Arbeiten am Kanalnetz in Großauheim

Viele Ratten in der Hanauer Unterwelt

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An den Abwasserkanälen in Großauheim muss einiges saniert werden. Derzeit laufen Arbeiten im Harzweg.

Grossauheim - Viele Ratten leben unter uns. Im Wortsinn. Zehn Kanalratten sind es pro Einwohner, rechnen Fachleute. „Das ist aber nichts Schlimmes“, sagt Markus Henrich, Leiter des städtischen Eigenbetriebs Hanau Infrastruktur Service (HIS), und es ist in allen Städten so. Von Christian Spindler 

In Großauheim sind es aber deutlich mehr. Auch das ist an sich nicht problematisch für Menschen. Allerdings für das Kanalsystem im Stadtteil, das HIS ohnehin zu schaffen macht. Vieles muss saniert werden. Nach jüngsten Kanaleinbrüchen in der Sandgasse und in der Hauptstraße mussten an einigen Stellen bereits kurzfristig Reparaturarbeiten vorgenommen werden. Zuletzt hat es auch im Harzweg „Senkungen in größerem Umfang gegeben“, so Henrich. Derzeit sind dort die Kanalsanierer am Werk. Weitere Arbeiten im Stadtteil werden folgen. Wann, wo und in welchem Umfang wird derzeit noch eruiert.

Städte und Gemeinden sind laut hessischer Abwassereigenkontrollverordnung gehalten, ihr Kanalsystem alle 15 Jahre einer Videoanalyse zu unterziehen. 2015 war Großauheim dran, erläutert Henrich. Dabei kam heraus, dass 60 Prozent der insgesamt 55 Kilometer Kanalrohre im Stadtteil nun nochmal genauer unter die Lupe genommen werden müssen. Fachleute begutachten derzeit eingehend die Videoaufnahmen, klassifizieren die Abschnitte in bis zu fünf Schadensklassen an Hand derer festgelegt wird, ob, wann und was saniert werden muss. Während an einer Stelle eine Kanalspülung reicht, muss andernorts womöglich ein schadhafter Bereich saniert werden, indem ein Schlauchsystem eingeführt wird, dass man mit Kunstharz aushärtet. Wo das nicht geht, müssen eventuell Straßen aufgerissen und so die kaputten Rohre erneuert werden. „Zu Aufwand und Zeitplan kann ich momentan noch nichts sagen“, so Henrich. Nach einer auf CDU-Initiative erfolgten ersten Unterrichtung des Ortsbeirats soll es aber noch vor den Herbstferien eine Infoveranstaltung für Bürger geben, bei der die notwendigen Maßnahmen vorgestellt werden.

Dass das Großauheimer Kanalsystem an vielen Stellen marode ist, liegt an drei Faktoren, so der HIS-Chef: Zum einen hat der in den 50-er Jahren verwendete Beton der Rohre nur eine begrenzte Haltbarkeit. Zum anderen begünstigt der sandige Untergrund in Großauheim Absenkungen. Dies wiederum erleichtert es den Ratten, ihre Tunnelanlagen zu bauen. Deswegen treten die Nager dort in viel größerer Zahl auf. Und: Die Ratten bekommen Nahrung, so Henrich, weil viele Bürger Essensreste kurzerhand in der Toilette statt in der Biotonne entsorgen - ein gefundenes Fressen für die Nager in der Unterwelt.

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