Am Sonntag Feier zum 100-jährigen Bestehen

August-Gaul-Schule: Lernen unterm Uhrenturm

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Die August-Gaul-Schule mit ihrem Uhrenturm steht unter Denkmalschutz. Das so genannte Sgraffito an der Fassade fertigte August Peukert nach einer Skizze August Gauls an.

Großauheim - „Wir sind die Bremer Stadtmusikanten“, tönt es durch das Treppenhaus der August-Gaul-Schule. Eine Gruppe Schüler probt auf einem der großzügigen Treppenabsätze des denkmalgeschützten Gebäudes für ihren großen Auftritt. Auch andernorts laufen die letzten Vorbereitungen, denn an diesem Wochenende feiert die Grundschule ihr 100-jähriges Bestehen. Von Laura Hombach 

Dabei mussten die Organisatoren allerdings weitgehend ohne Unterlagen zur Schulgeschichte auskommen, weshalb es auch keine Chronik geben wird. Die alten Aufzeichnungen seien während des Zweiten Weltkrieges vernichtet worden, erklärt Lehrer Florian Lukas die Misere. Lediglich auf ein paar Fakten, die der Großauheimer Heimat- und Geschichtsverein zusammengetragen hat, kann man sich stützen. Trotzdem soll es am Sonntag für die Besucher des großen Schulfests die Möglichkeit geben, in die Historie der ab 1916 zunächst katholische Volksschule, dann Turmschule und schließlich August-Gaul-Schule benannten Lehranstalt mit dem charakteristischen Uhrenturm einzutauchen.

In einem Raum der Erinnerungen werden Zeitzeugen über die Schule von einst berichten, auch Hörgeschichten, Film- und Bildbeiträge sowie historische Exponate wie Rechenschieber, Nähkästen, alte Spiele und Bücher sollen die Geschichte lebendig werden lassen. Ein aktiver Zeitstrahl lädt die Besucher ein, ihre Erinnerungen zur August-Gaul-Schule zu verewigen. Wie es Schülern vergangener Tage beim Schreibenlernen erging, lässt sich beim Mitmachangebot zum Schreiben in Sütterlin erfahren. Zudem besteht am Sonntag Gelegenheit, dem historischen Gebäude unters Dach zu steigen. In kleinen, von Lehrern geführten Gruppen können die Gäste den Dachboden erkunden, auf dem sich noch ein paar ausrangierte Schulmöbel entdecken lassen. Teilnehmen kann man nur nach Anmeldung, die Listen zum Eintragen liegen während des Schulfests aus.

Ein farbiges Fensterbild ziert das Westportal der August-Gaul-Schule. Architektonische Besonderheiten im Schulgebäude künden von der 100-jährigen Geschichte.

Gleichzeitig lässt sich an diesem Tag natürlich auch viel über die August-Gaul-schule von heute erfahren, die mit ihrer flexiblen Schuleingangsphase, dem besonderen Augenmerk auf die Demokratieerziehung und als Umweltschule ebenfalls eine Besonderheit darstellt. Rund 180 Kinder besuchen derzeit die ganztägige Grundschule. In der flexiblen Schuleingangsphase werden die Kinder in den Klassen eins und zwei jahrgangsgemischt unterrichtet. Ziel ist es, jedem Kind eine stressfreie, an sein eigenes Leistungsniveau und Lerntempo angepasste individuelle Entwicklung zu ermöglichen. Die Lehrer erstellen für jeden Schüler ein auf ihn zugeschnittenes Lernprogramm. Neben gemeinsamen Phasen arbeiten die Kinder die meiste Zeit individuell an den ihnen gestellten Aufgaben. Wichtiger Aspekt dieses pädagogischen Ansatzes ist dabei auch die gegenseitige Hilfestellung der Schüler untereinander. „So lernen sie Kernkompetenzen wie Kommunikation, zu argumentieren und gemeinsam Probleme zu lösen“, erläutert Lukas.

Kompetenzen, die sie in ihrem weiteren Leben ebenso gut gebrauchen werden können, wie das, was sie im Rahmen der Demokratieerziehung erfahren. Hierzu zählen etwa die Klassensprecherwahlen ab der 3. Klasse, der Klassenrat, in dem die Kinder aktiv bei der Festlegung von Klassenregeln und dem Lösen von Konflikten mitarbeiten, oder auch die einmal pro Monat stattfindende Kinderkonferenz, an der alle Schüler und Lehrer teilnehmen. „Die Kinderkonferenz hat gezeigt, dass die Kinder bereit sind, Verantwortung zu übernehmen“, erklärt Lukas. Eine Verantwortung, die die Kinder auch in Sachen Umwelt übernehmen: Der Müll, der im Klassenraum anfällt, wird von den Schülern selbst getrennt und in die entsprechenden Tonnen entsorgt. Dank der Auseinandersetzung mit dem Thema Nachhaltigkeit sowie dem besonderen Stellenwert, der dem Bereich Bewegung an der Schule eingeräumt wird (Walk-to-School-Day, Wandertag und Bewegungszeiten) wurde die Grundschule 2015 als Umweltschule ausgezeichnet.

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Viel gibt es also am Sonntag zu erfahren und zu feiern. Und bis dahin klingt das „Wir sind die Bremer Stadtmusikanten“, das musikalisch auf die Ansicht an der Schulfassade verweist, die August Peukert nach einer Bleistiftskizze des heutigen Namensgebers der Schule fertigte, dann auch perfekt.

Festprogramm an der Gaul-Schule

Begangen wird das Schuljubiläum bereits am heutigen Freitag bei einer Akademischen Feier mit geladenen Gästen. Herzlich eingeladen sind dann alle zum großen Schulfest am Sonntag, 3. Juli, von 12 bis 17 Uhr. Gefeiert wird im Schulgebäude, in der Turnhalle und auf dem Pausenhof. Geboten wird ein buntes Programm mit Mitmach-Angeboten, Vorführungen und Ausstellungen für Groß und Klein. Die Schüler haben Ausstellungen erarbeitet, in denen die Demokratierziehung an ihrer Schule, der Weg zur Umweltschule oder das Thema „Die August-Gaul-Schule als Teil der Welt“ erfahrbar werden. Geschichtlich geht es bei den Klassenangeboten „Spielen wie vor 100 Jahren“ und „Wie Uroma schreiben übte - 100 Jahre Schrift“ zu. Der Raum der Erinnerungen lädt zur Zeitreise ein.

Zudem gibt es jeweils um 13 und 15 Uhr in der Turnhalle Vorführungen der Schüler. Für eine buntes Programm sorgt der Zirkus Pompitz. Der Schulföderverein verkauft T-Shirts mit einem eigens fürs Jubiläum entworfenen Logo. Auch Snacks, Getränke sowie Kaffee und Kuchen sind im Angebot. Der Erlös des Schulfests soll für die naturnahe Neugestaltung des Schulhofs verwendet werden. Wie der Pausenhof einmal aussehen soll, veranschaulicht ein Modell, das beim Fest zu sehen ist.

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