Jahrgang 2016 „Krotzenburger Pfarrgarten“ mit 150 Flaschen

Ein Wingert mitten im Ort

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Die Klein-Krotzenburger Hobbywinzer in ihrem kleinen Wingert m Pfarrgarten von St. Nikolaus.

Klein-Krotzenburg - Der Gewölbekeller diente während des Kriegs als Bunker, danach als Abstellraum, das Grundstück war eine Mischung aus Nutz- und Ziergarten. Mittlerweile sind Keller wie auch Garten neu angelegt und erfreuen sich einer intensiven Nutzung und Pflege.

Die Rede ist vom Pfarrhaus St. Nikolaus Klein-Krotzenburg und dem angeschlossenen Garten, wo mittlerweile ein Weinberg entstanden ist. Der Begriff „Berg“ ist für den Standort der Reben hinter dem Haus eigentlich nicht treffend, reihen sich doch die 99 Rebstöcke auf ebener Fläche an. Richard Becker und Werner Zilch aus Klein-Krotzenburg zeichnen für das wohl kleinste Wein-Anbaugebiet in Hessen verantwortlich. Knapp 200 Quadratmeter misst ihr Wingert mitten im Dorf. Ertrag: „So 150 Flaschen Wein können wir produzieren“, sagt Richard Becker. 200 Kilo Trauben ernten er und seine Mithelfer im Jahr, inzwischen zum neunten Mal.

„Die erste Traubenlese 2007 war nicht so toll“, erinnert sich Werner Zilch. Gerade einmal 67 Grad Öchsle (Zuckergehalt im Wein) brachte die Lage „Krotzenburger Pfarrgarten“ damals zusammen. „Das war mehr ein Trink-Essig“ sagt Zilch. Der Jahrgang 2016 wird definitiv besser: 80 Grad Öchsle erreicht der Most der Trauben. Ein schöner, trockener und fruchtiger Weißwein entsteht. Die Rebsorte trägt den klangvollen Namen Excelsior. „Schmeckt wie eine Mischung aus Müller-Thurgau und Silvaner“, sagt Werner Zilch.

Die Wahl auf diese Rebsorte fiel nach einer Bodenprüfung durch einen erfahrenen Winzer. Armin Heilmann aus Michelbach betreut die Freizeit- Weinbauern aus Klein-Krotzenburg, riet zu dieser Sorte. Excelsior ist unkompliziert und resistent gegen Schädlinge, lernte Hobby-Weingärtner Richard Becker. Die Trauben sind mittelgroß und eignen sich auch hervorragend zum Verzehr.

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Winzer Heilmann kümmert sich um den Ausbau der Früchte zum Wein. Noch am Tag der Lese werden die Trauben nach Michelbach gebracht und dort verarbeitet. Im März 2017 wird der Jahrgang 2016 „Krotzenburger Pfarrgarten“ dann abgefüllt und verkorkt und im Weinkeller unter dem Pfarrhaus gelagert. „Nur der Pfarrer und ich haben den Schlüssel zum Lager“, sagt Richard Becker. Der edle Tropfen in der Flasche mit einem Bild der Kirche und des Gartens wird nicht verkauft – sondern ausschließlich verschenkt oder bei besonderen Anlässen weitergegeben.

Becker muss es wissen, denn er kümmert sich von Anfang an um den Weingarten. Die Reben müssen gestutzt und beschnitten werden, es muss geharkt und gepflegt werden. So ganz nebenbei renovierte Richard Becker auch noch den Gewölbekeller des Pfarrhauses, befreite schönes Gemäuer von altem Putz und schuf den kleinen Weinkeller mit Theke. Dort sitzen sie dann ab und zu, die Klein-Krotzenburger Weingärtner – und widmen sich der vermeintlich schwersten Tätigkeit ihrer ganzjährigen ehrenamtlichen Arbeit: der Verkostung des Weins. Bo

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