Ein Ständchen vom König

Beim 64. Bundesäppelwoifest werden Lucia I. Klaus II. gekrönt

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Reibungsloser Thronwechsel: OB Claus Kaminsky (links) hob das neue Äppelwoi-Königspaar Lucia I. (Schütz), Klaus II. (Schmidt) auf den Thron und verabschiedete die bisherigen Regenten Betsy I. und Andy I (rechts im Bild). 

Hanau - Wo das „Stöffche“ in Strömen fließt, tut man sich offenbar leichter mit der Politik. Beim 64. Bundesäppelwoifest im Steinheimer Schlosshof hat der Thronwechsel jedenfalls reibungslos geklappt. Von Oliver Klemt

Unter dem Jubel von mehr als 1 000 Besuchern hob Oberbürgermeister Claus Kaminsky Lucia I. (Schütz) und Klaus II. (Schmidt) als neues Äppelwoi-Königspaar auf den Schild. Seine Majestät beglückte die ausgelassen feiernden Untertanen sogleich mit einer ge-sungenen Regierungserklärung frei nach Rio Reiser: Was würde er nicht alles tun, wenn er Äppelwoikönig wär? Nun ist er’s geworden, das „Maa-Äppelche“ in der Altstadt avanciert vom Genießer-Tipp zur königlichen Residenz. Mutig packt – hat Klaus II. nicht zu viel versprochen – die neue Doppelspitze der Stöffche-Monarchie das erste heiße Eisen an: Mehr Nachtruhe für die Steinheimer Altstädter bei gleichzeitig steigender Festfrequenz – auch nicht ehrgeiziger als manches Paradox-Projekt der großen Politik. „Wir schaffen das“ hat im Festzelt freilich niemand laut gesagt.

Vielleicht ging die strapazierte Parole aber auch nur im lautstarken Trubel unter, den die Showband „Die Obernburger“ immer wieder mit Stimmungshits, Schlagern und volkstümlichen Ohrwürmern anheizte. Gerade noch konnte sich Moderator Günther Trageser Gehör verschaffen, um die scheidenden Äppelwoi-Regenten Betsy Berean und Andy Reif würdig zu verabschieden. OB Kaminsky zollte beiden den gebührenden Respekt und erinnerte an mehr als 100 Auftritte, die Betsy I. und Andy I. binnen Jahresfrist zu absolvieren hatten.

Geschickte Finger brauchten die Äppelwoi-Olympioniken: Die Frucht aller Früchte wollte fachmännisch geschält sein.

Große Achtung hatte der Rathauschef nach eigenen Worten auch vor allen, die trotz der tropischen Hitze bei der Königskür noch nicht vollständig durchgeschwitzt waren. Die mörderischen Temperaturen sorgten zwar für hohes Absatzniveau beim lokalen Leib- und Magengetränk, zum Festauftakt am Freitagabend mit den „Hoaderlumpen“ hatte das Sahara-Klima nach Wahrnehmung von Kurt Hüttges, stellvertretender Vorsitzender der Ersten Steinheimer Karnevalsgesellschaft (1. SKG), doch manchem die Partylaune verdorben. „Bisschen dünn“, diagnostizierte Hüttges gestern beim Frühschoppen, am Samstagabend aber „hat es hier nur so gebrummt“. Kühler war es da zwar auch nicht wirklich, offenbar jedoch hat die Äppelwoi-Monarchie eine ebenso starke wie begeisterungsfähige Anhängerschaft.

Zumindest zeitweise abkühlen konnten sich am Sonntagvormittag die Äppelwoi-Olymponiken, die Timo Röhr - Sohn von Festvater und Königsmacher Willy Röhr – in den mittlerweile dritten Gaudi-Wettkampf schickte. Beim Apfeltauchen galt es, die Frucht kopfüber mit den Zähnen aus dem Wassereimer zu fischen.

Bundesäppelwoifest im Steinheimer Schlosshof: Fotos

Mit der CG „Blaues Blut“, dem Posaunenchor, dem SKG-Elferrat, den Kerbborsche der DJK und der Nachwuchtruppe „Bierbank“ stellten sich fünf Teams der erfrischenden Herausforderung. Können mussten sie noch mehr: Äpfel schälen etwa, wobei König Klaus darüber wachte, dass vor lauter Tempo am Ende nicht nur ein Mini-Würfel übrig blieb.

Beim Bembelstemmen hieß es Muskeln zeigen, und natürlich wurden die „Äppel“ auch konsumiert – in fester Form auf Zeit bis auf den Stil und flüssig zu sechst mit Schläuchen aus dem Zwei-Liter-Krug.

Wer danach noch stand, durfte sich am Nachmittag an einer „Großen Schweinerei“ erfreuen. So hieß der Schwank, mit dem die SKG-Theatergruppe ihr Publikum beglückte. Amüsiert verfolgten die Vorstellung auch allerlei Prinzen und Prinzessinnen diverser Herkunft und Ressorts, die sich traditionell beim Äppelwoifest versammeln.

Am heutigen Montag geht es um 11 Uhr mit dem Frühschoppen weiter, bei dem es noch einmal zeremoniell zugeht: Zum 31. Mal will die SKG eine Persönlichkeit, die sich um Steinheim verdient gemacht hat, mit einem Ehrenbembel auszeichnen. Tradition hat mittags die Rentnerbewirtung: Ab 12 Uhr wird den älteren Festbesuchern ein leckerer Eintopf gereicht.

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