Eigenbetrieb prüft strukturelle Änderungen bei Müllabfuhr

Bald keine Sperrmüllgebühren mehr in Hanau?

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Zuweilen macht sich Stadtrat Andreas Kowol (links) sogar persönlich auf die Suche nach Hinweisen auf die Verursacher wilder Müllkippen wie dieser. Mit der Abschaffung der Sperrmüllgebühren in Hanau, so die Hoffnung des Stadtrats, könnte auch ein Beitrag gegen illegale Müllentsorgung geleistet werden.

Hanau - Werden im Zuge der von der Stadt Hanau angekündigten Senkung der Abfallgebühren gleich auch die Sperrmüllgebühren in der Brüder-Grimm-Stadt abgeschafft? Von Dirk Iding 

Die künftig kostenlose Abfuhr von Sperrmüll gehöre zu den Punkten, über die derzeit beim für die Abfall- und Abwasserentsorgung zuständigen Eigenbetrieb Hanau Infrastruktur Service (HIS) „sehr ernsthaft“ nachgedacht werde, erklärte Abfalldezernent Andreas Kowol (Grüne) gestern im Gespräch mit unserer Zeitung. Bisher kostet die Abholung von Sperrmüll durch HIS 35 Euro pro Anforderung und beteiligtem Haushalt. Darüber hinaus wird eine Verwaltungsgebühr von zehn Euro erhoben, wenn die Sperrmüllabfuhr nicht sofort in bar am Fahrzeug bezahlt wird.

Die in Hanau seit langem praktizierte Regelung, dass die Zahlung bei der Sperrmüllabholung sofort bar entrichtet werden muss, nennt selbst Stadtrat Kowol „Quatsch und völlig antiquiert“. Ihm seien schon Fälle zu Ohren gekommen, dass sich Bürger extra Urlaub für die Sperrmüllabholung genommen hätten. Anderenfalls gebe es einen erheblichen Verwaltungsaufwand bei der Eintreibung der Zusatzgebühr, die bei Zahlung der Sperrmüllabfuhr gegen Rechnung fällig wird. Mancher Kunde weigere sich schlicht, diese zusätzliche Gebühr zu zahlen.

„Das alles entfiele, wenn die Sperrmüllabfuhr kostenlos wäre“, sieht Kowol darin einen erheblichen Servicegewinn für die Bürgerinnen und Bürger. Doch das allein ist nicht der Ausschlag gebende Punkt dafür, dass in Hanau über eine Abschaffung der Sperrmüllgebühren, möglicherweise auch bei Anlieferung des Mülls am Betriebshof Daimlerstraße, nachgedacht wird. Vor allem erhofft sich der Grüne Stadtrat davon einen Beitrag, um der Vielzahl der wilden Müllablagerungen in der Landschaft entgegenzuwirken, die für HIS und die sich an die Regeln haltenden Bürgerinnen und Bürger nicht nur ein großes Ärgernis; sondern mittlerweile auch ein nicht unerheblicher Kostenfaktor geworden sind.

Gerade in jüngster Zeit gab es, wie berichtet,- erneut eine ganze Reihe von Fällen illegal entsorgten Mülls, meist an abgelegenen Feldwegen, an Waldparkplätzen oder mitunter sogar mitten im Wald. Obschon HIS in jedem Einzelfall versucht, die Verursacher der wilden Müllkippen zu ermitteln und dabei in den letzten Tagen auch zweimal Erfolg gehabt hat – auf die ertappten Umweltfrevler dürfte nun einiges an Kosten zukommen –, hat in Hanau die Zahl der wilden Mülldeponien in den vergangenen Jahren eher zu- als abgenommen. Von jährlich rund 70 Tonnen illegal in der Landschaft entsorgten Müll spricht der Eigenbetrieb – Tendenz steigend. Müll, der auf Kosten aller Gebührenzahler entsorgt werden muss.

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Kowol: „Wir müssen diesem Problem begegnen.“ Eine verschärfte Überwachung neuralgischer Punkte, gegebenenfalls auch mit dem Einsatz von Videotechnik, sei kaum machbar. Eine Höhenbegrenzung der Zufahrten zu Waldparkplätzen, wie sie nun beispielsweise für den Hundeauslaufplatz in Steinheim vorgesehen sei, damit mindestens keine größeren Fahrzeuge die abgelegenen Ecken erreichen, werde ebenfalls nur im begrenzten Rahmen wirken. „Die Abschaffung der Sperrmüllgebühr aber könnte ein Weg sein, die Zahl der wilden Müllablagerungen zumindest zu reduzieren, auch wenn die wohl niemals ganz verschwinden“, macht sich Kowol keine Illusionen.

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Bis Herbst werde HIS seine Vorschläge für Änderungen bei der Müllentsorgung in Hanau vorlegen. Dabei gehe es, so Kowol, auch um weitere strukturelle Überlegungen, beispielsweise zur möglicherweise flächendeckenden Einführung einer nur noch 14-tägigen Leerung der Restmülltonnen sowie eines einwöchigen Rhythmus’ bei der leerung der Biotonnen während der Sommermonate. Entschieden sei aber noch nichts, und das letzte Wort hätte dann ohnehin die Stadtverordnetenversammlung.

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