Hanauer beim längsten Radrennen der Welt

9400 Kilometer im Renntempo unterwegs

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Hanau - 9400 Kilometer von Moskau nach Wladiwostok – und das im Renntempo auf dem Rad. Die beiden Hanauer Extremsportler Matthias Fischer und Martin Temmen wollen sich einer gewaltigen Herausforderung stellen: Sie nehmen am längsten Radrennen der Welt teil. Von Dieter Kögel

Mit dem „Red Bull Trans-Siberian Extreme“ haben sich die beiden Rad- und Radrennsportbegeisterten Hanauer Matthias Fischer und Martin Temmen bei der Suche nach neuen sportlichen Herausforderungen für ein wirkliches Extrem entschieden: In 23 Tagen werden sie ab 5. Juli die 9400 Kilometer lange Strecke zwischen Moskau und Wladiwostok als Zweierteam angehen. Insgesamt kämpfen drei Teams beim längsten Radrennen der Welt um den Sieg. Ausgefahren wird das Rennen in 14 Etappen.

Seit rund sechs Jahren sind die beiden Freunde mit ihren Rädern gemeinsam unterwegs. Anfangs waren es vorwiegend Mountainbike-Touren, die sie unternahmen, später kam dann das Rennrad dazu. Zahlreiche Amateurrennen haben sie inzwischen absolviert: Die „Trans Alp“ sind sie erstmals im Team gefahren, das Rennen Paris – Brest – Paris hat Martin Temmen im vergangenen Jahrallein absolviert, und gleich danach bei einem Vortrag über das erste vom Getränkehersteller Red Bull veranstaltete „Trans-Siberian Extreme“ die Möglichkeit gewittert, sich ganz neu auszutesten. Natürlich im Team mit Matthias Fischer, der sich ebenfalls schnell für das große Vorhaben erwärmen konnte.

„Drei Wochen im Rennmodus, drei Wochen lang nichts tun außer Radfahren“, da komme Freude auf, sagt der 25-jährige Maschinenbautechniker Matthias Fischer, der es in einem Fahrradgeschäft auch beruflich ständig mit seinem liebsten Fortbewegungsmittel zu tun hat.

Radfahren sei eine ganz eigene Faszination, meint auch Martin Temmen (31), Doktorand an der Uni in Dortmund. „Es gibt einfach ein gutes Gefühl.“ Das wirke auch nach einer Tour weiter, wenn man daran zurückdenke. „Es ist abgefahren, was da alles passiert ist.“ Den eigenen Körper spüren, Landschaften wahrnehmen, das Wetter empfinden. „Das ist manchmal wie zwei Tage in einem.“

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Zur Vorbereitung auf die Extremtour machen die beiden nur eines: Radfahren. Auf Touren durch Rhön und Vogelsberg absolvieren sie schon mal leicht zwischen 200 und 300 Kilometer zur Eingewöhnung. Und für die beiden sind ihre Räder nicht nur Sportgerät, sondern auch unverzichtbares Fortbewegungsmittel im Alltag. Martin Temmen fährt täglich seine Tour vom Wohnort zum Arbeitsplatz Uni mit dem Rad. Zehn Kilometer hin, zehn Kilometer zurück. Auch so werden Kilometer gesammelt als Trainingseinheiten für die sportlichen Herausforderungen.

Doch auch kräftig Geld musste gesammelt werden, um sich die Teilnahme am „Trans-Siberian Extreme“ zu ermöglichen. Immerhin waren 24 000 Euro aufzubringen. Mit Sponsoren, Eigenanteil und einem erfolgreichen Internet-Spendenaufruf war die Summe Ende April zusammen, so dass die Kosten für Anreise, Begleitfahrzeug, Crew und Physiotherapeutin nun gedeckt sind. Grünes Licht also für das große Abenteuer, bei dem sich die Hanauer Radrennfahrer auf der Strecke ständig abwechseln werden. Im Stundenrhythmus werden sie vermutlich im Sattel sitzen, nachts wollen sie die Fahrzeit auf jeweils drei Stunden ausdehnen, damit die Regenerationsphasen länger ausfallen. Und am Baikalsee gibt es gar einen ganzen Tag Ruhepause. Ob der wirklich gut ist, da istsich Martin Temmen gar nicht so sicher. Denn es könne ja sein, dass der Körper dann gar keine Lust mehr habe, noch einmal aufs Rad zu steigen...

Internetnutzer können, wenn es soweit ist, direkt Zeuge des Rennens werden. Denn auf Facebook wollen Temmen und Fischer über ihre Renntage aktuell berichten. Und anschließend können sie sich auch Vorträge über die extreme Herausforderung vorstellen.

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