Graeßner-Nachbildung, Erinnerung an Hermann Kaiser

Neues Kreuz auf der Spitze des Kirchturms

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Bevor das Kreuz auf die Turmspitze gehoben wird, erhält es zum Schutz eine Hutze gegen Feuchtigkeit. Im Bild (v.l.): Lukasz Plezha, Gerhard Lücking und Uwe Millitzer.

Klein-Krotzenburg - Anfang der 1950er Jahre schuf der Klein-Krotzenburger Kunstschmied Walter Graeßner ein mannshohes Kreuz für das damals in Eigenhilfe erbaute Gotteshaus der evangelischen Kirchengemeinde. Von Armin Wronski

Witterungseinflüsse haben das schlichte Metallkreuz auf dem knapp 14 Meter hohen Glockenturm so sehr zugesetzt, dass seine Standsicherheit nicht mehr gewährleistet war. Die Kirchengemeinde musste reagieren. „Wir haben die Seligenstädter Schlosserei Uwe Millitzer beauftragt eine Nachbildung des Originals von Meister Graeßner anzufertigen. Das alte Turmkreuz wird künftig einen Ehrenplatz im Kirchenbau haben“, so Vorstandsmitglied Gerhard Lücking. Die Kosten in Höhe von rund 2 000 Euro für die Nachbildung seien durch Spenden finanziert worden. Dieser Tag war es soweit für den Wechsel „Alt gegen Neu“. Die Feuerwehr Klein-Krotzenburg rückte mit ihrer Hubarbeitsbühne an. Im Beisein von Ortsbrandinspektor Wernern Merget bugsierte Carl Bauernfeind im Steuerstand des schweren Gerätes Millitzers Mitarbeiter Lukasz Plezha samt Kreuz gefühlvoll auf die Turmspitze, wo er es in die Verankerung einsetzte. Die Aktion war nach rund zwei Stunden beendet.

Die Gründung der evangelischen Kirchengemeinde in Hainburg geht auf den Pietisten und Kaufmann Hermann Kaiser zurück. Er gilt auch als Gründer des Seniorenheims Agaplesion Simonstift. Kaiser besaß zwei Drogerien in Frankfurt, die bei Bombenangriffen im Zweiten Weltkrieg zerstört wurden. Mit seiner Familie fand er schließlich im „Haus Waldfrieden“ in Hainburg ein Obdach. Dort suchte er regelmäßig die ebenfalls in den Kriegs- und Nachkriegsjahren neu zugezogenen Protestanten auf, lud sie zu Gottesdiensten sowie Veranstaltungen ein. Aus den Treffen ging 1961 eine eigenständige Kirchengemeinde hervor. Nicht nur die evangelische Gemeinde, auch der Kirchenbau geht maßgeblich auf das Engagement Hermann Kaisers zurück: Bevor das Gustav-Adolf-Werk und die junge Evangelische Kirche in Hessen und Nassau Mittel für die Errichtung eines Gotteshauses zur Verfügung stellten, streckte er 50.000 Mark aus Eigenmitteln vor, mit denen der von Studenten der TH Darmstadt entwickelter Bauplan umgesetzt werden konnte. Die Finanzierung allein genügte dem engagierten Protestanten aber nicht: Samstag für Samstag trommelte er Männer für die Arbeit auf der Baustelle zusammen. Himmelfahrt 1952 wurde der Grundstein gelegt, ein Jahr darauf bereits der erste Gottesdienst in der neuen Kirche an der Klein-Krotzenburger Schleusenstraße gefeiert.

Kirchturmspitze der St. Sebastian-Kirche montiert

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