Selbst Kaiser stand Modell

Ausstellung „Wiener Welten“ im Schloss Philippsruhe

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Vor einem Werk von Johann Peter Krafft: Fachbereichsleiter Kultur, Martin Hoppe, der österreichische Handelsdelegierte Michael Love und Michael H. Sprenger vom Geschichtsverein.

Hanau - Am kommenden Samstag startet die Ausstellung „Wiener Welten“ im Schloss Philippsruhe in Hanau. Von Dieter Kögel 

Schon vor der Eröffnung der Ausstellung „Wiener Welten“ des 1780 in Hanau geborenen Malers Johann Peter Krafft am kommenden Samstag im Museum Schloss Philippsruhe ist sich Hanaus Oberbürgermeister Claus Kaminsky sicher. „Diese Präsentation von Gemälden und Zeichnungen bildet einen außerordentlichen Glanz- und Höhepunkt im laufenden Ausstellungsjahr und wird überregionale Strahlkraft haben.“ Johann Peter Krafft gehörte zur ersten Schülergeneration der Hanauer Zeichenakademie, an der er noch während seiner Schulzeit an der Hohen Landesschule unterrichtet wurde. Bereits 1799 wechselte der Maler an die Wiener Akademie der bildenden Künste, 1802 erweiterte Krafft seinen künstlerischen Horizont durch einen zweijährigen Studienaufenthalt in Paris. Eine für Krafft „prägende Zeit“, wie Museumsleiterin Dr. Katharina Bechler gestern bei einem Vorabrundgang durch die Ausstellung betonte.

Zurück in Wien, machte sich Krafft schnell einen Namen als Portraitmaler, selbst der Kaiser hat Modell gestanden. Entsprechende Arbeiten aus den Sammlungen verschiedener Leihgeber, die im Frühjahr bereits in der Wiener Galerie Belvedere gezeigt worden sind, sind nun auch in Hanau zu sehen. Dazu Historienbilder des Malers, Wiener Ansichten und Kreidezeichnungen. Die Ausstellung beleuchtet aber auch das direkte künstlerische Umfeld des 1856 in Wien verstorbenen Malers. Seine Tochter Marie Krafft war ebenfalls Malerin, Vater Ignaz Peter Krafft war Emaillemaler für Hanaus exquisite Goldwarenfabriken. Und auch Ignaz Peter Krafft war mit der jungen Hanauer Zeichenakademie verbunden, die damals von dem aus Paris stammenden Graveur und Zeichner Jean-Louis Gallien geleitet wurde, auf dessen Wirken in der Ausstellung ebenfalls eingegangen wird.

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Und so sind die „Wiener Welten“ gleichsam auch ein Blick in eine künstlerische Epoche im 19. Jahrhundert, in der Hanau und insbesondere die Zeichenakademie prägend wirkten. Die Ausstellung zeige deutlich auf, „welche Kraft in der Region liegt“, sagte Dr. Helmut Müller, Geschäftsführer des Kulturfonds Frankfurt/Rhein-Main. Auch dessen Unterstützung ist es zu verdanken, dass die Ausstellung in Hanau zu sehen ist. Die Hanauer Sparkassenstiftung hat ebenso zur Realisierung des Projekts beigetragen wie der noch junge Förderverein für das Historische Museum oder die österreichische Handelsdelegation.

Die Ausstellung dauert vom 10. Juli bis zum 9. Oktober und wird von einem umfangreichen Programm begleitet. Zur Ausstellung ist auch ein Katalog erschienen, der an der Museumskasse zum Preis von 29 Euro erworben werden kann.

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