Konflikt der Kulturen

„Aida“ geht als unterhaltsame Revue über die Amphitheater-Bühne

+
Ganz nahe waren die Besucher am Geschehen, Orchester und Dirigent hatten hinter der Bühne Aufstellung genommen.

Hanau -  Festspielstimmung im Hanauer Amphitheater: Auf der Zeltbühne vor Schloss Philippsruhe gastierte das „Venezia Festival Orchestra“ mit Verdis Opern-Dauerbrenner „Aida“. Von Axel Zibulski 

Die Sphinx schaut auf uns, lässt mit gelassenem Blick ägyptische Mäntel, allerlei Pharaonenzepter und überhaupt das ganze Opernpersonal Revue passieren. Stört sich auch nicht an den Stechmücken, die in der Abenddämmerung das Verdi-Spektakel im Hanauer Amphitheater bevölkern und unsanft daran erinnern, dass wir am Main, nicht am Nil weilen. Dort herrscht derweil Nebel, immer wieder, wenn auf der Bühne dramatische Akzente zu setzen sind.

Im sehr gut besuchten Amphitheater gastierte die „Venezia Festival Opera“ aus Bulgarien und führte Giuseppe Verdis Oper „Aida“ auf, dieses am Heiligabend 1871 in Kairo als ziemlich einträgliches Auftragswerk uraufgeführte Stück um die unmögliche Liebe zwischen dem ägyptischen Offizier Radames und der äthiopischen Sklavin Aida. Ein Konflikt zweier im Krieg liegender Kulturen, der 1980 an der Oper Frankfurt einmal für einen der größten deutschen Opernskandale sorgte, weil Regisseur Hans Neuenfels die Titelfigur als Putzfrau und die Szene überhaupt höchst aktuell inszeniert hatte.

Davon war die Tournee-Produktion der „Venezia Festival Opera“ erwartungsgemäß ganz weit entfernt. Thron und Treppen, Tanz und Toupets: Ganz nah kam dem Publikum das alles. Denn das Orchester und sein Dirigent Nayden Todorov hatten unsichtbar hinter der Szene Position bezogen. Sie wurde vokal von den drei Hauptfiguren geprägt, die gemeinsam mit der Kompanie spürbar ergiebige Bühnenerfahrung mitgebracht hatten. Elena Baramova war eine Aida, die ihrem Leid in kompromisslos harten Vokalfarben Ausdruck verlieh, Stoyan Daskalov ein tenoraler Radames-Routinier, der sich bereits nach seiner Eingangsarie („Celeste Aida“) über viel Beifall freuen durfte. Und als Gegenspielerin Amneris sorgte Elena Chavdarova-Isa für reichlich dunkle Mezzo-Farben, oft der dramatischen Ehrlichkeit vor dem reinen Schönklang Vorrang verleihend.

„Die Goldene Gans“ bei den Grimm-Festspielen: Bilder

Dass die Regie (von Nadia Hristo) „Aida“ zur passagenweise höchst unterhaltsamen Revue werden ließ, passte gut in die abendliche Freiluftstimmung. Die Balletteinlagen gehörten schließlich schon bei der Uraufführung zu den reich bejubelten szenischen Accessoires, hier erinnerten sie in Gestik und Bewegung ganz an antike Wandmalereien. Anschaulich auch die Gestaltung der kleineren Partien, von Vladimir Nikov als Aidas königlichem Vater oder von Ivailo Dzurov als Oberpriester Ramphis. Mit elektronischer Verstärkung lieferte auch der zehnköpfige Herrenchor klanglich so opulente Ergebnisse, dass gewiss niemand so ungerührt blieb wie die Sphinx.

Kommentare