Wechselvolle Geschichte des ehemaligen Gasthauses Thema beim Heimatverein

Zum Zechen ins „Weiße Ross“

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Im ehemaligen Gasthaus „Zum weißen Ross“ an der Kirchstraße in Klein-Krotzenburg ist heute der Heimatverein untergebracht.

Klein-Krotzenburg - Das ehemalige Gasthaus „Zum weißen Ross“ dient dem Heimatverein als Domizil. Die wechselvolle Geschichte des mit mindestens 300 Jahren ältesten Gasthofes in Klein-Krotzenburg stand im Mittelpunkt eines Vortrags mit Heimatverein-Vorsitzendem Dieter Distel.

Vollbesetzt waren die Räumlichkeiten des Heimatvereins als der Vorsitzende, Dieter Distel, über die wechselvolle Geschichte des ältesten Gasthauses von Klein-Krotzenburg berichtete. Das „Weiße Ross“ sei mit größter Wahrscheinlichkeit viel älter als 300 Jahre, doch sei das nicht seriös nachweisbar. Das Alter von 300 Jahren aber ist durch ein dendrochronologisches Gutachten bewiesen, erläuterte Distel den Besuchern im vollbesetzten Domizil. „Bei einer solchen Untersuchung werden von verschiedenen Holzbalken Bohrkerne entnommen, und an Hand der Jahresringe das Fälljahr bestimmt“, führt er aus. Das funktioniert aber nur, wenn von dem entsprechenden Balken die Waldkante - das ist der äußere Ring - vorhanden ist. Diese Untersuchung ergab bei mehreren Balken im erste und zweiten Obergeschoss 1715 als Fälljahr. Holz wurde früher vornehmlich im November und Dezember geschlagen und im nächsten Jahr verbaut. Aus diesem Grund also 300 Jahre „Weißes Ross“: 1716 - 2016.

Als kleine Kuriosität präsentierte Distel noch eine Münze, die bei der letzten Renovierung in einem der Gefache an der Kirchstraße gefunden wurde. Es handelt sich dabei um eine Ein-Kreuzer-Münze des Großherzogtums Hessen Darmstadt von 1721. Soweit die ältesten Belege für das „Weiße Ross“. Ein Gasthaus ist in Klein-Krotzenburger Archiven schon 100 Jahre früher belegt. So schreibt Eddi Daus in seinem Buch über die Gasthäuser, dass es einen Bericht über das Geleitswesen gebe, in dem bereits 1606 erwähnt ist, dass die Seligenstädter Geleitsreiter nach Übergabe desselben am Hainstädter Schlag bei ihrer Heimreise erst einmal Station in Klein-Krotzenburg machten, um weiter zu zechen.

Im ältesten Sterbebuch der Pfarrei ist ein Johann Vollert genannt, der 1563 geboren wurde und 1630 starb; er war Wirt. Erst 100 Jahre später taucht im Sterbebuch erneut ein Wirt auf. Es war Johann Brauneis V., er war Wirt und Marktschöffe. 1747 taucht das „Weiße Ross“ erstmals namentlich auf: In einem Ratsprotokoll vom 4. November 1747 wurde der Wirt des „Weißen Ross“, Matthäus Zilg, vom geschworenen Aufseher angezeigt, weil er an Kirchweih trotz eines Verbotes Tanzmusik veranstaltet hatte. Außer Matthäus waren auch Hermann und Peter Zilg „Ross-Wirte“. Sie waren allesamt Gemeinderäte und Bürgermeister.

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Ab 1813 ging das Gasthaus an die Familie Köhler. 1835 war Johann Köhler II. Wirt; er braute sein Bier selbst. 1849 erwarb Peter Mickler das Anwesen und baute ein Kelterhaus und eine Kegelbahn. Ab dem 17. September 1877 führte Peter Nikolaus Jakoby die Gaststätte. Er starb 1906. In seine Zeit fiel eine Entscheidung, die für die weitere Entwicklung Klein-Krotzenburgs richtungsweisend war: Auf einer Bauernversammlung am 12. Januar 1897 wurde der Bau der Eisenbahn durch Klein-Krotzenburger Gelände abgelehnt.

Anschließend erwarb Josef Bauer die Schankkonzession. Nach seinem Tod im Jahr 1938 wurde das Lokal geschlossen. Nach dem Krieg pachtete Ludwig Kempf die Gaststätte. 1951 übernahm Hans Schmid mit seiner Frau Anna die Regie im „Weißen Ross“. Als Schmid 1955 starb, verließ seine Frau das Lokal, um in der Friedensstraße ein Haus zu bauen und darin den Gasthof „Zur Traube“ zu eröffnen. Das „Weiße Ross“ übernahm die Familie Heidl. Sie waren - ebenso wie die Schmids - Heimatvertriebene. Therese Heidl war eine äußerst beliebte Wirtin und stand bis 1968 hinter der Theke. Danach ließ Herbert Bauer das Lokal renovieren. Nach einer Reihe von kurzen Gastspielen verschiedener Wirte kamen am 4. Mai 1979 mit Klaus Klein und seiner Frau Beate neue Wirtsleute, die sich in den dreieinhalb Jahren ihrer Tätigkeit „einer ungeheuren Beliebtheit“ erfreuten.

Dann baute Bauer das Anwesen komplett um. Ins Erdgeschoss des Anbaus zog ein Penny-Markt ein, auch das Lokal war nicht wieder zu erkennen. Es folgten diverse Pächter, von denen nur Thomas Martin und seine Frau erwähnenswert sind. Sie verließen das „Weiße Ross“ und bewirtschafteten das Lokal am Harressee. Der letzte Wirt war Jochen Michalski von 1996 bis 2001. Er führt seither die Gaststätte „19Hundert“.

Bo

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