Riesen-Bärenklau hat sich ausgebreitet

Ein giftiger Eindringling im Ostkreis

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Mit der Heckenschere kappt Thorwald Ritter die Triebe und Blüten der Herkulesstaude, die sich am Weihersbach ausgebreitet hat.   - Foto:

Hainburg - Ihren schlechten Ruf hat die Herkulesstaude ihrer gesundheitsschädlichen Wirkung auf den Menschen zu verdanken. Wer mit der Pflanze in Berührung kommt, muss mit Quaddeln und Pusteln rechnen, in Verbindung mit Sonnenlicht entstehen Verbrennungen. Von Katrin Stassig

Auch im Ostkreis hat sich der Riesen-Bärenklau (so der offizielle Name) ausgebreitet, versuchen Naturschützer und Landwirte ihn einzudämmen. Die „Giftpflanze des Jahres 2008“ gilt als invasiver Neophyt – ein Eindringling, der hier zuvor nicht heimisch war. Ursprünglich stammt die Pflanze aus dem Kaukasus. Zur Ausbreitung des Riesen-Bärenklaus in Europa haben die Imker wesentlich beigetragen, die ihn aufgrund der großen Blüten als Bienenweide nutzten. So kam die Pflanze auch in den Ostkreis: Ein Imker habe sie nahe der Weihersbachquelle in Froschhausen mal angebaut, berichtet Thorwald Ritter. Von dort aus habe sie sich ausgebreitet. Eine Stelle am Werniggraben unweit der Liebfrauenheide lässt sich derzeit nur schwer eindämmen.

Vorsicht ist geboten, wo der Riesen-Bärenklau wächst: Die Berührung mit der Pflanze kann zu Verbrennungen führen.

Die Herkulesstaude wuchert nahe am Bach und unter den Bäumen, dort kommt der Landwirt mit seinem Mäher nicht rein. So hat die Pflanze die Kontrolle übernommen. Wird sie oben gekappt, treiben weiter unten Seitentriebe aus. „Man müsste ständig mähen und sie permanent im Auge behalten“, sagt Ritter. Mit der Heckenschere kappt er die Stiele, die innerhalb weniger Tage nachgewachsen sind.  Der Himmel ist bedeckt an diesem regnerischen Nachmittag, die Pflanze deshalb weniger gefährlich. Thorwald Ritter zeigt auf kleine weiße Narben an seinen Fingerknöcheln – die Handschuhe, die er beim letzten Mal getragen hat, waren nicht dicht. Einmal war er leichtsinnig und hat bei Sonnenschein in kurzen Hosen gearbeitet. Gefährlich könnte die Pflanze auch für Kinder des nahe gelegenen Waldkindergartens werden, die laut Ritter manchmal an den Weihersbach kommen.

An den Wegrändern im Krotzenburger Wald wächst auch der Wiesen-Bärenklau, der dem Riesen-Bärenklau nicht nur im Namen zum Verwechseln ähnlich ist. An den Blättern lassen sich die beiden Pflanzen unterscheiden. Im Gegensatz zur Herkulesstaude ist der Wiesen-Bärenklau aber harmlos. Das gilt auch für zwei weitere invasive Arten, die im Ostkreis vorkommen. Das Indische Springkraut, das im 19. Jahrhundert als Zierpflanze in Europa eingeführt wurde, wächst vor allem an Bächen und Flüssen. Es wächst hoch und schnell und überdeckt so in kürzester Zeit andere Pflanzenarten. Aus den reifen Früchten schießen die Samen bei kleinster Berührung heraus, sodass sich das Springkraut weiter verbreitet.

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Als schnell wuchernde Pflanze ist auch der Knöterich bekannt. Die Ambrosia (Traubenkraut), die allergische Reaktionen hervorruft und deren Ausbreitung derzeit in Deutschland Probleme bereitet, ist im Ostkreis bisher nicht aufgetaucht. Eine Meldung gab es, aber es handelte sich letztlich um eine Wiesenraute. Weil im Naturschutzgebiet der Einsatz von Pestiziden verboten ist, lässt sich die Herkulesstaude auf diesem Weg nicht bekämpfen. Eine Alternative wäre das Ausgraben, aber auch das führt nicht zu 100 Prozent zum Erfolg. „Deshalb: schneiden, schneiden, schneiden“, sagt Ritter und setzt wieder die Heckenschere an.

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