstapfen: Der 43-jährige Oliver Möser, hier an seinem Arbeitsplatz, ist neuer Vorsitzender der Gemeindevertretung in Hainburg.  

Hainburg - Den eigenen Standpunkt vor Sitzungsbeginn an der Garderobe abgeben - das kann es für Oliver Möser denn doch nicht sein. Zu seiner Partei, der CDU, will Hainburgs neuer Gemeindevertretervorsteher auch künftig stehen und deren Politik im Parlament mittragen.

Für den 43-Jährigen ist das einerseits eine Frage der Loyalität, andererseits vernünftig. Nicht zuletzt gibt sein Votum den Ausschlag: Wenn es hart auf hart kommt, hat die Mehrheitsfraktion der Opposition nur diese eine Stimme voraus. Der Grat zwischen politischem Engagement und gebotener Neutralität ist somit für den Nachfolger von Franz Kemmerer, nach 30 Jahren Kommunalpolitik nun allseits respektierter Ruheständler, noch ein Stück schmaler als für Erste Bürger andernorts. Die Balance zu halten, traut sich Oliver Möser indessen zu: „Wer mich kennt, der weiß, dass ich Sitzungen zu hundert Prozent neutral leite“, sagt er mit Blick auf die vergangene Wahlperiode, als er Vorsitzender des Bau-, Verkehrs- und Umweltausschusses war. Bei Abstimmungen im Plenum werde er „gewissenhaft für die Gemeinde entscheiden und nicht den neutralen Joker ziehen“. Mindestens so wichtig wie die Parteilinie ist dem gelernten Werkzeugmacher und Familienvater dabei die persönliche Verantwortung. Als erste politische Erfahrungen ordnet er nicht etwa seinen Eintritt in die Junge Union, sondern sein Engagement als Schulsprecher und im Pfarrgemeinderat bei St. Wendelinus in Hainstadt ein: „Da habe ich nie gezögert, Meinungen nach außen zu vertreten.“

In der JU sei sein Interesse an der Mitarbeit in der Gemeindevertretung erwacht. Nicht zufällig bei der CDU, aber auch nicht zwingend: Wichtig gewesen sei ihm die Entscheidung für eine Partei und einen Kurs. „Parteien sind das Rückgrat unserer Demokratie“, ist Möser überzeugt. Ständiger Wechsel von Richtung und Interessen - „Hop-on-Hop-off-Mentalität“ nennt er das - möge zwar bei kurzfristigen Entscheidungen funktionieren, aber: „Langfristige Ziele erreichen die großen Fernzüge mit festen Stationen dann doch effektiver.“

Über das Parlament kam Oliver Möser als Hainburger Vertreter auch in den interkommunalen Müllabfuhrzweckverband mit Großkrotzenburg - ein praktisches Arbeitsfeld, wie es ihm nach eigenen Worten liegt. Als leitender Mitarbeiter bei einem Blechgehäuse-Hersteller im Klein-Krotzenburger Industriegebiet genießt er seine Verantwortung für Qualitätssicherung, Waren-Ein- und Ausgang, Kundenkommunikation und Materialströme, vor allem aber die Fertigungstiefe vom ersten Blechprofil bis zum Endprodukt: Das gebe das Gefühl, etwas Sinnvolles zu tun.

Dazu noch dort, wo der gebürtige Hanauer aufgewachsen ist. Als Sohn eines Klein-Krotzenburger Vaters und einer Hainstädter Mutter sieht er sich als „Hainburger der ersten Stunde“. Seine Freizeit verbringt er am liebsten mit seiner Familie: Gemeinsam kochen, im Garten arbeiten und „ein wenig Vereinsleben“ - bevorzugt mit Helau. In der Gemeindevertretung hat Oliver Möser jetzt den Hut, bei den Fastnachtsfreunden St. Wendelinus schon seit Jahren die Kappe des Vorsitzenden auf. Das verbinde ihn auch mit seinem Vorgänger: Franz Kemmerer war bekanntlich jahrelang Sitzungspräsident bei der ÖVV in Klein-Krotzenburg.

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Auch in der Gemeindevertretung hat der neue Erste Bürger nichts dagegen, seinem Vorgänger nachzueifern. Neben seiner „staatsmännischen Art“ habe Kemmerer „immer ein Augenzwinkern und eine Portion Humor“ weitergeben können. Vor den großen Fußstapfen, in die er tritt, hat er nach eigenen Worten Respekt, aber keine Angst: „Ich werde sie mit Sicherheit nicht ausfüllen können, denn jeder hat bekanntlich seine eigene Größe.“ Kemmerers Richtung wolle er beibehalten, Unterschiede im Detail ergäben sich schon aus der Altersdifferenz: „Zwischen uns liegt ja mehr als eine Generation.“

Dessen ungeachtet will Möser seine neue Rolle „ordentlich und respektvoll“ mit traditionellen Werten ausfüllen, an erster Stelle „Ehrlichkeit und Loyalität“. Auch eine Richtschnur für spätere, eventuell höhere politische Ämter? Möser winkt ab: „Wenn man das höchste Amt in einer Gemeinde innehat, bleibt ja für weitere politische Ambitionen nur noch der Gang nach Außen“, sagt er. „Das ist nicht meine Intention.“

rdk

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