Literarische Gratwanderung

Abbas Khider stellt Roman „Ohrfeige“ vor

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Groß war das Interesse am Montagabend im Kulturforum Hanau an der Lesung des Schriftsteller Abbas Khider, der seinen Roman „Ohrfeige“ vorstellte, der im Mittelpunkt der aktuell laufenden Leseaktion „Hanau liest ein Buch“ steht.

Hanau - Auf erwartungsgemäß großes Interesse stieß am Montagabend im Kulturforum die Lesung des Romans „Ohrfeige“ mit Autor Abbas Khider.

Das Buch wird seit vergangenem Freitag an den verschiedensten Plätzen in Hanau von rund 60 Vorlesern im Rahmen der Reihe „Hanau liest ein Buch“ präsentiert, das Lesefest dauert noch bis zum 24. September.

Die Geschichte des irakischen Flüchtlings Karim Mensy, der in Deutschland strandet und in die Mühlen der Bürokratie gerät, während er im Asylantenheim zum Nichtstun verdammt ist und auf Nachricht wartet, bewegt. In aller Offenheit berichtet Khider auch darüber, dass Asylsuchende ihre Geschichte oft neu erfinden müssen, um überhaupt in den Genuss des Asylrechts zu kommen. Eine Offenheit, die auch Risiken birgt, weil sie von der „falschen Seite“ aufgegriffen und ausgenutzt werden könnte, wie ein Besucher meinte. Das aber ist dem Autor wohl bewusst. Es gehe darum zu zeigen, dass die „Seelen der Menschen reduziert werden“ auf politische und wirtschaftliche Belange. Es gehe darum zu zeigen, wie das gesamte System funktioniere, in dem „wir alle nur Zahlen und Nummern sind.“ Khider: „Ich bin Schriftsteller. Ich muss auch das sagen, was andere nicht sagen können oder wollen.“ Auch wenn genau das, aus dem Kontext gerissen, als Argument gegen Flüchtlinge verwendet werden könnte.

Das Buch indes behandle eigentlich „ganz einfache Fragen“. Wie die, wie ein Mensch ein Leben führen soll, „wenn er nicht in seine Heimat zurück kann, aber auch nicht in Deutschland leben darf“, sondern sich nur für begrenzte Zeit „am Leben der Anderen wärmen“ könne, ohne dazu zu gehören.

Es sei durchaus eine Gratwanderung, ein solch existenzielles Thema auch mit einer gewissen Portion Humor auf das Papier zu bringen, antwortet Khider auf die Frage eines anderen Besuchers der Lesung. Aber „Humor ist auch eine Art Lebensstrategie“, und „wenn ich über Folter schreibe, muss ich den Leser nicht foltern“. Außerdem sei es „wichtig, dass man auch Hoffnung weitergibt“. Humor, ohne ins Alberne abzugleiten, ist für Autor Abbas Khider, der nach mehreren Gefängnisaufenthalten aus dem Irak geflohen ist und seit 2000 in Deutschland lebt und arbeitet, dazu ein wichtiges Mittel.

„Ohrfeige“ ist Abbas Khiders dritter Roman, und sein literarisches Werk ist anerkannt. Am Tag der Autorenlesung in Hanau hat Khider gleichsam erfahren, dass er im Jahr 2017 Stadtschreiber von Mainz sein wird. (dk)

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