Neue Ausstellung ab 23. Oktober

Puppenhaus-Museum findet Interimsquartier im Vereinsheim am Bahnhof 

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Mehr als 100 Exponate hat Winfried Gärtner beisammen. Sein Puppenhaus-Museum öffnet am 23. Oktober im Vereinsheim am Hainstädter Bahnhof.

Hainstadt - Winfried Gärtners Puppenhäuser bringen Kinderaugen zum Strahlen und wecken bei Erwachsenen Erinnerungen. Über 100 Exponate hat der Hainstädter beisammen. Was den Mini-Immobilien fehlt, ist eine ständige Adresse. Bis sich das geplante Museum realisieren lässt, bietet das Vereinsheim gegenüber des Hainstädter Bahnhofs eine Zwischenlösung. Von Sabine Müller 

Zunächst war das Vereinsheim der Germania als Lager gedacht. Doch jetzt kann der Verein Winnis Puppenhaus Museum den Kellerraum als ständige Ausstellungsfläche nutzen – im und ums Eigenheim der Gärtners an der Paradiesgasse ist schon alles zugebaut mit Mini-Immobilien. Ein eigenes Museum für die Sammlung sei zwar in Aussicht, aber noch nicht spruchreif, sagen Erika und Winfried Gärtner. Zunächst mal sind sie froh über ein Domizil mit festen Öffnungszeiten, das sie unabhängig macht von Messen und befristeten Schauen. Außerdem soll künftig mit dem Seligenstädter Regio-Museum kooperiert werden, indem Tickets für beide Einrichtungen gelten.

Die mit liebevollen Details gestalteten Puppenhäuser des Hainstädters sind weit über die Region hinaus bekannt. Und es werden immer mehr. Neueste Errungenschaft: ein Miniaturhaus im viktorianischen Stil und noch im „Rohbau“. Es sei die Schenkung einer Frau aus Heilbronn, die über eine Fachzeitschrift auf ihn aufmerksam wurde, und benötige noch viel Arbeit, erzählt Winni Gärtner. Unglücklich ist er darüber nicht. Er kann sich verlieren in stundenlangem Werkstatt-Werkeln, das seiner Gesundheit gut tut: „Früher war ich ein Choleriker.“ Im Jahr 1997 kam der erste Herzinfarkt, der Sachbearbeiter am Flughafen musste seinen Beruf aufgeben, wollte fortan aber nicht die Hände in den Schoß legen und baute deshalb für seine kleine Enkelin Lara, heute 15, ein Puppenhaus. Der Grundstein für eine kleine Welt im Maßstab 1:12 war gelegt.

Bei den Entwürfen lässt sich der 68-Jährige inspirieren von Kindheitserinnerungen und Filmen. „Alles Unikate, es gibt keine Pläne, auch die Möbel sind selbstgemacht“, betont der leidenschaftliche Häuslebauer. Er hat schon für eine Schmiede die Werkzeuge geschnitzt, Dachziegel einzeln von Hand geschnitten und in eine vier Millimeter dicke Holztür eine Glasscheibe eingesetzt. Für die 120 Jahre alte Puppenstube der Familie Höhner aus Seligenstadt hat der Haus-Doktor Türen und Fenster aus 150 Jahre alten Eichenbalken gebaut.

Archivbilder:

Sonderschau mit Puppenhäusern

Der Betrachter verliert sich beim Blick ins Haus der Waltons und der Kleinschmidts, ins Südstaatenhaus und Schwarzwaldbauernhaus, in ein Hotel und Schulräume; oft historisch angelehnt an den Stil von um 1900. Es geht aber auch modern und luxuriös: Baujahr 2011 und 80 Kilo schwer ist die Edelherberge mit Garage, Sauna, Fitnessraum, Dachterrasse und Pool, an der ihr Architekt zweieinhalb Monate lang tüftelte. Zum Interieur gehören Marmor, Granit und Edelhölzer. A propos Ausstattung: Leben und Flair ziehen mit Erika Gärtners handwerklichen Fähigkeiten ein. Mit Hilfe ihrer Nähmaschine staffiert sie die Bewohner aus, sorgt für Kissen und Vorhänge, und verwandelt einen Zahnstocher in einen Regenschirm. „Ich bau ein Haus, sie macht es wohnlich“, erklärt ihr Ehemann die Arbeitsteilung.

Von „Winnis Puppenhaus-Werkstatt“ zu „Winnis Puppenhaus-Museum“: Zur Eröffnung am Sonntag, 23. Oktober, um 15 Uhr  sind auch Ehrengäste aus Lokalpolitik und Wirtschaft geladen. Ohne Sponsoren, sagt Winfried Gärtner, wäre sein Projekt nicht zu finanzieren. Er selbst tritt ebenfalls als Wohltäter auf, hat schon viele Spielhäuser im Maßstab 1:10 gebaut und an soziale Einrichtungen verschenkt.

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